“Mein Name ist Hase!”

Wer kennt ihn nicht, den Feldhasen mit den langen Ohren mit den schwarzen Spitzen und dem typischen Hoppel-Gang. Dabei ist er eher ein Langstreckenläufer mit langen, kräftigen Hinterbeinen und einem großen, leistungsstarken Herzen. Durch die seitlich gestellten Augen hat er ein Gesichtsfeld von über 180°, so dass das Tier seine gesamte Umgebung auch während der Futteraufnahme überblicken kann. Der Feldhase ist ein Bewegungsseher und ein charakteristisches Fluchttier. Berühmtheit hat er aber durch das hasentypische Hakenschlagen erlangt, mit dem er sich im letzten Moment seinen Verfolgern entzieht. Dabei rennt er nicht etwa blindlings davon, sondern versucht unter Ausnutzung der Deckung in seinem Hasenrevier Verfolger abzuschütteln.

Der Feldhase hat nämlich viele Feinde, vor denen er sich mit einer guten Tarnfärbung, seiner Fähigkeit sich im Feld zu verbergen und durch dauernde Wachsamkeit schützt.

Auch wenn Meister Lampe mit dem Kaninchen verwandt ist, verwechseln kann man beide Arten aufgrund ihres unterschiedlichen Aussehens und einer deutlich verschiedenen Lebensweise eher nicht. In Äckern oder Wiesen verbringt der Einzelgänger Hase den größten Teil des Tages geduckt in Mulden, den sogenannten Sassen, um erst im Schutz der Dunkelheit auf Nahrungssuche zu gehen. Hier, auf freiem Feld, werden auch die relativ weit entwickelten Junghasen geboren. Um keine Fressfeinde wie Fuchs, Greif- und Rabenvögel anzulocken, säugt die Hasenmutter ihre in Abständen voneinander liegenden Jungen nur einmal am Tag nach Sonnenuntergang mit ihrer gehaltvollen Milch.

Die Fruchtbarkeit von Hasen ist sprichwörtlich, aber im Gegensatz zum Kaninchen bekommt die Feldhäsin selten mehr als viermal im Jahr, i.d.R. von März bis September, 2-4 Junge. Vorweg fand eine wilde „Hasenhochzeit“ mit Boxkämpfen, Verfolgungsläufen und temperamentvollen Luftsprüngen statt. Eine erstaunliche Besonderheit bei Feldhasen ist aber ein „Befruchtungstrick“. Es ist die Möglichkeit der Häsin, während einer bestehenden Trächtigkeit durch einen weiteren Deckakt wenige Tage vor der Geburt erneut schwanger zu werden und so einige Tage zwischen zwei Würfen zu „gewinnen“. Wissenschaftler bezeichnen dieses Phänomen der „Doppelschwangerschaft“ auch als Superfötation, auch Überbefruchtung oder Schachtelträchtigkeit genannt. Der biologische Sinn liegt wohl darin, günstige Umweltbedingungen durch die Produktion von Nachkommen in kürzeren Zeitabständen besser auszunutzen.

Leider ist Meister Lampe heute viel seltener zu sehen als früher. Das liegt nicht nur an seiner nachtaktiven Lebensweise. In unserer intensiv genutzten Agrarlandschaft haben sich die Lebensbedingungen für diese Charakterart der Feldflur in den letzten Jahrzehnten sehr verändert. Ein reichhaltiges und abwechslungsreiches Nahrungsangebot ist nicht mehr überall ganzjährig vorhanden, riesige Ernte- und Bodenbearbeitungsmaschinen fordern viele Opfer unter den Junghasen und aufgrund mangelnder Deckung haben zudem Beutegreifer leichtes Spiel. Hinzu kommen Krankheiten und Verkehrsopfer, die auf den Bestand ebenfalls negative Auswirkungen haben. Junghasen, die durch Nahrungsmangel und schlechte Witterungsbedingungen in ihrer Abwehr und Kondition geschwächt sind, überstehen selten das erste Lebensjahr.

Feldhasenzählungen überall in Deutschland haben ergeben, dass sich die Tiere in Bayern am wohlsten fühlen. Auch wenn sich die Mümmelmänner fleißig vermehren und größere Feldhasenbestände vor allem in Unter- und Mittelfranken und Niederbayern verzeichnet werden können, sind das A und O der Schutzmaßnahmen für diese Tierart die „Lebensraumverbesserung“ und eine verstärkte Kontrolle der Fressfeinde.

Wir Menschen, die es nicht nur wegen Corona hinaus in die Natur zieht, sollten daran denken, dass wir uns im „Wohnzimmer“ der Wildtiere bewegen und sich gerade ab dem Frühjahr überall in Wald, Feld und Flur „Tierkinderstuben“ befinden. Ein allein sitzender junger, unverletzter Hase ist meist nicht in Not und sollte sitzen gelassen werden. Ein unbedachtes Aufnehmen und Überführen in menschliche Obhut könnten ihn erst richtig in eine Notsituation bringen. Da auch unsere Hunde, die ungehemmt durch Feld und Wiesen tollen, eine ernste Gefahr für Jungtiere aller Art darstellen können, gilt es, Rücksicht auf das Lebensrecht und das Wohlergehen der Wildtiere zu nehmen und die geliebten Vierbeiner lieber an die lange Leine zu nehmen. Was für unseren Vierbeiner Spiel und Spaß bedeutet, versetzt die wilden Tiere vor unserer Haustür sehr oft in Angst und Schrecken und führt nicht selten auch zu ihrem Tod.

Als Tierfreunde können wir alle unseren Beitrag zum Schutz der Wildtiere leisten.

PM/BJV

Bild: Hannah Reutter/ BJV

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