Corona aktuell, Februar 2021

Seit unserer letzten Aktualisierung auf der Homepage sind mehrere Monate vergangen.

Mittlerweile haben wir das „Corona-Jahr 2020“ hinter uns gelassen und angesichts sinkender Infektionszahlen und eines verfügbaren Impfstoffes wieder ein wenig Hoffnung auf ein „besseres“ neues Jahr.

Die von der Bundesregierung anberaumten Maßnahmen zur Seuchenbekämpfung, zwei Mal mussten sich die Bundesbürger in einen bundesweiten „Lockdown“ begeben – Deutschland hat quasi „dicht“ gemacht – scheinen Früchte zu tragen. Die vom Robert-Koch-Institut (RKI) gemeldeten Infektionszahlen zeigen nach der zweiten „Coronawelle“ eine positive Entwicklung.

Seit Dezember 2019 breitete sich die Pandemie von China ausgehend kontinuierlich über die ganze Welt aus. Damals startete das neuartige Coronavirus SARS CoV-2 im chinesischen Wuhan seine „Weltumrundung“ und verschonte kaum ein Land der Erde. Bei mehr als 103 Millionen Menschen wurde eine „Corona-Infektion“ bestätigt, über 2, 2 Millionen Menschen sind bisher im Zusammenhang mit „Corona“ weltweit gestorben.

Mehr als 12 Monate sind auch vergangen, seit der erste „Coronafall“ in Deutschland auftrat. Ein 33 Jahre alter Mann hatte sich bei der Autozuliefer-Firma Webasto bei einer aus China angereisten Kollegin angesteckt. Insgesamt 16 Menschen infizierten sich in und um München bei der infizierten China-Reisenden.

In Deutschland sind seit Beginn der Pandemie mehr als 50.000 Menschen an und mit „Corona“ gestorben. Viele Menschen mussten den Verlust eines geliebten Familienmitglieds, einen Angehörigen oder Bekannten verkraften oder haben wochenlang mit der Infektion bzw. den Folgen zu kämpfen gehabt, von den finanziellen Sorgen und der psychischen Belastung durch dramatische Ereignisse in der Familie oder die Unterbindung der Sozialkontakte ganz zu schweigen.

Aktuell warnen Mediziner und Politiker vor einer „dritten Welle“.  In dem Zusammenhang warnen sie auch vor sich ausbreitenden Virusmutationen. Drei große Mutanten sind derzeit bekannt: Die britische, die südafrikanische und die brasilianische Variante. Seit Wochen schon kursiert eine mutierte Virusvariante B.1.1.7. aus Großbritannien in Europa, welche Wissenschaftler im Vergleich zur bisher bekannten Virusvariante für 40 Prozent infektiöser halten. Alle drei Mutanten stehen im Verdacht, sich der Immunabwehr durch den menschlichen Körper zu entziehen, weshalb die verfügbaren Impfstoffe hinsichtlich ihrer Wirksamkeit „nachjustiert“ werden müssen. “Das Virus hat mitten im Spiel die Spielregeln geändert”, kommentiert das der Kölner Virologe Dr. Rolf Kaiser.

Vor diesem Hintergrund ist es schwer, an Lockerungen der Corona-Einschränkungen zu denken. „Wir müssen die Ausbreitung dieser Mutationen so weit wie möglich verlangsamen“, sagt auch Bundeskanzlerin Angela Merkel. „Wir dürfen nicht zuwarten und nicht nachlassen in unseren Bemühungen.“ Sonst, so die Kanzlerin, ist es u.U. zu spät, um eine dritte Welle der Pandemie – „und eine noch heftigere als jemals zuvor“ – zu verhindern.

