Borna-Viren

Bis vor wenigen Jahren war vor allem das „klassische“ Borna-Virus, das Borna Disease Virus 1 (BoDV-1) als Erreger der sogenannten Borna´schen Krankheit bei Pferden und Schafen bekannt. Im Jahr 2015 wurde ein neuartiges Virus bei mittelamerikanischen Hörnchen entdeckt, das Bunthörnchen-Borna-Virus 1 (variegated squirrel bornavirus, VSBV-1). Beide Borna-Viren können auf den Menschen übertragen werden und zählen daher zu den zoonotischen Erregern.

Das „klassische“ Bornavirus kann bis in das Jahr 1885 „zurückverfolgt“ werden. Damals verstarben viele Kavalleriepferde in der sächsischen Stadt Borna. Da auch ein gesamtes Gestüt von dieser damals unbekannten Erkrankung betroffen war, vermutete der Gießener Virologe Wilhelm Zwick 1924, dass ein Virus der Verursacher der Krankheit ist. Das Bornavirus konnte jedoch erst in den 1970er Jahren identifiziert werden.

Erst 2009 wurde das Virus auch im menschlichen Organismus nachgewiesen.

Erkrankungen beim Tier und Menschen

Das Borna-Virus führt beim Pferd sowie beim Schaf zu einer Meningoenzephalitis (Gehirn- und Gehirnhautentzündung). Selten können auch Rinder, Kaninchen und andere Säugetiere betroffen sein.

Borna-Viren im Verdacht, vom Tier auf den Menschen  übertragen werden zu können. Nach dem Auftreten von tödlich verlaufenden Gehirnentzündungen (Encephalitis) bei drei Züchtern von Bunthörnchen in Sachsen-Anhalt zwischen 2011 und 2013 wurden umfangreiche Untersuchungen zu einer möglichen infektiösen Ursache am Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM) durchgeführt. Den Hinweis auf ein neuartiges Virus lieferten sowohl Proben der Zuchttiere als auch Gehirnproben der verstorbenen Patienten. Es ist wahrscheinlich, dass die Infektionen der drei Bunthörnchen-Züchter über Biss- oder Kratzverletzungen verursacht wurden.

Im Frühjahr 2018 erkrankten zwei Patienten, die Organempfänger waren wahrscheinlich bei der Übertragung von Organen eines infizierten Spenders an einer schweren Hirnentzündung.

Krankheitssymptome beim Menschen

Die Erkrankung äußert sich neben Fieber und starken Kopfschmerzen durch schwerwiegende neurologische Symptome wie Sprach- und Gangstörungen und führt im weiteren Verlauf innerhalb von Tagen oder wenigen Wochen zum Koma. Zu den Risikogebieten in Deutschland gehören vor allem Bayern, Thüringen, Sachsen-Anhalt und Sachsen.

Ärzte vermuten, dass sogar jeder dritte Mensch in Deutschland das Virus in sich trägt – es allerdings nur in sehr seltenen Fällen ausbricht, beispielsweise als Folge einer Immunschwäche oder von starkem Stress. Insbesondere langanhaltende negative Belastungen können den Ausbruch begünstigen. Dann greift das Borna-Virus das zentrale Nervensystem an, wobei sämtliche psychiatrische und neurologische Störungen (Apathie, Desinteresse, Schlafstörungen, Depressionen, Zwangsstörungen, Schizophrenie, Angststörungen, Panikattacken) auftreten können. Das ist das Tückische an der Erkrankung – sie äußert sich häufig durch psychische Probleme, Verhaltensänderungen und emotionalen Störungen, die nicht gleich mit einer Virusinfektion assoziiert werden.

Wie erfolgt die Übertragung?

Das Reservoir des Erregers stellt die Feldspitzmaus dar. In der Mehrzahl der Fälle ist von einer Ansteckung durch direkten Kontakt mit einer infizierten Feldspitzmaus bzw. indirekt über ihre Ausscheidungsprodukte (Urin, Kot oder Speichel) auszugehen. Der genaue Übertragungsweg ist jedoch noch unbekannt. Eine Übertragung auf natürlichem Wege von Mensch zu Mensch, Pferd zu Pferd oder Pferd zu Mensch wird nach den heutigen Erkenntnissen ausgeschlossen.

Meist gelangt das Borna-Virus über die Nasenschleimhäute erstmals in den Körper, wo es sich über die Nervenfasern ausbreitet.

Die richtige Therapie

Das Borna-Virus gehört zu den persistenten Viren, das heißt, dass es dauerhaft im Körper bleibt, aber nicht immer aktiv ist. Eine Infektion lässt sich nur „behandeln“, indem die Vermehrung der Viren unterdrückt und das Immunsystem aufgebaut wird. Ferner gilt es, Stress so gut es geht zu vermeiden.

In einer aktuellen Studie von Forschergruppen der Universitäten in Regensburg, München, Gießen und Freiburg sowie des BNITM in Hamburg und des FLI auf der Insel Riems wurden bekannt gewordene Infektionen von Menschen mit dem Borna Disease Virus (BoDV-1) gesammelt und charakterisiert. Bisher wurden 14 Fälle zwischen 1999 und 2019 in Bayern festgestellt. Den jüngsten bekannten Borna-Fall datieren die Wissenschaftler auf Ende 2019. Dabei starb ein elfjähriges Mädchen.

Um eine bessere Datenlage zum Vorkommen der Infektion beim Menschen zu schaffen, tritt zum 1. März 2020 eine Meldepflicht in Kraft.