Gesundheitsstatus Feldhase

Feldhase - Foto: Alexander Oberst

Leittierarten als Indikatoren für eine nachhaltig genutzte Landschaft

Die Veränderungen der Agrarstrukturen in den letzten Jahren haben zu einem dramatischen Rückgang der Artenvielfalt geführt. Maßnahmen zur Optimierung von Lebensräumen sind für Arten der Agrarlandschaft, wie Feldhase, Fasan und Rebhuhn, dringend erforderlich.
Die Streckenzahlen des Feldhasen befinden sich seit Jahren auf dem „Sinkflug“. Diesem Negativtrend muss auf den Grund gegangen werden. Für die Ursachenforschung ist es erforderlich, eine ganze Reihe von Einflussfaktoren wie Flächennutzung, Witterung und Prädation zu beleuchten, aber auch den Gesundheitsstatus von Populationen zu erfassen. 

Monitoring Gesundheitsstatus Feldhase

Zur Erfassung des Gesundheitsstatus´ bei bayerischen Feldhasen sind Erhebungen aus ganz Bayern dringend erforderlich. Um einen Überblick über die Gesundheit von Feldhasen in Bayern besser beurteilen zu können, hat der BJV zusammen mit dem Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) vor einigen Jahren eine Monitoringstudie initiiert, in deren Rahmen notgetötete/erlegte Feldhasen sowie Totfunde einer umfassenden Untersuchung zugeführt werden. Neben einer allgemeinen pathologisch-anatomischen Untersuchung werden bakteriologische, virologische und parasitologische Untersuchungen durchgeführt. Anschließend wird Probenmaterial asserviert, um zu einem späteren Zeitpunkt ggf. auf Umweltgifte testen zu können.

Bitte unterstützen Sie unser nun bereits seit einigen Jahren laufendes Projekt, in dem Sie erlegte Tiere, aber auch Totfunde an das LGL in Oberschleißheim oder Erlangen einsenden bzw. dort abliefern.

Da jede Probe wertvolle Hinweise liefern könnte, bitten wir um die Abgabe/Einsendung von Tieren/Untersuchungsmaterial nach Möglichkeit aus ganz Bayern.

Um einen Eindruck von der Konstitution eines Tieres zu bekommen, wäre es sehr wichtig, den ganzen Tierkörper zur Untersuchung zu geben. Da leider keine Vergütung möglich ist, und wir natürlich um das Erlebnis eines Bratens aus einem frisch erlegten Tier wissen, ist es auch möglich, nur die Organe plus Kopf einer Untersuchung zuzuleiten. Das Personal der Pathologie bittet jedoch darauf zu achten, dass Organproben nicht zu sehr gequetscht werden. Ein Transport in einem verschließbaren und wasserdichten Plastikgefäß wäre hierbei hilfreich.

Optimal wäre es natürlich, wenn Sie die Möglichkeit hätten, die Tierkörper bzw. die Organproben direkt an den zwei Untersuchungseinrichtungen zu den angegebenen Zeiten (siehe Rückseite Einsendeschein) abzugeben. Die Untersuchungen sind für Sie kostenlos. Bei einem Versand bitten wir Sie, die Versandkosten zu übernehmen.

Generell sollte man das Untersuchungsgut vor dem Verpacken auskühlen lassen. Im Anschluss muss, sowohl bei persönlicher Abgabe als auch beim Versand, darauf geachtet werden, dass das Probenmaterial so verpackt wird, dass nichts von dem Inhalt nach außen gelangt.

Die Verpackung, bestehend aus drei Bestandteilen, soll folgende Bedingungen erfüllen:

– eine wasserdichte Primärverpackung (z.B. Gefrierbeutel)

– eine wasserdichte Sekundärverpackung

– eine ausreichend feste Außenverpackung.

Der Versand sollte am besten gekühlt (z.B. mit Kühlakkus) erfolgen. In Ausnahmefällen, z.B. bei fortgeschrittenen Grad der Verderbnis, ist ein Versand im gefrorenen Zustand möglich.

Bitte verschicken Sie die Proben nach Möglichkeit nicht an einem Freitag. Die Proben können aber direkt beim LGL zu den angegebenen Öffnungszeiten abgegeben werden.

Auch bei der direkten Überbringung von Proben an das LGL ist es erforderlich, diese entsprechend zu verpacken, um den Personenschutz innerhalb des LGL zu gewährleisten.

Für eventuell eintretende Schäden durch Nichtbeachten der Verpackungsvorgaben (nachzulesen in den Richtlinien von Dt. Post, DHL und anderen Kurierunternehmen) trägt der Absender grundsätzlich die haftungsrechtlichen Folgen.

Dem Untersuchungsmaterial muss ein vollständig ausgefüllter Einsendeschein beigelegt werden (Einsendeschein_Feldhase_2020_final.pdf). Nach dem Abschluss der Untersuchungen wird Ihnen das Ergebnis vom LGL mitgeteilt. Ebenso erhält der BJV eine Kopie des Einsendescheins sowie des Ergebnisberichtes für unsere Auswertungen. Einen Ergebnisbericht zum jeweiligen Untersuchungsjahr veröffentlicht der Verband in seinen Fachmedien, der JiB und/oder im Rahmen eines Landesjägertages.

