Die Afrikanische Schweinepest (ASP)

Eine Tierseuche auf dem Vormarsch

Foto: Reinhard Siegel, piclease

Die Afrikanische Schweinepest (ASP) ist wie die Klassische Schweinepest (KSP) eine Virus-bedingte, anzeigepflichtige Tierseuche. Sie betrifft ebenfalls ausschließlich Schweine, also unsere Haus- und Wildschweine. Der Erreger der ASP ist das African Swine Fever Virus (ASFV), welches nicht näher mit dem KSP-Virus verwandt ist. Das Virus kann sich in einer Schweinepopulation sehr schnell ausbreiten, das Blut infizierter Tiere ist hoch ansteckend. Der derzeit zirkulierende Virustyp ist sehr „aggressiv“ und führt in der Regel innerhalb von 7 bis 10 Tagen zum Tod.

Die Übertragung der ASP erfolgt entweder direkt von Tier zu Tier oder indirekt z. B. über kontaminierte Gegenstände. Die indirekte Übertragung ist über tierische Erzeugnisse, tierische Rohstoffe, Speiseabfälle sowie über bestimmte Zeckenarten – „Afrikanische Lederzecken“ – möglich. Diese spielen aber für das derzeitige Geschehen in Europa keine Rolle.

Von besonderer epidemiologischer Bedeutung ist das Verbringen kontaminierter tierischer Erzeugnisse aus Epidemie-Gebieten in ASP-freie Regionen. Insbesondere Speiseabfälle aus nicht gegarten Schweinefleischprodukten (z. B. Salami, Schinken) stellen eine mögliche Infektionsquelle dar. Das ASP- Virus ist außerordentlich widerstandsfähig. Nicht nur frisches, sondern auch gefrorenes, gepökeltes oder geräuchertes Fleisch sowie Wurstwaren können für Haus- und Wildschweine über lange Zeit infektiös sein. Daher appelliert der Bayerische Jagdverband, Wurst- und Fleischwaren aus den betroffenen Gebieten nicht nach Deutschland einzuführen. Auch hinsichtlich der Entsorgung solcher Waren müssen entsprechende Vorsichtsmaßnahmen eingehalten werden.

Bild 2: Wichtigste Verbreitungswege

Bild 2: Wichtigste Verbreitungswege
Foto: Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen, CH

Eine Übertragung auf andere Tiere, wie zum Beispiel Jagdhunde, findet nicht statt. Für den Menschen ist das Virus ungefährlich. Auch ein Verzehr von kontaminiertem Schweinefleisch ist gesundheitlich unbedenklich.

Anzeichen bei Schweinen/Wildschweinen

Die klinischen Anzeichen sind unspezifisch und sehr variabel. Sie umfassen hohes Fieber, Appetitlosigkeit, Atemprobleme, Durchfall, Blauverfärbung der Haut, Festliegen und plötzliche Todesfälle. Bei Wildschweinen muss beim Aufbrechen auf vergrößerte „blutige“ Lymphknoten, ggfs. eine vergrößerte Milz und feine punkt- oder flächenförmige Blutungen in den Organen, der Haut oder Unterhaut geachtet werden. Die Lunge und die Atemwege sind häufig mit Schaum gefüllt. Das Fehlen solcher Auffälligkeiten schließt nicht aus, dass es sich dennoch um ASP handelt. Und immer auch an die KSP denken! Klinisch ist die ASP nicht von der Klassischen Schweinepest (KSP) zu unterscheiden. Es besteht in beiden Fällen Anzeigepflicht! Das bedeutet, dass beim geringsten Verdacht eine Meldung an die entsprechende Veterinärbehörde zu erfolgen hat.

Die ASP hat Deutschland erreicht, Stand Oktober 2020

Die Afrikanische Schweinepest (ASP) hat Deutschland erreicht. Am 10. September 2020 erfolgte der amtliche Nachweis der anzeigepflichtigen Tierseuche im Bundesland Brandenburg bei einem Wildschweinkadaver, der keine 10 Kilometer von der Grenze zu Polen gefunden wurde. Innerhalb eines Monats wurden weitere 33 positive Fälle rund um den Erstfund gemeldet. Ende September wurde die ASP bei einem Wildschwein festgestellt, das nördlich der laut Durchführungsbeschluss der EU-Kommission und der durch Tierseuchen-Allgemeinverfügungen von Landkreis und Landesregierung ausgewiesenen Restriktionszonen – insbesondere des sogenannten Gefährdeten Gebiets – erlegt wurde. Ein neuerlicher Durchführungsbeschluss der Europäischen Kommission führte zur Ausweisung eines weiteren Gefährdeten Gebietes um den neuen Fundort nahe der Stadt Frankfurt/Oder. Beide ausgewiesenen Seuchengebiete haben nun flächenmäßig die Größe des Saarlandes. Bis zum 3. Oktober wurden insgesamt 49 Fälle von ASP durch das Nationale Referenzlabor für ASP des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) bestätigt.

Deutschland gilt damit als nicht mehr „ASP-frei“.

Im Nachbarland Polen kommt es nach wie vor zu Ausbrüchen in der Wildschweinpopulation und auch in Hausschweinebeständen, auch in Belgien gilt im Gegensatz zu Tschechien die Seuche noch nicht als getilgt.

