Monitoring-Programme in Bayern für Schwarzwild

Bache mit Frischlingen - Foto: Reinhard Siegel/piclease

Die Afrikanische Schweinepest (ASP) hat Deutschland erreicht. Am 10. September 2020 erfolgte der amtliche Nachweis der anzeigepflichtigen Tierseuche im Bundesland Brandenburg bei einem Wildschweinkadaver, der keine 10 Kilometer von der Grenze zu Polen gefunden wurde. Innerhalb eines Monats wurden weitere 33 positive Fälle rund um den Erstfund gemeldet. Ende September wurde die ASP auch bei einem Wildschwein festgestellt, das nördlich der laut Durchführungsbeschluss der EU-Kommission und der durch Tierseuchen-Allgemeinverfügungen von Landkreis und Landesregierung ausgewiesenen Restriktionszonen – insbesondere des sogenannten Gefährdeten Gebiets – erlegt wurde. Daraufhin wurde aufgrund eines neuerlichen Durchführungsbeschlusses der Europäischen Kommission ein weiteres Restriktionsgebiet um den neuen Fundort nahe der Stadt Frankfurt/Oder festgelegt. Beide ausgewiesenen Seuchengebiete haben flächenmäßig die Größe des Saarlandes. Bis zum 3. Oktober wurden insgesamt 49 Fälle von ASP durch das Nationale Referenzlabor für ASP des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) bestätigt.

Deutschland gilt damit als nicht mehr „ASP-frei“.

Im Nachbarland Polen kommt es nach wie vor zu Ausbrüchen in der Wildschweinpopulation und auch in Hausschweinebeständen, auch in Belgien gilt im Gegensatz zu Tschechien die Seuche noch nicht als getilgt.

Oberste Priorität in unserem Land hat nun die Verhinderung der Ausbreitung des Infektionsgeschehens.

Es ist daher von ungeheurer Wichtigkeit, über ein funktionierendes „Frühwarnsystem“ für die ASP in Form von Monitoring-Programmen die Ein- und Verschleppung der Seuche zu einem sehr frühen Zeitpunkt zu entdecken, um sofort entsprechende Bekämpfungsmaßnahmen einleiten zu können und das Ausbruchsgeschehen zu begrenzen. In Deutschland wurden in den letzten Jahren verschiedene Monitoringprogramme zur Früherkennung eines Erregereintrages in die Tierpopulationen aufgebaut. Rechtsgrundlage für die Monitoringuntersuchungen stellt neben der Schweinepest-Verordnung die „Verordnung zur Durchführung eines Monitorings auf das Virus der Klassischen Schweinepest (KSP) und der Afrikanischen Schweinepest (ASP) bei Wild- und Hausschweinen“ (Schweinepest-Monitoring-Verordnung – SchwPestMonV) dar.

Auch wenn das Ausbruchsgeschehen in Brandenburg bisher keine tierseuchenrechtlichen Auswirkungen auf Bayern hat, gilt es für die gesamte Gesellschaft, wachsam und umsichtig zu agieren. Ganz besonders sind die Jägerinnen und Jäger angehalten, ihren Teil zur Tilgung der Seuche, zur Vermeidung der Verschleppung, aber auch zum Aufspüren etwaiger neuer Seuchenherde beizutragen.

In Bayern werden folgende Monitoring-Programme bei Wildschweinen durchgeführt:

Serologisches Monitoring bzw. aktives Monitoring

Das aktive Monitoring wird auch „Jagdmonitoring“ genannt. Nach wie vor werden Blutproben gesund erlegter Wildschweine sowie von Hausschweinen auf Antikörper gegen das Virus der Klassischen Schweinepest (KSP) sowie Antikörper gegen das Aujeszky-Virus (AK) untersucht. Hier stehen die Veterinärämter mit der Jägerschaft in Kontakt.

„ASP-Monitoring Wildschwein“

Das A & O bei der Früherkennung einer Tierseuche für die nachfolgende rasche Umsetzung von Bekämpfungsmaßnahmen ist die Untersuchung von totem oder „auffälligem“ Schwarzwild im Rahmen des sogenannten ASP-Monitoring Wildschwein, auch als passives Monitoring bezeichnet. Es ist wichtig, dass vor dem Hintergrund der gegenwärtigen Seuchensituation so viele tot aufgefundene Wildschweine bzw. krank erlegte Tiere wie möglich beprobt werden, um einen eventuellen Seuchenausbruch sofort zu identifizieren.

