Influenza bei Mensch und Tier

Unter Influenza bzw. “Grippe“ sind Infektionen mit den Influenzaviren A, B und C zu verstehen. Für den Menschen sind vor allem Influenza A und Influenza B relevant. Die jährlich wiederkehrende, saisonale Influenza („Grippewelle“) des Menschen wird von Influenza-A und B-Viren ausgelöst und von Mensch zu Mensch übertragen, ohne dass Tiere dabei eine Rolle spielen. Influenza A-Viren werden auf Grundlage der Struktur ihrer Oberflächenproteine Hämagglutinase H (wichtig für die Anheftung an die Wirtszelle und Auslösung der Immunantwort des Wirtes) und Neuraminindase N (bedeutsam für die Virusfreisetzung aus der Wirtszelle) unterschieden, z.B. H1N1.

Bis heute sind 18 Hämagglutinin-Subtypen (H1 bis H18) und 11 Neuraminidase-Subtypen (N1 bis N11) identifiziert worden. Im Prinzip ist jede HA-/NA-Subtypkombination denkbar. Beim Menschen sind bisher vor allem die Influenza A-Subtypen H1N1, H2N2 und H3N2 in Erscheinung getreten.

Am hochpathogenen Erreger H5N1 erkrankten laut Weltgesundheitsorganisation jedoch in der jüngsten Zeit viele Hundert Menschen, ein Großteil verstarb sogar. Das Gleiche gilt für H7N9, eine Virusvariante, die vor allem bei Vögeln vorkommt, jedoch bisher nicht beim Menschen in Erscheinung getreten war, die in China jedoch in den letzten Jahren zu vielen Todesfällen geführt hat. Dieser „neue“ Virustyp stellt nun in der Tat auch eine Gefahr für den Menschen dar.

Influenza A-Viren kommen außer bei Menschen bei Vögeln und Säugetieren vor. Eine besondere Bedeutung haben die Vögel, da bei ihnen die vorkommenden Virusvarianten in der Regel (außer hochpathogene Varianten mit H5 und H7) keine Krankheitssymptome hervorrufen und damit zur „stillen“ Verbreitung von Influenzaviren beitragen.

Bei der Influenza B gibt es nicht diese Subtypen, aber seit Jahren zirkulieren weltweit zwei genetisch unterschiedliche Linien (Yamagata-Linie und Victoria-Linie).

Ausbreitung

Influenzavirusinfektionen sind weltweit verbreitet und treten in Augenschein über „Grippewellen“. In der Vergangenheit forderten globale Pandemien Millionen Menschenleben. Die Zunahme an neuen Ausbrüchen ist bedingt durch die hohe genetische Vielfalt der Influenzaviren, die sie durch Mutationen und Genaustausche erlangen. So entstehen ständig Neukombinationen mit unterschiedlicher Gefährlichkeit für Mensch und Tier. Bis zur Ausbildung einer schützenden Immunität können die Viren sich wegen der rasche Übertragung und der „modernen“ globalen Vernetzung in der Welt verbreiten.

Bekämpfung/Prophylaxe

Als Prophylaxe beim Menschen stehen Impfstoffe zur Verfügung. Die Impfung ist für besonders empfängliche Personen (ältere Menschen, Menschen mit chronischen Atemwegsinfektionen) von der Ständigen Impfkommission empfohlen. Die am Robert Koch-Institut angesiedelte Arbeitsgruppe Influenza betreibt für Deutschland ein Monitoring über alle in den Arztpraxen gemeldeten Influenzafälle. Dies dient dem Überblick über die Ausbreitung der saisonalen Influenza und soll bedrohliche Entwicklungen frühzeitig erkennen helfen.

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, Köln, hat in Zusammenarbeit mit dem Bundesverband der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes e.V. und in Abstimmung mit dem Robert Koch-Institut im April 2018 eine sogenannte Bürgerinformation zur Influenza herausgegeben: Erregersteckbrief Influenza BZgA 2018

„Vogelgrippe“ und Geflügelpest

Erregerreservoir für Influenza A-Viren sind vor allem Vögel, aber auch Säugetiere, bes. Schweine und Pferde. Die Übertragung erfolgt durch Tröpfcheninfektion, direkten Kontakt der Tiere und ggf. auch über kontaminiertes Wasser.