Wenn Sie Fragen zu dem genannten Monitoring haben, können Sie sich gerne an die Geschäftsstelle, Frau Dr. Claudia Gangl, Tel.: 089/990234-14 oder per Email: c.gangl@jagd-bayern.de, wenden.

Wir bedanken uns für Ihre tatkräftige Unterstützung.

Feldhasen-Monitoring

Untersuchung von Feldhasen am Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (Quelle u.a. LGL-Homepage)

In Bayern wird das Hasenpestgeschehen vom LGL seit 2007 verfolgt, seit 2012 besteht darüber hinaus auch eine Kooperation des LGL mit dem Bayerischen Jagdverband in Form eines sog. Feldhasenmonitorings – Überprüfung des Gesundheitszustandes von Feldhasen. Bei den dem LGL zur Untersuchung überlassenen Feldhasen steht die Erforschung infektiöser Krankheits- bzw. Todesursachen im Vordergrund.

Im Jahr 2016 wurden 61 Feldhasen, die im Rahmen der Kooperation mit dem BJV von Jägern sowie durch die Veterinärämter eingesandt wurden, untersucht Die häufigste nachgewiesene Krankheit, und vermutlich todesursächlich, war Pseudotuberkulose (=Yersiniose), gefolgt von Tularämie und der Viruserkrankung EBHS. Bei einem Tier mit zahlreichen Abszessen wurden Brucellen vom Typ Brucella suis Typ 2 nachgewiesen und damit  das Vorliegen einer Brucellose attestiert. Darüber hinaus litten etliche Tiere zu Lebzeiten an Lungenentzündungen und Septikämien.

In 2017 untersuchte das LGL 26 Feldhasen. Neben der Pseudotuberkulose (=Yersiniose) wurde die Tularämie bei 10 Tieren nachgewiesen, ein Feldhase hatte Brucellose, ein weiterer Pasteurellose. Alle genannten Infektionskrankheiten sind Zoonosen!

Die Anzahl der am LGL untersuchten Tiere und Tularämie-Nachweise sind in Tabelle 1 bis 2017 dargestellt. Die angegebenen Zahlen sind bezogen auf die Gesamtpopulation der Feldhasen in Bayern als nicht repräsentativ anzusehen. Eine Erweiterung des Probenumfanges ist wünschenswert. Aus diesem Grund wird die Jägerschaft gebeten, krank erlegte und totgefundene Feldhasen an das LGL zur Untersuchung einzusenden. Der benötigte Untersuchungsantrag kann beim Bayerischen Jagdverband angefordert werden.

Die Tularämie wird bei Feldhasen in Nord- und Südbayern gleichermaßen nachgewiesen. Der Anteil an Feldhasen mit Tularämie scheint aber, bezogen auf die Gesamtpopulation, gering zu sein. Daten des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) als Nationales Referenzlabor für Tularämie bei Tieren zeigen darüber hinaus, dass der Erreger in der Feldhasenpopulation in ganz Deutschlands vorkommt.

Im Jahr 2018 untersuchte das LGL 106 Feldhasen; bei einem Großteil der Tiere wurden infektiöse Todesursachen diagnostiziert, wobei bakterielle Infektionen dominierten.
Bei 22 Tieren wies das LGL die Tularämie, hervorgerufen durch Francisella tularensis spp. Holarctica, nach. Diese Erkrankung mit zoonotischem Potential führt bei den betroffenen Tieren zu einer deutlichen Milzschwellung und zu Nekrosen an Organen wie Leber, Milz und Lymphknoten.
Ebenfalls eine Zoonose ist die Brucellose, hervorgerufen durch Brucella suis, die das LGL im Jahr 2018 bei einem Feldhasen diagnostizierte. Die auch bei Wildschweinen verbreitete Erkrankung verursacht eine eitrige Entzündung der Geschlechtsorgane und die Bildung multipler Abszesse (Seit 2018 findet auch ein Brucellose-Monitoring bei Wildschweinen in Kooperation von LGL und BJV statt.).
Eine Yersiniose oder Pseudotuberkulose wies das LGL in 20 Fällen nach. Die Infektion mit Yersinia pseudotuberculosis äußert sich unter anderem in eitrig-käsigen Entzündungsherden in Darm, Lymphknoten, Leber, Niere, Milz und Lunge (siehe Abbildungen). Überwiegend bakteriell bedingte Lungenentzündungen wies das LGL bei 14 Feldhasen nach. Als Erreger wurden neben Pasteurella multocida auch Streptokokken und Mykoplasmen identifiziert.