Führende deutsche Infektiologen und Virologen warnen ebenso vor einer allzu schnellen „Lockerung“. Der Münchner Infektiologe Prof. Dr. Clemens Wendtner: „Solange es keine Durchimpfung in der Bevölkerung gibt und solange wir nicht sommerliche Temperaturen draußen haben, sollten wir uns an den Gedanken gewöhnen, dass es vielleicht auch eine vierte und fünfte Welle geben kann.“

Aktuelle Corona-Forschung im Bereich Tiergesundheit

Während für uns Menschen das RKI in Sachen Corona Ansprechpartner Nummer Eins ist, betrachtet das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI), das Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit, das neuartige Coronavirus SARS-CoV-2 aus Sicht der Tiergesundheit und der möglichen Rolle von Tieren beim aktuellen Seuchen-, resp. Infektionsgeschehen. Im Vordergrund stehen hierbei lebensmittelliefernde Tiere.

Coronaviren ganz unterschiedlicher Art kommen natürlicherweise auch bei Heim- und Nutztieren vor. Diese sind allerdings von dem Erreger, der die schwere respiratorische Erkrankung COVID-19 beim Menschen verursacht, deutlich zu unterscheiden.

Bisherige Untersuchungen weisen auf Fledermäuse als Ursprung von SARS-CoV-2 hin. Bei Fledermäusen können eine Vielzahl von Erregern nachgewiesen werden, die auf den Menschen übertragbar sind, wie z.B. das Ebola- und das Tollwutvirus. Fledermäuse sind deshalb vor allem in jüngster Vergangenheit als vermeintliche „Virenschleudern“ in Verruf geraten. Unbekannt ist nach wie vor, ob SARS-CoV-2 direkt von Fledermäusen auf den Menschen übertragen wurde oder ob eine weitere Tierart als Zwischenwirt eine Rolle spielt.

Auf dem chinesischen Wildtiermarkt in Wuhan, wie auf so vielen asiatischen Tiermärkten, wird mit vielen verschiedenen Tierarten gehandelt, so dass man sich nur allzu leicht vorstellen kann, dass ein Virus munter von einer Wildtierart zur anderen übergeht und zusätzlich noch Mutationen erfährt. Letztendlich kann das zu einem sogenannten Spill-over-Effekt (hier „Übertragungseffekt“ zwischen Spezies) führen, den wir vermutlich alle am eigenen Leib – in Form der Corona-Pandemie – erfahren haben.

Ein Fledermausexperte am Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung in Berlin, Dr. Christian Voigt, hatte sich zu dem Umstand – Fledermäuse und ihre Rolle als Überträger- im März letzten Jahres geäußert: „Es wird gemutmaßt, dass Fledermäuse ein besonders gutes, kompetentes Immunsystem haben und dass die Viren eine Art Wettrüsten mit dem Immunsystem der Fledermäuse veranstalten. Das wiederum führt zu einer starken Virulenz („Aggressivität“), die die Fledermäuse aber kaum „beeindrucken“ kann. Wenn das Virus dann auf einen andere Wildtierart überspringt und möglichweise noch mutiert, kann seine „Aggressivität“ noch gesteigert werden, wie wir es jetzt auch im Rahmen dieser Covid-19-Pandemie erleben. Nichtsdestotrotz sind Fledermäuse schützenswerte Tiere, und auch hier gilt es, wie für den Umgang mit Wildtieren allgemein, wachsam und umsichtig zu sein.“

Erstmals Infektion mit SARS CoV-2 bei Haustieren in Deutschland im Dezember 2020

In Deutschland sind Anfang Dezember 2020 bei Haustieren, einer Katze und einem Hund, erstmals Infektionen mit dem neuartigen Coronavirus gemeldet worden. Es handelt sich dabei um eine Katze und einen Hund.

Proben der Katze sind im Friedrich-Loeffler-Institut auf der Insel Riems bei Greifswald untersucht worden, sagte dessen Präsident Prof. Dr. Thomas Mettenleiter in einem Interview. Bei der Katze aus Frankfurt/Main sind Antikörper nachgewiesen worden, das Tier hat die Infektion überlebt. Zu dem Hund aus München konnte er keine weiteren Angaben machen.

Die Katze wurde getestet, weil in ihrem Haushalt Sars-CoV-2 nachgewiesen worden war. „Überrascht habe ihn der Befund bei den Haustieren nicht, sagte Mettenleiter. “Wir wissen seit dem Frühjahr 2020, dass sie sich infizieren können, da sie sich im Tierversuch als  infizierbar erwiesen haben”, sagte er weiter.