Oberste Priorität in unserem Land hat nun die Verhinderung der Ausbreitung des Infektionsgeschehens. Es ist daher von ungeheurer Wichtigkeit, über ein funktionierendes „Frühwarnsystem“ für die ASP in Form von Monitoring-Programmen die Ein- und Verschleppung der Seuche zu einem sehr frühen Zeitpunkt zu entdecken, um sofort entsprechende Bekämpfungsmaßnahmen einleiten zu können und das Ausbruchsgeschehen zu begrenzen. In Deutschland wurden in den letzten Jahren verschiedene Monitoringprogramme zur Früherkennung eines Erregereintrages in die Tierpopulationen aufgebaut. Rechtsgrundlage für die Monitoringuntersuchungen stellt neben der Schweinepest-Verordnung die Verordnung zur Durchführung eines Monitorings auf das Virus der Klassischen Schweinepest (KSP) und der Afrikanischen Schweinepest (ASP) bei Wild- und Hausschweinen (Schweinepest-Monitoring-Verordnung – SchwPestMonV) dar.

Auch wenn das Ausbruchsgeschehen in Brandenburg bisher keine tierseuchenrechtlichen Auswirkungen auf Bayern hat, gilt es für die gesamte Gesellschaft, wachsam und umsichtig zu agieren. Ganz besonders sind die Jägerinnen und Jäger angehalten, ihren Teil zur Tilgung der Seuche, zur Vermeidung der Verschleppung, aber auch zum Aufspüren etwaiger neuer Seuchenherde beizutragen.

 

Übersicht der Restriktionszonen in Brandenburg

 Übersichtskarte: Land Brandenburg mit dem festgelegten gefährdeten Gebiet

 

Das festgelegte Gefährdete Gebiet betrifft die Landkreise Märkisch Oderland, Kreisfreie Stadt Frankfurt (Oder), Landkreise Spree-Neiße, Oder-Spree und Dahme-Spreewald

Maßnahmen zur Prävention und frühzeitigen Erkennung

Überall in Deutschland ist es nun wichtig, dass Tierhalter und Jäger besonders aufmerksam sind und angemessene präventive Maßnahmen umsetzen.

Dazu gehören insbesondere in Bezug auf das Schwarzwild:

  • eine Intensivierung der Zusammenarbeit der Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsämter der Landkreise und kreisfreien Städte mit den unteren Jagdbehörden und Forstverwaltungen sowie den Jagdvereinen.
  • Information und Aufklärung der Jäger zu Risiken und Erkennung der ASP (Vorträge der Veterinärbehörden, Verteilung von Merkblättern, Vermeidung von “Tourismusjagden” in den von den ASP betroffenen Regionen Litauens und Polens).
  • Verhaltensmaßnahmen für Jäger bei der Fallwildsuche, bei der Beprobung, beim Aufbrechen usw.
  • Teilnahme an Monitorings mit besonderem Schwerpunkt auf der Beprobung von Fallwild und Unfallwild.
  • Wildsammelstellen nutzen

Zum Schutz der Hausschweinebestände:

  • Information aller Tierhalter über die derzeitige Bedrohungslage
  • Konsequente Durchsetzung der Schweinehaltungs-Hygiene-Verordnung
  • Kontrolle der Einfriedungen von Freiland- und Auslaufhaltungen zur Unterbindung eines direkten Kontaktes zu Schwarzwild
  • Deutliche Hinweise auf das Verbot der Fütterung von Speiseabfällen bei öffentlich zugänglichen Haltungsformen
  • Konsequente hygienische Trennung von Jagd und Hausschweinehaltung

Landwirtschaftsbetriebe, die ggf. Erntehelfer aus den betroffenen Regionen Litauens oder Polens einstellen, sollten sicherstellen, dass keine Lebensmittel tierischer Herkunft mitgebracht bzw. die Abfälle ordnungsgemäß beseitigt werden.

„ASP-Situation“ August 2020: Ausbruch der ASP in Westpolen – Gefahr eines Eintrags nach Deutschland unverändert hoch

Die ASP ist noch näher an Deutschland herangerückt und die Gefahr der Einschleppung nach Deutschland durch wandernde Wildschweine/menschliche Aktivitäten damit deutlich gestiegen. Deutschland ist auf den Ernstfall vorbereitet.

Am 21. Januar 2020 haben die polnischen Behörden weitere infizierte Kadaver von Wildschweinen in Grenznähe gemeldet. Der grenznächste Fund ist nur mehr 12 km von der deutschen Grenze, vom Bundesland Sachsen, entfernt. Das Bundeslandwirtschaftsministerium (BMEL) hat umgehend die Bundesländer über die aktuelle Lage informiert.

Während die ASP in der Tschechischen Republik offenbar in einem relativ kleinen Gebiet eingegrenzt werden konnte, scheint das betroffene Areal im Westen Polens wesentlich größer zu sein. Das in Polen ausgewiesene Restriktionsgebiet reicht bis an die deutsche Grenze.

Die auf deutscher Seite betroffenen Bundesländer haben ihre Präventions- und Aufklärungsmaßnahmen seit dem Bekanntwerden der ersten Ausbrüche in Westpolen intensiviert. Die Landesregierung Brandenburg hat zur Verhinderung der Einschleppung der ASP durch potentiell infizierte Wildschweine die Aufstellung mobiler Wildschutzzäune entlang von Oder und Neiße auf einer Länge von 120 Kilometern verfügt. Auch die verstärkte Bejagung von Schwarzwild und eine intensive Suche nach Fallwild und deren Untersuchung wurden angeordnet.

Der Schaffung einer „weißen Zone“, eines gezäunten Korridors entlang der Grenze, wird eine hohe Priorität eingeräumt, weil 2018 unter anderem mit dieser Maßnahme verhindert werden konnte, dass ASP-positive Wildschweine von Belgien ins benachbarte Frankreich eingewandert sind.

