Bayerischer Jagdverband e.V. - staatlich anerkannter Naturschutzverband

23.07.2015

Autofahrer aufgepasst: Liebesreigen des Rehwilds erhöht die Unfallgefahr

Von der zweiten Julihälfte an bis Mitte August hat das Rehwild seine Paarungszeit. Blind vor Liebe ist der Rehbock unermüdlich hinter der Geiß her!


Foto: Rennender Rehbock/Stefan Ott/Piclease

Der liebestolle Bock „treibt“ die brunftige Geiß, die mit der Absonderung von Duftstoffen signalisiert, dass sie paarungsbereit ist, durch Wald und Feld. Bei hochsommerlichen Temperaturen ist er besonders aktiv und liefert sich in dieser Zeit mit Rivalen heftige Kämpfe und Verfolgungsjagden.

Für die Autofahrer heißt es aufpassen!

Im Liebesrausch – oder besser gesagt völlig hormongesteuert – reagiert das Rehwild unvorsichtig und so kann es vermehrt zu Wildunfällen kommen. In den frühen Morgenstunden und in der Abenddämmerung sind die Tiere besonders aktiv. Der Bayerische Jagdverband (BJV) bittet deshalb die Autofahrer im eigenen Interesse, vorsichtig zu fahren und speziell bei Fahrten durch den Wald, entlang von Hecken und zwischen hohen Ackerbaukulturen (Maisfelder!) immer den Fahrbahnrand im Auge zu behalten.

Wildunfall immer melden

„Ein Reh kommt selten allein“, warnt Professor Dr. Jürgen Vocke, Präsident des Bayerischen Jagdverbands. Meist folgt der Rehgeiß der Bock, der seine Auserwählte vor sich hertreibt. Taucht ein Reh am Fahrbahnrand oder gar auf der Fahrbahn auf, sollte bei eingeschaltetem Fernlicht sofort abgeblendet und kontrolliert gebremst werden. Ist ein Zusammenstoß nicht zu verhindern, sollte der Fahrer das Lenkrad unbedingt gerade halten. Unkontrollierte Ausweichmanöver sind gefährlich, da das Auto vor allem bei hoher Geschwindigkeit schnell ins Schleudern gerät. Kommt es dennoch zu einem Wildunfall, muss sofort die nächste Polizeidienststelle verständigt werden. Die Polizei informiert den zuständigen Jagdpächter, der sich mit seinem Jagdhund auf die Suche nach dem verletzten Wild macht.

Im Übrigen übernehmen die Versicherungen den Schaden nur dann, wenn der Wildunfall von der Polizei bestätigt wird.

Hintergrundinfo:

Die Jäger sprechen jetzt von der „Blattzeit“, weil sie mit Hilfe eines Buchenblatts das sehnsüchtige Fiepen der Rehgeiß nachahmen und so versuchen, den brunftigen Bock anzulocken. Dafür gibt es heute im Handel zahlreiche „Blattinstrumente“, aber auch damit bedarf es der Übung, um dem Bock auf die Sprünge zu helfen. Ist die Geiß erfolgreich beschlagen worden, hält die befruchtete Eizelle bis Jahresende eine Art Keimruhe. Erst dann setzt die Embryonalentwicklung richtig ein, sodass die Kitze im Mai gesetzt werden können. Nach dem Liebesspiel an heißen Sommertagen fällt die Aufzucht der Jungtiere so in die klimatisch günstige Jahreszeit, den Frühling.

» Wildtierporträt Rehwild



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