Pseudotuberkulose (Yersiniose), Feldhase: zahlreiche gelblichweiße Nekroseherde (Gewebsuntergänge) in Leber und Milz, Quelle: LGL

Pseudotuberkulose (Yersiniose), Feldhase: zahlreiche gelblichweiße Nekroseherde (Gewebsuntergänge) in der Lunge, Quelle: LGL

Bei drei Feldhasen stellte das LGL das European-Brown-Hare-Syndrome (EBHS), eine Virusinfektion, fest. Der Erreger ist mit dem Virus der Rabbit-Haemorrhagic-Disease (RHD) der Kaninchen verwandt und verursacht eine in der Regel tödliche Zerstörung des Lebergewebes.

Bei abgemagerten Tieren lag häufig ein Befall mit Endoparasiten vor. Dabei dominierten Magen-Darm- und Lungenwürmer sowie Kokzidien (einzellige Darmparasiten).
Als häufigste nicht-infektiöse Todesursache ermittelte das LGL in 18 Fällen Verletzungen, die sich die Tiere wahrscheinlich durch Kollisionen mit Kraftfahrzeugen zugezogen hatten.

Im Jahr 2019 wurden insgesamt 249 Feldhasen am Landesamt untersucht. Bei den Tieren handelte es sich größtenteils um Totfunde (177), ein geringer Teil war krank (29) oder gesund (30) erlegt worden. Die Tiere wurden, soweit der Zustand der Tierkörper eine entsprechende Untersuchung zuließ, pathologisch – anatomisch, bakteriologisch, virologisch und parasitologisch untersucht.

Bei den erbrachten Erregernachweisen steht eindeutig Francisella (F.) tularensis im Vordergrund. In 84 Fällen wurde das Bakterium, das die Tularämie oder Hasenpest verursacht, nachgewiesen. Bemerkenswert ist, dass die Nachweise zwar zum größten Teil bei Totfunden geführt, vereinzelt aber auch bei krank und sogar bei gesund erlegten Hasen erbracht wurden. Da der Erreger doch relativ häufig festgestellt wurde und dieser erhebliches zoonotisches Potential besitzt, soll er an dieser Stelle noch einmal näher vorgestellt werden.

Francisella tularensis besitzt unter wildlebenden Tieren ein breites Wirtsspektrum. Neben Feldhasen stellen auch Kaninchen und Nagetiere die wohl bedeutendsten Erregerreservoire dar. Bei diesen Tieren kann es neben dezent verlaufenden Infektionen auch zu seuchenhaften Verläufen mit hohen Sterblichkeitsraten kommen.

Der Mensch, der sehr empfänglich für F. tularensis ist, infiziert sich am ehesten durch den direkten Kontakt mit infizierten Tieren. Für uns Jäger besteht folglich die größte Ansteckungsgefahr beim Aufbrechen erlegter Tiere.

Allerdings sind eine Vielzahl anderer mögliche Infektionswege beschrieben:  Kontakt der Haut oder Schleimhäute mit infektiösem Tiermaterial; Verzehr von nicht ausreichend erhitztem, kontaminiertem Fleisch oder anderen kontaminierten Lebensmitteln (z. B. durch Mäusekot kontaminiertes Getreide); Aufnahme von kontaminiertem Wasser; Inhalation von kontaminiertem Staub oder Aerosolen (z. B. beim Bearbeiten von kontaminiertem Gemüse, beim Rasenmähen oder Mäh- bzw. Heuarbeiten); Stich oder Biss von infizierten blutsaugenden Arthropoden (z. B. von Bremsen, Mücken, Zecken).

Bei einer etwaigen Infektion zeigen sich bei milden Verlaufsformen innerhalb von zehn Tagen grippeähnliche Symptome. In schweren Fällen kann der gesamte Organismus in Mitleidenschaft gezogen werden, ohne antibiotische Therapie kann es auch zum Tode des Patienten führen.

Francisella tularensis ist im Übrigen als Biologischer Kampfstoff klassifiziert. Tatsächlich sind die humanen Fallzahlen aber eher als gering einzuschätzen. In den vergangenen zehn Jahren wurden 362 humane Fälle vom Robert-Koch-Institut (RKI) gemeldet. Allerdings fällt auf, dass die Jahre 2017 bis 2019 die höchsten Fallzahlen mit steigender Tendenz aufweisen.

Die auf den ersten Blick prozentual hoch erscheinenden Fallzahlen im Feldhasen-Monitoring müssen jedoch relativiert werden, da der Beprobungsschwerpunkt auf Totfunden („negative Selektion“) lag. Als Aussage bleibt allerdings bestehen, dass der Erreger in der Feldhasenpopulation bayernweit präsent ist und eine potentielle Gefährdung darstellt.

Neben F. tularensis  wurden folgende Erreger im Rahmen des Monitorings festgestellt:

Bakterien: Yersinien, Pasteurellen, Brucellen, Clostridien, Staphylokokken u. a.

Viren: European Brown Hare Syndrome Virus (EBHSV)

Parasiten: Lungenwürmer, Kokzidien, Toxoplasmen

Abschließend bleibt zu sagen, dass mit den nötigen Hygienemaßnahmen das Infektionsrisiko im Umgang mit unseren Wildtieren auf ein Minimum reduziert werden kann.