Neben der umfangreichen Präventions- und Aufklärungsarbeit ist das BMEL auf den Ernstfall vorbereitet. Kontinuierlich werden notwendige Anpassungen im Tiergesundheits- und im Jagdrecht vorgenommen mit dem Ziel, im Ausbruchsfall sicherzustellen, dass die Schwarzwildreduzierung zielgerichtet und effektiv erfolgen kann. Derzeit erweitert das BMEL zudem die Schweinepest-Verordnung, um den zuständigen Behörden in den Bundesländern im Ausbruchsfall zu ermöglichen, Zäune oder andere Wildtierbarrieren ohne bürokratische Hindernisse schnell und flexibel errichten zu können.

Nicht zu vergessen, dass der ASP-Ausbruchsort im Dreiländereck Belgien-Luxemburg-Frankreich auch „nur“ 60 km von der deutschen Grenze entfernt ist. Eine „Bedrohung“ der deutschen Haus- und Wildschweinebestände ist daher immer noch auch von links gegeben!

Im „Ausbruchsfall“ werden von den zuständigen Behörden vor Ort sogenannte Restriktionszonen und folgende Anordnungen erlassen werden:

  • Einschränkung des Personen- und Fahrzeugverkehrs innerhalb bestimmter Gebiete
  • Absperrung eines von der zuständigen Behörde festgelegten Gebietes
  • Beschränkungen oder Verbote der Jagd
  • Beschränkungen oder Verbote der Nutzung von landwirtschaftlichen Flächen
  • Anlegen von Jagdschneisen
  • intensive Fallwildsuche durch geschultes Personal unter Beteiligung von ortsansässigen Jägern
  • Beprobung und anschließend Bergung und unschädliche Beseitigung über Sammel- bzw. Verwahrstellen
  • gegebenenfalls Beauftragung Dritter zur Durchführung von Maßnahmen wie Fallwildsuche und Bejagung (z. B. Forstbeamte, Berufsjäger oder Jagdausübungsberechtigte anderer Reviere)
  • Überprüfung der schweinehaltenden Betriebe auf die Einhaltung der Biosicherheitsmaßnahmen
  • Ermittlung von Jägern, die auch Schweinehalter sind
  • Information und Schulung von Jägern

Risikobewertung des FLI – Die Rolle vom “Faktor Mensch”, Stand Mai 2020

In Anbetracht der weiterhin  zunehmenden geografischen  Ausbreitung der ASP sowohl außerhalb als auch innerhalb der Europäischen Union (EU) bei Haus- und Wildschweinen, als auch des Auftretens von Fällen in grenznahen Regionen, wurde das Risiko einer Einschleppung der ASP nach Deutschland bewertet, besonders im Hinblick auf einen Eintrag in die Wildschweinpopulation.

Sprünge der ASP über größere Entfernungen (z.B. innerhalb Polens, nach Belgien, Ungarn, in die Tschechische Republik) verdeutlichen das bestehende Risiko einer Einschleppung nach Deutschland durch menschliches Handeln. Durch das Auftreten der Tierseuche im Westen  Polens ist  allerdings  auch das Risiko eines Eintragsnach Deutschland durch  migrierende, infizierte Wildschweine deutlich gestiegen.

Das Risiko des Eintrags von ASP nach Deutschland durch illegale Verbringung und Entsorgung von kontaminiertem Material wird als hoch eingeschätzt. Das Risiko des Eintrags durch Erzeugnisse aus Schweinefleisch, die von infizierten Tieren stammen oder kontaminiert sind, entlang des Fernstraßennetzes durch Fahrzeuge oder Personen wird im Sinne eines „worst case scenario“ als hoch bewertet. Das Risiko einer Einschleppung durch den Jagdtourismus und das Mitbringen von Jagdtrophäen aus betroffenen Regionen wird als mäßig eingeschätzt. Das Risiko eines Eintrags der ASP durch infizierte Wildschweine wird in Gegenden in der Nähe zu den betroffenen Gebieten in Belgien und Polen als hoch beurteilt.

Bedeutung der Schwarzwilddichte

Wildschweinvorkommen gelten als ein maßgeblicher Faktor im Zusammenhang mit einem Seuchenausbruch. Je höher die Schwarzwilddichte ist, umso wahrscheinlicher ist eine Infektion eines Wildschweins bei einem Viruseintrag und desto höher ist das Risiko der schnellen Ausbreitung der Seuche innerhalb der Population. Deshalb ist effektive Reduktion der Schwarzwildpopulation eine der wichtigsten Maßnahmen im Hinblick auf die Seuchenprävention. Im Seuchenfall können dadurch die Erfolgsaussichten der ergriffenen Notfallmaßnahmen deutlich erhöht werden.

Die Absenkung der Schwarzwildbestände war schon früher maßgebliche Voraussetzung u. a. für die Verhinderung der Ausbreitung der Klassischen Schweinepest (KSP) gewesen.

Die Aufwandsentschädigung in Höhe von 20 Euro („Abschussprämie“) für erlegte Frischlinge, Überläuferbachen, Bachen, die für die Aufzucht von Jungtieren nicht notwendig sind, sowie nun auch Keiler wird laut Bayerischem Umweltministerium auch für das aktuelle Jagdjahr aus Staatshaushaltsmitteln gewährt werden können. Für Landkreise, die an Tschechien sowie an die deutschen Bundesländer Thüringen und Sachsen angrenzen, wurde die Aufwandsentschädigung auf 100 Euro erhöht. Anträge zur Abrechnung des Jagdjahres 2020/21 können ab dem 01.04.2021 wie gewohnt an den Bayerischen Jagdverband gestellt werden.

Gefahr von „Seuchensprüngen“

Bislang ist die Ursache für die neuen Seuchenausbrüche im Westen Polens ca. 300km von dem bisherigen auf den Osten Polens konzentrierten Ausbruchsgeschehen, das seit ungefähr fünf Jahren besteht, ungeklärt.