Wild lebende Wasservögel stellen das wesentliche Reservoir von den in der Natur bei Vögeln vorkommenden Influenza A –Viren dar, den sogenannten Aviären Influenzaviren (AIV). Man nennt eine Influenzaerkrankung bei Vögeln umgangssprachlich deshalb auch „Vogelgrippe“. Ein Übertrag von Wildvögeln auf Hausgeflügel und auch auf Säugetiere – den Menschen eingeschlossen – ist möglich.
Derzeit existieren bei Vögeln 16 H und 9 N Subtypen, z.B. H5N1, H5N8, H7N1, H7N9. Das ausgelöste Krankheitsbild variiert je nach Virussub­typ und Wirtsorganismus sehr stark.
Als „Geflügelpest“ wird dagegen eine seuchenhafte Erkrankung von Wildvögeln oder Nutzgeflügel bezeichnet, die durch ganz bestimmte Virussubtypen des Influenza A- Virus´ verursacht wird. AI-Viren der Subtypen H5 und H7 sind die eigentlichen Erreger der sogenannten Geflügelpest, auch als Klassische Geflügelpest bezeichnet.

Während Wildvögel meist nur milde Krankheitssymptome zeigen, sind Hühnervögel und Puten für eine Infektion mit H5 und N7 hochempfänglich. Die Klassische Geflügelpest verläuft in Hühner- und Putenbeständen mit sehr hohen Verlustraten und ist daher weltweit von großer wirtschaftlicher Bedeutung.
AI-Viren sind generell sehr wandlungsfähig, sodass ihr Gefährdungspotenzial jederzeit unvorhergesehen steigen kann. Weniger „krankmachende“ Virustypen (sogenannte niedrig pathogene Formen, LPAIV) können in Geflügel spontan zu einer hochpathogenen Form mutieren (hochpathogene aviäre Influenzaviren, HPAIV).
Vor allem die hochpathogenen aviären Influenzaviren, aber auch einige niedrigpathogene Virusvarianten, können auf den Menschen übertragen werden und bei Vorliegen einer bestimmten Infektionsdosis tödlich verlaufende Erkrankungen auslösen.
Das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) hat vor einigen Jahren einen Steckbrief zu Influenzainfektionen bei Haus- und Wildgeflügel erstellt: Steckbrief Influenzainfektionen 18.11.2014

Rechtliches

Eine Einschleppung von jeglichen Aviären Influenzaviren in Geflügelbestände ist jederzeit möglich und muss nach Möglichkeit verhindert oder wenigstens frühzeitig erkannt werden, bevor eine weitere Aus­breitung stattfindet. Der frühzeitigen Entdeckung etwaiger Infektionen (v.a. über sogenannte Monitorings) im Geflügelbereich kommt entscheidende Bedeutung zu.
Für Infektionen mit den Subtypen H5 und H7 besteht Anzeigepflicht! (Tiergesundheitsgesetz). Das bedeutet, dass Ausbruch UND bereits der Verdacht auf Ausbruch einer anzeigepflichtigen Tierseuche (“Erscheinungen, die den Ausbruch befürchten lassen”) eine unverzügliche Anzeige bei der Veterinärbehörde (bzw. der Polizei) nach sich ziehen müssen.

Das Vorliegen anderer Virussubtypen als H5 und H7 bei Wildvögeln ist (nur) meldepflichtig, d.h. das Ergebnis wird ausschließlich von der Untersuchungseinrichtung an das Nationale Referenzlabor für Aviäre Influenza beim FLI (NRL) gemeldet. Das NRL für AIV fungiert als direkter Ansprechpartner und Referenzzentrum für Behörden des Bundes und der Länder und steht als Referenzlabor der Weltgesundheitsorganisation für Tiere (O.I.E.) sowie der Food and Agriculture Organization (FAO) der Vereinten Nationen auch außereuropäischen Ländern für Beratungen und diagnostische Hilfestellungen zur Verfügung.

Vorbeugung und Bekämpfung der Klassischen Geflügelpest sind durch die Geflügelpestverordnung bundeseinheitlich gesetzlich gemaßregelt (GeflPestSchV 15.10.2018).

Influenza-Monitoring bei Wildvögeln

Die Influenza bei Wildvögeln wird für Deutschland über ein spezielles Monitoring-Projekt am Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) beobachtet.
In Bayern führt auch das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) kontinuierlich ein Wildvogelmoni­toring durch und „überwacht“ so die in den Wildvogelpopulationen zirkulierenden Influenza-Viren. Seit den weitreichenden H5N1-Geflügelpestgeschehen der Jahre 2005/2006 werden kontinuierlich Monitoringprogramme auf AI in Wildvögeln und beim Hausgeflügel durchgeführt.

Wird im Rahmen des Monitorings festgestellt, dass ein Vogel mit dem Aviären Influenzavirus infiziert ist, werden Proben in das Referenzlabor auf die Insel Riems geschickt. Dort kann dann festgestellt werden, um welchen Subtypen (z.B. H5, H7) es sich handelt.

