Bayerischer Jagdverband e.V. - staatlich anerkannter Naturschutzverband

30.07.2013

Investition gegen Wildunfälle - Jäger sichern stark befahrene Straßen bei Treib- und Drückjagden mit mobilen Verkehrsschildern


Feldkirchen – Die Rehbrunft läuft auf Hochtouren. Liebestoll läuft der Bock der brunftigen Geiß hinterher. Der Bayerische Jagdverband warnt alljährlich zur Sommerzeit vor den liebestrunkenen Rehen, die unversehens auf die Straße rennen. Dagegen helfen kein Warnschild und keine Straßensicherung, da hilft nur der Appell an die Autofahrer, den Fuß vom Gas zu nehmen und aufmerksam zu fahren. Anders bei im Herbst stattfindenden Treib und Drückjagden.

Neben der umsichtigen Organisation der Jagd durch den Jagdleiter kann die Sicherung des Bereichs rund um die Treib- und Drückjagden mit den entsprechenden Warnschildern helfen, Unfälle zu verhindern. Der Bayerische Jagdverband fördert in Hinblick auf die Unfallverhütung den Ankauf von Schildersätzen zur Verkehrssicherung entlang der Straßen. Rechtzeitig vor dem Beginn der Treib- und Drückjagden wurden die Schilder vor dem Haus der Jäger in Feldkirchen den Kreisgruppen übergeben. Ein Schildersatz kostet 1043,63 Euro, zehn Prozent dieser Kosten müssen die Kreisgruppen selbst tragen. Der Rest wird aus Mitteln der Jagdabgabe bezahlt.

Der Bayerische Jagdverband hat bereits dezentrale Schulung zur Verkehrssicherung angeboten und wird ständig weitere Termine anbieten. Die geschulten Jäger können sich dann den Schildersatz zur Absicherung ihrer Gesellschaftjagden ausleihen und die Verkehrsteilnehmer vor eventuell auftretenden Gefahren warnen. Besonders stark ist die Nachfrage in den Landstrichen mit einem hohen Schwarzwild-Vorkommen, wo revierübergreifende Drückjagden organisiert werden.

Die Sicherung der Straßen ist wichtig, denn es geht meist ganz schnell – das Reh oder die Sau springen auf die Fahrbahn und schon kracht es! „Jeder Unfall ist ein Unfall zu viel“, sagt Prof. Dr. Jürgen Vocke, Präsident des Bayerischen Jagdverbandes.

Jägerinnen und Jäger im aktiven Einsatz, um Wildunfälle zu vermeiden – Monitoring zur Analyse des Unfallgeschehens ist angelaufen

Der BJV will das Wildunfall-Geschehen genauer analysieren. Der Verband erarbeitet in einer Gemeinschaftsaktion zusammen mit dem Bayerischen Staatsministerium des Innern ein Wildunfall-Monitoring. An Streckenabschnitten, an denen sich besonders viele Wildunfälle ereignen, wird ab sofort mit Hilfe des Erhebungsbogens „Wildunfall“ der Hergang und vor allem die Örtlichkeit genau unter die Lupe genommen. Gibt es auf diesem Streckenabschnitt Reflektoren oder Duftzaun? Wie sieht die Vegetation rechts und links von der Fahrbahn aus? Gab es zum Unfallzeitpunkt spezielle Störungen ausgelöst durch eine Jagd, Erntetätigkeit oder Freizeitsuchende wie Reiter oder Biker? Ziel der Erhebung ist es, auf Grundlage der von den Revierinhabern gesammelten Daten effektive Maßnahmen zur Unfallverhütung vornehmen zu können.

Thomas Schreder, Biologe und Vorsitzender des Kreisjagdverbandes Erding, der als Pilotlandkreis an dem Projekt beteiligt ist dazu: „Je mehr wir über die Ursachen, dass heißt über die Örtlichkeit und die Unfallsituation, wissen, desto schneller ist es möglich, mit gezielten Maßnahmen die Gefahrlage zu entschärfen oder zu beseitigen. Wir Jäger vor Ort sind es, die die Puzzleteile zusammentragen und mit unserem wildbiologischem Wissen daraus auch die richtigen Schlüsse ziehen können.“

Ein Beispiel: Reicht die Vegetation aus Büschen, Bäumen oder hochwachsendem Mais bis unmittelbar an den Straßenrand heran, kann wechselndes Wild vom Autofahrer nicht rechtzeitig erkannt werden. Umgekehrt nimmt das Wild die Straße unter diesen Umständen nicht als Schneise wahr und bleibt nicht stehen, wie es dies vor dem Wechseln auf eine Freifläche instinktiv tut, um „Feinde“ wahrzunehmen.

Gibt es auf einer Seite der Straße Deckungsmöglichkeiten für das Wild, während auf der anderen Seite das gute Futter lockt, kommt es insbesondere in den Morgen- und Abendstunden zu einem verstärkten Wechsel und einem erhöhten Unfallrisiko.

Generell gilt:

• Wildäcker und Wildwiesen, die den Lebensraum für Wildtiere verbessern, sollten nicht unmittelbar entlang von Straßen angelegt werden, weil dadurch ein Wildwechsel provoziert wird.

• Bewährt haben sich in der Praxis Duftzäune, die durch ihren unangenehmen Geruch das Wild von der Straße fernhalten in der Kombination mit Wildwarnreflektoren an den Straßenpfosten.



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