Aufgrund der geografischen Nähe des aktuellen ASP-Ausbruchs im Bundesland Brandenburg zu den Ausbruchsgeschehen in Westpolen kann nicht ausgeschlossen werden, dass infizierte Wildschweine die Grenzflüsse zwischen Polen und Deutschland überwunden und so für einen Eintrag der ASP nach Deutschland „gesorgt“ haben.

Der Mensch ist das größte Risiko für die Einschleppung der Seuche.

Die bisherigen Erfahrungen mit ASP-Ausbrüchen in Europa belegen, dass der Mensch ein entscheidender Verbringungsfaktor („Vektor“) ist und gerade diese „Seuchensprünge“ zu verantworten hat. Insbesondere das unachtsame Entsorgen von kontaminierten Lebensmitteln (z. B. Wurstsemmeln oder Essens- bzw. Fleischreste) kann zur spontanen Verbringung des Erregers über weite Strecken und Einschleppung an irgendeinem Ort führen. Die gut ausgebaute Verkehrsinfrastruktur und Anbindung nach Deutschland kann als ein weiterer Risikofaktor für eine mögliche Einschleppung der ASP angesehen werden. Das Risiko eines nachfolgenden Ausbruchs der Seuche ist in Revieren mit Schwarzwild am höchsten.

Das aktuelle Seuchengeschehen in Deutschland könnte auch ein Beweis dafür sein, dass eine Erregerverschleppung sehr wahrscheinlich auch durch infizierte, wandernde Wildschweine erfolgt, wobei auch Ländergrenzen überwunden und ergriffene Präventionsmaßnahmen wie mobile Zäune einfach umgangen werden.

 

Maßnahmen zur Früherkennung – Totfund-Monitoring, sog. ASP-Monitoring-Wildschwein

Um ein mögliches Auftreten der ASP in der Wildschweinpopulation rasch zu erkennen, sollen krank erlegte oder verendet aufgefundene Wildschweine bayernweit im sogenannten ASP-Monitoring Wildschwein untersucht werden. Wir haben schon mehrfach darüber berichtet.

Erst recht vor dem Hintergrund der gegenwärtigen Seuchensituation müssen so viele tot aufgefundene Wildschweine bzw. krank erlegte Tiere und Unfallwild wie möglich beprobt werden. Selbst verwesende oder bereits verweste Tiere sind für eine Untersuchung geeignet. Wenn man davon ausgeht, dass die jährliche „bayerische“ Fallwildstrecke beim Schwarzwild rund 800 Stück beträgt, können im Rahmen des Monitorings mehrere Hundert Proben untersucht werden.

In der Zeit vor dem aktuellen ASP-Ausbruch in Deutschland sind bisher weniger als 300 Proben zur Untersuchung eingesandt worden. Was kann der Grund für die niedrige Einsendequote, die „Zurückhaltung“ der Jäger bei der Beprobung sein?

Ist es eine fehlende Informationspolitik, d.h., die Jäger wissen gar nicht von dem staatlichen Monitoring und der dringenden Notwendigkeit der Beprobung von gefallenem Schwarzwild, um einen möglichen Tierseuchenerreger identifizieren zu können? Oder sind viele der Meinung, dass eine bloße Meldung der Fallwildstrecke an die Jagdbehörden ausreichend ist? Oder „trauen“ sich die Jäger nicht an tote Wildschweine heran, da sie Angst haben, etwas falsch zu machen bzw. die Ersten zu sein, über die ein Ausbruch identifiziert würde? Wer will schon der „Erstfinder“ sein?!

Diese Sorgen können ihnen genommen werden. Nur derjenige, der „wegschaut“, so dass sich u.U. die Seuche ausbreiten oder der Erreger verschleppt werden kann und Bekämpfungsmaßnahmen (zu) spät eingeleitet werden, muss mit negativen Konsequenzen rechnen. Diejenigen, die stattdessen dazu beitragen, mögliche Seuchenausbrüche so früh wie möglich aufzudecken, handeln verantwortungsvoll und ehrenwert.

Deshalb ist es wichtig, dass vor dem Hintergrund der gegenwärtigen Seuchensituation so viele tot aufgefundene Wildschweine bzw. krank erlegte Tiere wie möglich beprobt werden, um einen eventuellen Seuchenausbruch sofort zu identifizieren.

Um die Freiwilligkeit zu befördern und die Jäger für ihre Mühen etwas zu „entschädigen“, erhalten Jäger für die Probennahme bei verendet aufgefundenen Wildschweinen (auch nach einem Unfall) eine Aufwandsentschädigung von 20 Euro pro Tier aus der Staatskasse. Die Auszahlung erfolgt über den Bayerischen Jagdverband. Den Untersuchungsantrag, Hinweise zur Probennahme sowie den Antrag zum Erhalt der Aufwandsentschädigung finden sie auch auf der BJV-Homepage.

Beprobung muss nicht zwingend selbst vorgenommen werden

Es ist den Behörden sehr wohl bewusst, dass sich die Jägerschaft in ihren Revieren am besten auskennt. Deshalb ist auch die Bitte, auf auftretendes Fallwild zu achten, dies nach der Kontaktaufnahme mit dem zuständigen Veterinäramt einer Beprobung zuzuführen, vor allem an die Revierinhaber gerichtet.

Da aufgrund der Schwere der Erkrankung bei den Tieren nach einer Infektion mit dem ASP-Virus davon ausgegangen werden kann, dass die fiebrigen Tiere vor allem nasse und kühle Plätze im Revier aufsuchen, ist die Orts- und Revierkenntnis der Jäger so wichtig und nützlich.