Aufgrund der „Aggressivität“ des kursierenden ASP-Virusstammes versterben infizierte Tiere in der Regel noch bevor die Bildung von Antikörpern bei ihnen einsetzt. Aus diesem Grund richtet sich der Focus der Untersuchungen zum „Aufspüren“ des Erregers der Afrikanischen Schweinepest auf den Nachweis von vorhandenem Virusgenom (über Blut, Bluttupfer, Organproben) anstelle eines Nachweises von Antikörpern im Blut. Aufgrund der großen Widerstandsfähigkeit des ASP-Erregers ist Virusmaterial auch noch in verwesenden Tierkörpern nachweisbar.
Im Fokus stehen daher im „Totfund-Monitoring“ verendet aufgefundene sowie im Rahmen der Jagd erlegte Wildschweine, die klinisch auffällig waren oder bei denen pathologisch-anatomische Veränderungen festgestellt wurden. Selbst verwesende oder bereits verweste Tiere sind für das Monitoring nützlich.

Das aktuelle bayerische Überwachungsprogramm sieht vor, dass sämtliche tot aufgefundene Wildschweine (auch krank erlegte und Unfalltiere) in Bayern auf ASP- und KSP-Virusgenom über Organproben bzw. Bluttupfer untersucht werden. Unfallwild wird ausdrücklich miterfasst.

Die Beprobung mit „Probenbesteck“, welches über die Veterinärbehörde oder das LGL bezogen werden kann, braucht nicht in Eigenregie vorgenommen werden, sie kann durchaus auch durch die Behörde selbst erfolgen. Das Vorgehen ist am besten mit den Veterinärämtern abzustimmen.

Die Beprobung der Kadaver kann direkt am markierten Fundort erfolgen. Damit der Kadaver wiedergefunden werden kann, soll der Auffinder eine möglichst präzise Angabe über den Fundort durchgeben. Der Verbleib des Kadavers, der Abtransport und Desinfektionsmaßnahmen sind ebenfalls mit der Behörde zu besprechen.

Um die Freiwilligkeit zu fördern und die Jäger für ihre Mühen ein wenig zu „entschädigen“, erhalten Jäger für die Probennahme bei verendet aufgefundenen Wildschweinen (auch nach einem Unfall) eine Aufwandsentschädigung von 20 Euro pro Tier aus der Staatskasse. Die Auszahlung erfolgt über den Bayerischen Jagdverband.

Brucellose-Monitoring

Zu den weltweit häufigsten bakteriellen Infektionskrankheiten, die vom Tier auf den Menschen übertragen werden, zählt die Brucellose. Diese Erkrankung wird durch verschiedene Vertreter der Gattung Brucella ausgelöst und kann nicht nur bei Haus- und Nutztieren, sondern auch bei Wildtieren auftreten.

Durch intensive staatliche Bekämpfungsmaßnahmen wurde diese Tierseuche in Deutschland allerdings faktisch getilgt. Die Rinder-, Schaf- und Ziegenbestände sind amtlich frei von Brucellose. Allerdings wird von sporadischen Ausbrüchen in Schweinebeständen und von vereinzelten Erregernachweisen bei Wildschweinen, aber auch bei Feldhasen berichtet. Trotz dieser durchaus günstigen Ausgangssituation ist für uns Menschen ein Restrisiko beim Umgang mit infizierten Tieren und deren Produkten vorhanden.

Als bedeutendster Infektionsweg ist der Verzehr kontaminierter Lebensmittel, insbesondere nicht hitzebehandelter Milch und Milchprodukte, anzusehen. Aber auch der direkte Kontakt mit infizierten Tieren kann zur Ansteckung führen.

Das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) startete im November 2018 zusammen mit dem BJV ein Monitoring-Programm, um die Verbreitung der Brucellose in der bayerischen Wildschwein-Population zu untersuchen.

Da in den vergangenen Jahren Einzelfälle der Brucellose bei Wildschweinen am LGL aufgefallen sind, sollten gezielt weitere Proben aus dieser Population untersucht werden mit dem, Daten über die Verbreitung der Infektion zu sammeln. Damit kann die Bedeutung des Schwarzwilds als potenzielle Eintragsquelle und zoonotische Infektionsquelle eingeschätzt werden.

Für das Brucellose-Monitoring ist die tatkräftige Unterstützung durch die Jägerschaft über die Bereitstellung von Blutproben von gesund erlegten Wildschweinen gefragt, idealerweise soll vom beprobten Stück neben der Blutprobe ein etwa haselnussgroßes Gewebestück von Hoden oder Gebärmutter untersucht werden. Die Proben können für die  Untersuchung beim jeweiligen Veterinäramt abgegeben werden.

Formulare zum Download