Aktives und Passives Monitoring

Für das virologische Wildvogel-Monitoring werden entweder erlegte Tiere (sogenanntes aktives Monitoring) oder klinisch auffällige bzw. tot aufgefundene Tiere (sogenanntes passives Monitoring) beprobt. Das aktive Monitoring ist dabei insbesondere für den Nachweis der im Reservoirwirt Wassergeflügel zirkulierenden niedrigpathogenen AIV (NPAIV) essenziell.
Die Jägerschaft wird gebeten, stichprobenartig von „lebend“ erlegten Wasservögeln Tupferproben zu gewinnen, aber eben auch Todfunde einer Untersuchung über die örtlichen Veterinärämter zuzuführen. Beim Kontakt mit Todfunden zum Zweck der Beprobung sind Schutzhandschuhe anzuraten.
Für die Untersuchung eines Wildvogels am LGL bzw. die Einsendung von Proben soll folgender Probenbegleitschein ausgefüllt dem Untersuchungsmaterial beigelegt werden: Anlage-2 tg Antr Influenza Wildvoegel

Homepage des LGL: Ergebnisse

Im Zuge der durch das hochpathogene Aviäre Influenzavirus (HPAIV) vom Subtyp H5N8 verursachten Geflügelpest-Epidemie 2016/2017, die in Bayern sowohl Wildvögel als auch gehaltene Vögel betraf, wurden Ende März 2017 die letzten Infektionen bei Wildvögeln in Bayern diagnostiziert. In mehr als 50% der zur Untersuchung übermittelten, tot aufgefundenen Wildvögel wies das LGL sehr hohe AIV Genomlasten nach. Die ursächlichen Viren konnten jedoch, anders als andere AIV, schnell als für den Menschen ungefährlich eingestuft werden.

HPAIV H5N6 wurde Ende 2017 in den Niederlanden und bei Wildvögeln in der Schweiz nachgewiesen. In Bayern wurde dieser Subtyp Anfang 2018 erstmals im Wildvogel nachgewiesen. Es handelt sich bislang um einen Einzeltierbefund.
Nach Einschätzung des FLI gibt es für die in Europa gefundenen H5N6 bislang keine Hinweise auf eine Infektionsgefahr für den Menschen.

Untersuchungszahlen für 2017: Im Jahr 2017 untersuchte das LGL 244 Tiere im Rahmen des aktiven Monitorings und wies AIV in 17 Fällen nach. Eines der Virusgenome wurde vom LGL als Subtyp H5 diagnostiziert und vom Nationalen Referenzlabor am Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) als NPAIV H5N6 charakterisiert.
Anfang des Jahres 2017 lag der Fokus der Untersuchungen jedoch auf dem passiven Wildvogel-Monitoring, da sich die HPAIV in der Wildvogelpopulation ausbreitete und tote Wildvögel in ungewöhnlich hoher Anzahl aufgefunden wurden.
Im gesamten Jahr 2017 untersuchte das LGL 1.098 Wildvögel im passiven Monitoring und detektierte AIV in 144 Fällen. In 61 der vom LGL an das FLI zur weiteren Charakterisierung weitergeleiteten Proben wurde der hochpathogene Subtyp H5 in 60 Fällen nachgewiesen.

Aviäres Influenzavirus des Subtyps A -H5N8 – Risikoeinschätzung für Menschen

Bisher hat sich am für Vögel hochpathogenen (stark krankmachenden) aviären Influenzavirus des Subtyps A(H5N8) weltweit noch kein Mensch angesteckt.

Nach bisherigen Erfahrungen mit anderen hochpathogenen aviären Influenza-Virus-Subtypen scheint es generell nur bei engem Kontakt mit erkrankten oder verendeten Vögeln sowie deren Produkten oder Ausscheidungen zur Übertragung der Viren vom Tier auf den Menschen zu kommen.
Wer einen kranken oder verendeten Wildvogel findet, sollte dennoch einen direkten Kontakt vermeiden und sich an die zuständige Veterinärbehörde wenden. Gegen den Einsatz von Jagdhunden bei Wasservogeljagden bestehen im Hinblick auf H5N8 auch keine Bedenken. Der Kontakt der Hunde mit verendet aufgefundenen bzw. sichtbar kranken Tieren sollte jedoch vorsichtshalber eingeschränkt werden. Informationen zum Virustyp H5N8 gibt das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) in einer 2016 veröffentlichten Broschüre: FLI-Empfehlung Geflügelpest H5N8 21.12.2016

Laut dem Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) ist eine Übertragung des Erregers H5N8 über infizierte Lebensmittel theoretisch denkbar, aber unwahrscheinlich. Es gibt bisher keine Belege für die Möglichkeit einer Infektion des Menschen durch rohe Eier oder Rohwursterzeugnisse mit Geflügelfleisch von infizierten Tieren (Mitteilung des BfR Nr. 032/2016 vom 10. November). In jedem Fall sollten aber bei der Zubereitung von rohem Geflügelfleisch und Geflügelfleischprodukten die allgemeinen Hygieneregeln befolgt werden (Sieben Hauptregeln zum hygienischen Umgang mit Lebensmitteln)