Die Beprobung mit „Probenbesteck“, welches über die Veterinärbehörde oder das LGL bezogen werden kann, braucht nicht in Eigenregie vorgenommen werden, sie kann auch durch die Behörde selbst erfolgen. Das geeignete Vorgehen ist am besten mit den Veterinärämtern abzustimmen.

Selbst verwesende oder bereits verweste Tiere sind für das Monitoring nützlich. Die Beprobung der Kadaver kann direkt am markierten Fundort erfolgen. Damit der Kadaver wiedergefunden werden kann, soll der Finder eine möglichst präzise Angabe über den Fundort durchgeben. Der Verbleib des Kadavers, der Abtransport und Desinfektionsmaßnahmen sind mit der Behörde zu besprechen.

Im Ernstfall, d.h. nach Bestätigung eines ASP-Ausbruches, werden umfangreiche Bekämpfungsmaßnahmen, u.a. Kadaversuche, Beprobung, Entsorgung, verstärkte Bejagung von den Behörden angeordnet werden.

Was wurde bereits in Deutschland getan?

In Deutschland haben sich die Behörden sich seit längerem auf einen Seuchenfall vorbereitet. Aufgrund der Nähe zu den Ausbruchsgeschehen in Westpolen bestand unter den Experten Einigkeit, dass es nur eine Frage der Zeit ist, wann die ASP auch den Weg nach Deutschland findet. Am 10.9.20 erfolgte die amtliche Bestätigung der ASP in Deutschland.

Aufgrund der Gefahr durch „Seuchensprünge“, für die die ASP bekannt ist, ist die Fortführung von Informationskampagnen für Landwirte und Saisonarbeitskräfte aus dem Ausland weiterhin unerlässlich, d.h. die Verteilung von Merkblättern, das Ausbringen von Warntafeln an Tankstellen und Rastplätzen.  In Zügen der Deutschen Bahn, die zwischen Deutschland und Osteuropa verkehren, wurden und werden nach wie vor mehrsprachige ASP-Info-Flyer ausgelegt. Die Verteilung von Info-Flyern erfolgte auch über Jagdschulen und Jagdreiseveranstalter.

In den Bundesländern gibt es fertige Krisenpläne und es wurden gezielt Übungen abgehalten, die den Ernstfall geprobt hatten. Aus der Probe ist zumindest im Bundesland Brandenburg nun Ernst geworden.

Das Bayerische Umweltministerium hatte aufgrund der immer wieder aktualisierten Risikobewertung durch das FLI seine umfangreichen Präventionsmaßnahmen wiederholt überarbeitet und angepasst.

Ein wesentlicher Baustein des bayerischen Maßnahmenpakets ist dabei der „Rahmenplan Afrikanische Schweinepest“. Um die Behörden vor Ort bestmöglich auf einen möglichen ASP-Ausbruch vorzubereiten, wurde dieser Ende letzten Jahres neu aufgelegt.

 

Rahmenplan zur Bekämpfung der ASP in Bayern

Präventions- und Bekämpfungsmaßnahmen sind Staatsaufgabe über alle Verwaltungsebenen hinweg. Folgende Maßnahmen zum Schutz vor der ASP wurden und werden in Bayern von Ministerien und Verbänden ergriffen, um einen Eintrag der Tierseuche zu verhindern:

  • Information und Aufklärung von Landwirten, Jägern, Saisonarbeitskräften, Fernfahrern, Reisenden
  • Maßnahmen zur Früherkennung durch Etablierung und Förderung eines Monitorings (finanzielle Förderung der Beprobung von Totfunden, verunfallten und krank erlegten Wildschweine im sog. ASP-Monitoring-Wildschwein)
  • Förderung der Reduktion der Schwarzwildpopulation (z.B. durch „Abschussprämien“)
  • Hinweise zur Biosicherheit/ Hygienemaßnahmen
  • Tierseuchen-Übungen

Das Bayerische Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz (StMUV) hatte bereits im August 2018 einen „Rahmenplan Afrikanische Schweinepest“ erstellt, der tierseuchen-rechtliche Maßnahmen zur Prävention und Bekämpfung der Afrikanischen Schweinepest im Fall eines Ausbruchs vorsieht.

Eine umfassend überarbeitete Version 2.1 (Stand 06.12.2019) ist nun vor dem Hintergrund der aktuellen Seuchenlage veröffentlicht.

Der Rahmenplan soll den Behörden vor Ort ein bayernweit einheitliches Vorgehen gegen die Seuche ermöglichen. Die Neuauflage bündelt alle notwendigen Informationen für die Umsetzung von Maßnahmen zur Prävention und Bekämpfung der ASP und gibt das erforderliche rechtliche und technische Werkzeug an die Hand, um die von der EU geforderten Bekämpfungsmaßnahmen im Fall eines ASP-Ausbruchs schnellstmöglich und effektiv veranlassen zu können. Hier sind insbesondere die Festlegung der erforderlichen Restriktionszonen und die Organisation und Durchführung jagdlicher Maßnahmen wie z.B. die gezielte Suche nach Fallwild oder die verstärkte Bejagung von Wildschweinen sowie die Untersagung der Jagd im betroffenen Gebiet zu nennen.

Alle Maßnahmen erfolgen unter Beachtung der Zuständigkeiten auf Grundlage der rechtlichen Vorgaben. Die Maßnahmen werden nach Schweinepest-Verordnung und Tiergesundheitsgesetz umgesetzt.

Informationen zur ASP und auch der Rahmenplan können über den nachfolgenden Link eingesehen bzw. auf den Seiten des StMUV abgerufen werden.

https://www.stmuv.bayern.de/themen/tiergesundheit_tierschutz/tiergesundheit/krankheiten/asp/index.htm

In der JiB-Ausgabe 02/2020 wurde der Rahmenplan des StMUV thematisiert.

