Bayerischer Jagdverband e.V. - staatlich anerkannter Naturschutzverband

13.04.2016

Wissenschaft und Jagd: Bundesminister a.D. Hans-Peter Friedrich (MdB) gibt „Startschuss“ für den Akademietag und spricht erstmals im neuen Akademie-Forum

Wissenschaftler, Politiker und Jäger einer Meinung: Die Bayerische Akademie für Jagd und Natur (Träger: Bayerischer Jagdverband e.V.) ist als „Verzahnung zwischen Wissenschaft und Jäger“ eine „Einrichtung mit Potential“.


Dr. Hans-Peter Friedrich, MdB, mit dem BJV-Präsidium

Feldkirchen/Wunsiedel, Nach der Begrüßung von BJV-Präsident Prof. Dr. Jürgen Vocke und den Grußworten seitens dem Regierungsbezirksvorsitzenden Oberfrankens, Prof. Hartmut Wunderratsch, sowie Martin Schöffel (MdL), gab der Bundesinnenminister a.D., Hans-Peter Friedrich (MdB), stellvertretender Fraktionsvorsitzender der CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag, als Schirmherr der Akademie den mündlichen „Startschuss“ für die Bayerische Akademie für Jagd und Natur.

Schirmherr Bundesminister a.D. Hans-Peter Friedrich (MdB)

„Als Motor der Jagdkultur in Bayern“ gab er der Akademie den Auftrag „eine Verzahnung von Wissenschaft und Jäger“ zu sein sowie „die wissenschaftliche Begründung der jagdlichen Öffentlichkeitsarbeit [zu liefern], die heute wichtiger ist denn je.“ Dr. Friedrich forderte zudem die Akademie auf, „aufzubewahren, was einmal war; darzustellen, was ist und wegweisend für die Zukunft zu sein“. Er gab zu bedenken, dass der Mensch ein „Teil der Natur ist, der in diese eingreift und sie verändert“, daher ist es von besonderes Bedeutung, dass die „Wissenschaft direkt mit der Praxis kooperiere und ihre Erkenntnisse an die Landesjagdschule weitergebe“. Der Schirmherr beendete seine Rede mit den Worten: „Ich bin voller Leidenschaft für die jagdlichen Themen und wünsche der Akademie viel Erfolg“ – ein klares Bekenntnis für die Jagd.

Impulsreferat von Prof. Dr. Klaus Stüwe: Gesellschaft im Wandel – Jagd im öffentlichen Diskurs

Prof. Dr. Klaus Stüwe, Inhaber des Lehrstuhles für Vergleichende Politikwissenschaft an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt, sprach in seinem Impulsreferat über den Wandel der Gesellschaft und der Jagd im öffentlichen Diskurs. Hierin betonte er den veränderten Stellenwert der Jagd im Laufe der Zeit und erläuterte verschiedene Dimensionen des Wandels. Faktoren wie die Urbanisierung, die Domestizierung der Natur, die Individualisierung sowie die Pluralisierung spielen dabei eine große Rolle. Sie alle wirken auf ihre Weise auf die Jagd ein. So hat die Stadtbevölkerung keine Berührung mehr mit der Jagd, wird die Natur hauptsächlich als effizient orientierte Ressource betrachtet und völlig domestiziert, werden die nichtjagenden Naturnutzer immer mehr oder konkurrieren verschiedene Interessen wie zum Beispiel die der Land- und Forstwissenschaft, der Jagd oder der Freizeitsportler miteinander. Als Konsequenz fordert er die Akademie auf „die Akzeptanz der Jagd in der Gesellschaft und der Politik weiter zu stärken, ein Dialogforum zu sein und die Kommunikation nach außen zu pflegen.“

Podiumsdiskussion mit Prof. Dr. Klaus Stüwe, Dr. Norbert Schäffer, Dr. Miroslav Vodnansky, Ernst Weidenbusch (MdL); moderiert von BR-Moderatorin Christine Schneider

BR-Moderatorin Christine Schneider leitete in gewohnt kritischer Art und Weise die Podiumsdiskussion. Prof. Dr. Klaus Stüwe appellierte nochmals an alle Jäger, ihren Auftrag in der Öffentlichkeitsarbeit ernst zu nehmen: „Jeder einzelne Jäger ist gefordert. Das Auftreten eines einzelnen hat Folgewirkung auf die ganze Jägerschaft.“ Dr. Norbert Schäffer, Präsident des Landesbund für Vogelschutzes (LBV), versicherte sein Interesse an einer Zusammenarbeit mit dem BJV: „Der BJV und der LBV haben mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede. Wir werden nicht nach unterschiedlichen Ansichten suchen, sondern nach gemeinsamen Anliegen.“ Zudem betonte Schäffer: „Wir stellen die Jagd nicht in Frage. Sie ist eine völlig zulässige und notwendige Form der Landnutzung.“ Ernst Weidenbusch (MdL) antwortete auf die Frage, ob er als Jäger und Parlamentarier objektiv seiner Arbeit nachgehen kann mit einem klaren Statement und versicherte, dass private Interessen in der politischen Arbeit hinten an gestellt werden müssen. Um sich selbst zu kontrollieren, befrage er zudem regelmäßig seine wissenschaftlichen Mitarbeiter nach deren Einschätzung. Der Leiter des Mitteleuropäischen Institutes für Wildökologie, Dr. Miroslav Vodnansky, forderte eine ebenbürtige Diskussion zwischen Jagd und Landwirtschaft: „Die Jagd existierte weit vor der Landwirtschaft. Der Grundeigentümer muss immer auch ein Verbündeter der Jagd sein.“ Zum Thema Wildbret ergänzte er: „Wildbret ist nicht BIO. Wildbret ist besser – es ist Natur. Wildfleisch verlässt den natürlichen Kreislauf nie: es kommt aus der Natur, wird dort erlegt und kommt von dort aus direkt auf den Teller. Das Schlussplädoyer der Diskussion lautete: „Jäger sind aktive Naturschützer.“

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