Weltweit sind rund 70 bestätigte Fälle bei Haustieren bekannt, meistens bei Katzen. Aus Zoos sind mehrere Infektionen von Großkatzen bekannt, unter anderem in Südafrika. Wer Frettchen als Haustiere hält, muss ebenfalls damit rechnen, dass sie sich anstecken können.

Infizierte Menschen sollten daher auch Abstand zu ihren Haustieren halten, mahnte Mettenleiter. Die Vierbeiner könnten durch das Coronavirus ebenfalls an Atemwegsinfektionen erkranken und schlimmstenfalls sterben. Dafür, dass das Virus mutiere und vom Haustier wieder auf den Menschen übertragen werde, gebe es keine Hinweise. “Die Pandemie spielt sich zwischen Menschen ab”, so Mettenleiter.

Vor dem Hintergrund der Corona-Ausbrüche auf Nerzfarmen in Dänemark warnte Mettenleiter in der “Neuen Osnabrücker Zeitung” auch vor der Übertragung des Virus´ vom Menschen auf freilebende Wildtiere. “Das kann nicht nur für die Tiere gefährlich werden, sondern auch für uns Menschen”, sagte er. Beim Kontakt mit Wildtieren wie Mardern und Fledermäusen ist besondere Vorsicht geboten.

Meldepflicht bei Corona-Infektionen von Haustieren

Wird ein Haustier positiv auf SARS CoV-2 getestet, muss das Ergebnis den Behörden gemeldet werden. Die Meldepflicht richtet sich seit Juli letzten Jahres an Veterinäruntersuchungsämter, Tiergesundheitsämter sowie an sonstige öffentliche oder private Untersuchungsstellen. Um eine umfassende Übersicht über das Vorkommen und die Ausbreitung des Virus´ durch Tiere zu erhalten, sollen alle Fälle gemeldet werden mit dem Ziel, die Forschung zu unterstützen.

Untersuchungen des FLI zeigen, dass Tiere sehr unterschiedlich auf das Virus reagieren: Katzen und Frettchen sind empfänglicher als Hunde. Bisher sind nur wenige Tiere in verschiedenen Ländern getestet worden. Die bisherigen Erfahrungen, auch aus Deutschland, liefern keine Hinweise darauf, dass Haustiere, einschließlich Katzen und Frettchen, das Corona-Virus auf Menschen übertragen.

Die dänische Regierung sah dies anders und hat 17 Millionen Nerze im ganzen Land keulen und alle 1.500 Farmen stilllegen lassen, weil befürchtet wurde, dass die Tiere ein Reservoir für eine mutierte Variante des Coronavirus´ darstellten. Schon im Juni 2020 wurde an drei Orten in Nordjütland beobachtet, dass Tausende Nerze sich mit dem in der dänischen Bevölkerung zirkulierenden neuartigen Coronavirus infizierten. Dänische Gesundheitsexperten sahen es als erwiesen an, dass in den vergangenen Monaten das Virus in den Nerzen nicht nur mutierte, sondern auch an die Menschen zurückübertragen wurde. Mittlerweile geht das Land davon aus, dass durch diesen drastischen Schritt die mutierte Virusform ausgemerzt werden konnte.

Als nächstes Land will Irland sämtliche Nerze in den Farmen töten, da sie ein „fortwährendes Risiko“ im Kampf gegen Corona darstellen, so ein Regierungssprecher.

Für Haustierhalter besteht keine Pflicht, ihre Tiere testen zu lassen. Die Grundvoraussetzung, einen Test von der Veterinärbehörde in Absprache mit dem Gesundheitsamt überhaupt zu veranlassen ist, dass ein für das Virus empfängliches Tier (insbesondere Katzen und Frettchen) einen engen Kontakt zu einem an Covid-19 erkrankten Menschen hat und entsprechende klinische Symptome des Atmungs- und Verdauungstraktes zeigt.