Das passiert im Seuchenfall

Sollte die Afrikanische Schweinepest in Deutschland ausbrechen, werden entsprechende Krisenstäbe gebildet, wobei Bund und Länder in bereits geplanten Strukturen zusammenarbeiten. Die jetzt noch in den Schubladen liegenden „Notfallpläne“ kommen unverzüglich zum Einsatz.

Experten sind sich sicher, dass ein primärer Ausbruch bei Wildschweinen erfolgen wird.  Werfen beispielsweise Reisende ihre „kontaminierte Wurstsemmel“ achtlos an Raststätten weg, können sich Wildschweine, die sich über die Reste hermachen, infizieren. Ebenso denkbar ist ein Szenario, wie es zum Ausbruch in Tschechien geführt hat, dass ausländische Beschäftigte ihre aus von der ASP betroffenen Ländern eingeführten Lebensmittel entsorgen und Wildschweine damit in Kontakt kommen. Nach Angaben der Bundesoberbehörde Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) hat sich das Vorgehen in Tschechien bei der Bekämpfung der ASP als effektiv erwiesen. In Tschechien trat die Seuche im Juni 2017 erstmals auf, seit April 2018 gibt es dort keine neuen Fälle und die Seuche wurde als „erloschen“ bekanntgegeben.

Bitte sehen Sie auch in der Oktober-Ausgabe der „Jagd in Bayern“ eine Veröffentlichung des Tierseuchenreferats des BayStMUV mit Präventionsmaßnahmen, aber auch Maßnahmen im Fall eines ASP-Ausbruchs. Auch das Ministerium informiert im Rahmenplan über diese Veröffentlichung in der JiB.

Schnelles Eingreifen ist eine der wichtigsten Maßnahme, um eine weitere Ausbreitung zu verhindern.

Die Bekämpfung der ASP erfolgt auf Grundlage rechtlicher Vorgaben. Die zuständige Behörde ist zur Umsetzung dieser Regelungen verpflichtet, hat jedoch in einigen Fällen die Möglichkeit ein Ermessen auszuüben. Die Jagdausübungsberechtigten sind verpflichtet, den Anordnungen der Behörde Folge zu leisten. Ziel der Bekämpfung ist die Verhinderung einer Weiterverbreitung der Seuche und letztlich deren Auslöschung.

Bei Ausbruch der ASP in der Schwarzwildpopulation in einem lokal eingrenzbarem Gebiet ist es vorrangige Aufgabe, ein Abwandern von infizierten Wildschweinen aus dem Ausbruchsgebiet zu verhindern und alle seuchenverdächtigen Tiere zu töten und unschädlich zu beseitigen. Das bedeutet zwangsläufig, dass sämtliche Wildschweine in einem ausgewiesenen Hochrisikogebiet erlegt werden sollen.

Da Schwarzwild in der Lage ist, Elektrozäune, aber auch massive Zäune, auf der Flucht oder zur Nahrungssuche zu überwinden, kann es erforderlich sein, das Nahrungsangebot in dem betroffenen Gebiet aufrechterhalten und eine Beunruhigung der Tiere, die ein Abwandern begünstigt, zu verhindern. Erreicht werden könnte dies am ehesten durch ein Ernteverbot von für Wildschweine attraktiven Feldfrüchten, durch ein Verbot der landwirtschaftlichen und forstlichen Nutzung, Betretungs- und Jagdverbote oder auch verstärkte Kirrungen oder Fütterungen.

Erste Maßnahmen

Wurde der Ausbruch der ASP amtlich festgestellt, wird der Fundort abgesichert und sogenannte epidemiologische Ermittlungen eingeleitet (z.B. Ermittlung der möglichen Eintragsursache und Erfassung erster Informationen zur Situation im Schwarzwildbestand mithilfe des Finders bzw. Revierinhabers).

Das Entfernen der infizierten Kadaver ist wesentlich für die Unterbrechung des sog. „Wildschwein-Infektionszyklus“. Durch die Beprobung der Kadaver können wertvolle Informationen über das Ausmaß des Seuchengeschehens gewonnen werden.

Neben der unmittelbaren Einschätzung der „Größe“ des Geschehens ist es wichtig zu beurteilen, wie „frisch“ das Geschehen ist. Dazu bedienen sich die Experten bestimmter festgelegter „Grade der Verwesung“ beim Fallwild. So kann das Alter der toten WS ermittelt und festgestellt werden, wie lange das Geschehen schon vor Ort besteht.

Nachdem alle betroffenen Behörden informiert wurden, wird höchstwahrscheinlich ein lokales Krisenzentrum eingerichtet werden, bevor dann unter Hinzuziehung von vielen Fachberatern Restriktionsgebiete festgelegt und weitere Maßnahmen besprochen werden.

Festlegung der Restriktionsgebiete („Drei-Zonen“) bei einem ASP-Ausbruch bei Wildschweinen

Für die Festlegung eines sogenannten Gefährdeten Gebietes und einer Pufferzone gilt es neben den rechtlichen Vorgaben durch die Schweinepest-VO auch die tatsächliche Situation vor Ort (Topgraphie, Reviergrößen, Streifgebiete der Tiere etc.) zu beachten. Die Ausweisung eines Kerngebietes (Hochrisikozone bzw. –gebiet) als zentraler Teil im gefährdeten Gebiet erfolgt.

Das Kerngebiet soll nur so groß wie nötig sein, um die Bekämpfungsmaßnahmen wirksam durchführen zu können.

Als Anhaltspunkt für die räumliche Ausdehnung der Gebiete kann von folgenden Größenordnungen ausgegangen werden:

Kerngebiet:      Radius um Fund-/Erlegungsort:   ca. 4 km

Gefährdetes Gebiet:  Radius um Fund-/Erlegungsort:    ca. 15 km

Pufferzone:       Radius um Fund-/Erlegungsort:    ca. 45 km

Die Erfahrungen aus der erfolgreichen ASP-Bekämpfung in Tschechien zeigen, dass diese Größenordnungen aus veterinärfachlicher Sicht sinnvoll und angemessen sind.

Im Rahmenplan ASP der Bayerischen Staatsregierung ist ein Aktionsplan zur ASP-Bekämpfung beim Wildschwein mit Maßnahmen veröffentlicht.

Allgemeine Maßnahmen der zuständigen Behörde, u.a.

  • Untersuchungsbefund LGL, Bestätigung des Ausbruch bei einem Wildschwein durch FLI
  • Instruktion des betroffenen Jagdausübungsberechtigten

– kein Betreten der Umgebung des Fundortes

– sofortige Jagdruhe

– gezielte Kadaversuche

– Biosicherheit

– kein Kontakt zu Schweinehaltungen

  • Einsetzung der bayerischen Sachverständigengruppe durch das StMUV
  • Festlegung der Restriktionszonen durch die Regierung
  • Gezielte Informationsweitergabe (Jäger, Schweinehalter, Schlachtbetriebe, Fleischverarbeitungsbetriebe, Viehhändler und –          transporteure, Tierärzte usw.)


Spezielle  Maßnahmen im gefährdeten Gebiet

  • Vollständiges Jagdverbot im gefährdeten Gebiet für mind. drei Wochen
  • Leinenpflicht für Hunde, außer jagdlich geführte Hunde im Einsatz
  • Schulung von Personen für Kadaversuche, Bergung und Probenahme
  • Intensive Kadaversuche um Fundstelle
  • großräumige Kadaversuche und beobachtende Ansitze
  • Bergung und unschädliche Beseitigung von verendeten und ggf. erlegten WS (zumindest alle im Kerngebiet erlegten WS) durch extra geschulte     Bergetrupps
  • Bereitstellung bzw. Nachbestellung von Material (z.B. Schutzanzüge, Desinfektionsmittel, Probenbesteck usw.)
  • Kontaktaufnahme mit Zaunlieferanten


Spezielle Maßnahmen für das Kerngebiet

  • Einzäunung eines Kerngebietes (Hochrisikogebiet) mit Elektro- Weidezaun und Duftzaun zur Wildabwehr
  • Aufhebung der Jagdruhe in der Pufferzone und im gefährdeten Gebiet (außer Kerngebiet) und intensive Bejagung (Es besteht die Möglichkeit,          geltende Jagdregeln, z.B. Schonzeiten, Verbot bestimmter Jagdarten etc.         außer Kraft zu setzen.)
  • Betretungsverbot für bestimmte Bereiche im Kerngebiet
  • Ernteverbot in Kerngebiet ggf. für Futterpflanzen
  • Jagdschneisen ggf. an Übergang von Kerngebiet zu gefährdetem Gebiet
  • Aufhebung der Jagdruhe im Kerngebiet und intensive Bejagung mit dem Ziel, das Gebiet WS-frei zu bekommen (dabei Wechseln der WS aus dem   Kerngebiet verhindern)
  • Intensive Bejagung auch am Übergang zum gefährdeten Gebiet
  • Anordnung der Tötung aller WS im Kerngebiet
  • Anordnung der Bejagung/ Tötung von WS durch Dritte
  • Fortgesetzte Kadaversuche, Bergung und Beprobung von WS
  • Überwachung des WS-Bestandes, z.B. mit Wildkameras und Wärmebildtechnik (z.B. Drohnen)
  • Betrieb und Wartung der Einzäunung und Beschilderung

Dem Rahmenplan der Staatsregierung können auch Hinweise zur Fallwildsuche, zur Bergung und Abtransport, Desinfektion, Entsorgung, zu jagdlichen Maßnahmen und zur Zusammenarbeit mit Behörden und Verbänden entnommen werden.

Freiwillige vor! – Kadaversuchaktionen bei möglichem ASP-Ausbruch

Das Ministerium hat den Bayerischen Jagdverband um Unterstützung hinsichtlich der Gewinnung freiwilliger „Kadaverspürnasen“ zum Einsatz im Seuchenfall gebeten. Aus dem Grund werden die bayerischen Revierinhaber nun vom Verband gebeten, zusammen mit ihren jeweiligen Kreisgruppenvorsitzenden zu überlegen, ob sie selbst oder bekannte Personen, eventuell mit geeigneten Hunden, im „Ernstfall“ für die Kadaversuche zur Verfügung stehen würden und auf die die Behörde im Bedarfsfall zurückgreifen könnte.

Ist ein ASP-Ausbruch amtlich bestätigt, fordert die EU-Kommission nämlich, dass innerhalb von 48 h der „Suchtrupp“ im ausgewiesenen Kerngebiet eine intensive Kadaversuche vornimmt. Aus dem Grund ist es anzuraten, dass sich noch in sogenannten Friedenszeiten (noch haben wir glücklicherweise keinen Ausbruch zu verzeichnen) freiwillige, mit den örtlichen Begebenheiten vertraute Helfer oder anderweitig jagdlich erfahrene Personen, die den KG-Vorsitzenden oder Hegegemeinschaftsleitern bekannt sind und auf die im Fall der Fälle zurückgegriffen werden könnte, finden. Die örtliche Veterinärbehörde ist dankbar, wenn ihr ein Ansprechpartner auf KG-Ebene benannt wird, über den dann ein „Suchtrupp“ mobil gemacht werden kann.

Zusätzlich zu der zuallererst forcierten Durchsuchung des Kerngebietes werden weitere koordinierte Suchen im gesamten Restriktionsgebiet erfolgen.

Im Ausbruchsfall kann die Behörde dann zusammen mit einem ihr gegenüber benannten Ansprechpartner auf KG-Ebene den Suchtrupp ad hoc mobilisieren. Es muss nämlich bedacht werden, dass die Behörde im Seuchenfall Dritte mit der Fallwildsuche beauftragen kann, wenn der Revierinhaber die Suche nicht selbst durchführen kann, verhindert ist bzw. keine unterstützenden Personen zu benennen vermag. Allerdings werden großflächige Suchaktionen mit revierfremden Personen nicht unbedingt für sinnvoll erachtet, sondern vielmehr wird das gezielte Absuchen von bekannten Einständen der Tiere durch den Jagdausübungsberechtigten und weiteren ortskundigen Jägern empfohlen.

Im Rahmen der getroffenen bzw. zu treffenden behördlichen Vorkehrungen im Hinblick auf einen möglichen ASP-Seuchenfall sind auch Art und Höhe der Aufwandsentschädigung sowie Versicherungsschutz diskutiert worden. Dazu wurde auch der BJV in einem kürzlich stattgefundenen Fachgespräch beim Tierseuchenreferat des StMUV befragt, weitere Gespräche sollen folgen.

Der Rahmenplan der Staatsregierung lässt dazu verlauten: „Außerhalb der Verwaltung stehende – Privatpersonen, welche die Fallwildsuche auf behördliche Veranlassung freiwillig ohne vertragliche oder sonstige rechtliche Verpflichtung durchführen, unterliegen gemäß § 2 Abs. 1 Nr. 11 Buchst. a) i.V.m. § 128 SGB VII dem gesetzlichen Unfallversicherungsschutz der Bayerischen Landesunfallkasse.“ Weiter heißt es: „Dem bei der Fallwildsuche tätigen Unterstützungspersonal soll eine angemessene Unterstützungsprämie gewährt werden.“

Hintergrundinfo: Da Kadaver unter Umständen sehr lange infektiös bleiben können, stellen sie es eine mögliche Ansteckungsquelle für andere Wildschweine dar. Daher ist das Fallwild im gefährdeten Gebiet sofort zu bergen, in Verwahrstellen zu verbringen und unschädlich zu beseitigen. Es muss auch darauf hingewiesen werden, dass jeglicher direkter Kontakt mit Kadavern auf das Nötigste zu beschränken ist und Kleidung und Gegenstände, die damit in Kontakt gekommen sind, zu desinfizieren oder zu entsorgen sind.

Für die Bergung des Fallwildes werden von der zuständigen kommunalen Behörde Bergeteams gebildet, die zuvor im Umgang mit infiziertem Fallwild geschult werden. Den Such- und Bergeteams stellt das Ministerium Schulungsunterlagen zur Verfügung, die auch auf der Homepage des StMUV abgerufen werden können.

Personen, die selbst Schweine halten bzw. Kontakt zu Schweinen haben, sollten nicht zur Fallwildsuche eingesetzt werden!

Aktivitäten des BJV

Der BJV hat immer wieder zur aktuellen Seuchenlage in der EU in seinen Medien berichtet. Durch die enge Zusammenarbeit mit dem Böhmisch-Mährischen Jagdverband und den tschechischen Veterinärbehörden konnte der ASP-Ausbruch 2017/18 in Tschechien und seine erfolgreiche Bekämpfung besonders sorgfältig verfolgt und die Mitglieder über die Geschehnisse informiert werden.

Fakt ist, dass bei einem ASP-Ausbruch in deutschen bzw. bayerischen Revieren „kein Stein mehr auf dem anderen“ bleibt. Dennoch kommt der Früherkennung zur Verhinderung der Verbreitung größtmögliche Bedeutung zu. Ist die Seuche da, lässt sie sich nur durch das Zutun aller eindämmen bzw. tilgen. Neben dem Schutz der Wildschweine durch die Verhinderung der weiteren Ausbreitung gilt es vor allem, ein Übergreifen auf die Hausschweinebestände zu verhindern. Bleiben Sie daher wachsam und melden Sie Auffälligkeiten in Ihren Revieren sofort.

Durch einen Seuchenausbruch wird sehr wahrscheinlich das Jagdausübungsrecht massiv eingeschränkt werden und zudem sind negative Auswirkungen auf sämtliche Wildtierbestände zu befürchten.

Im Zuge der Novellierung des Tiergesundheitsgesetzes im letzten Jahr ist es dem BJV gelungen, dass seine Forderungen berücksichtigt wurden. Unter anderem können Jagdausübungsberechtigte, denen aufgrund angeordneter Maßnahmen (im Seuchenfall!) ein erhöhter Aufwand entsteht (durch verstärkte Bejagung, Fallwildsuche u.a.) oder deren Jagdausübung verboten oder beschränkt wird, für den ihnen hierdurch entstehenden Aufwand oder Schaden angemessenen Ersatz verlangen.

Der Jagdverband fordert sowohl in „Friedenszeiten“, aber vor allem im Ernstfall, die Jägerschaft aktiv einzubinden und dadurch die Kompetenz der Jagd zu nutzen und zu stärken.

Bei Fragen wenden Sie sich gerne an die zuständige Fachreferentin Frau Dr. Claudia Gangl in der BJV-Geschäftsstelle in Feldkirchen.

Informationen des Bayerischen Jagdverbandes

Weiterführende Informationen zur ASP

Informationen des Bayerischen Staatsministeriums für Umwelt und Verbraucherschutz (BayStMUV)

Aktuelles Ausbruchsgeschehen (FLI) in Tabellen und Karten