Bayerischer Jagdverband e.V. - staatlich anerkannter Naturschutzverband

14.02.2019

Die Not ist groß - BJV fordert Umdenken beim Forstlichen Gutachten für waldarme Regionen

Die Kitzinger Jäger bitten den Landtag um Hilfe | „Rehwildabschuss erhöhen – Verbiss senken“ funktioniert nicht mehr | Der Bayerische Jagdverband (BJV) fordert Paradigmenwechsel im Waldumbau für waldarme vom Klimawandel besonders betroffene Regionen


Das Forstliche Gutachten für den Landkreis Kitzingen ist schlecht ausgefallen, der Leittriebverbiss ist von 19,2 auf 26,9 Prozent gestiegen. Nun rechnen die Kitzinger Jäger damit, dass die Untere Jagdbehörde den Rehwildabschuss wieder erhöht.

Doch das wollen die Jäger nicht mehr mittragen. Die Altersstruktur und das Geschlechterverhältnis des Rehwildbestandes ist heute schon in vielen Revieren nicht mehr artgerecht. Und eines ist jetzt schon sicher: Mit einem erhöhten Abschuss wird sich die Verbiss-Situation nicht wesentlich verbessern.

Der falsche Ansatz

Der Grund: Wald vor Wild und die natürliche Waldverjüngung  ohne Schutz funktioniert möglicherweise in Regionen mit hohem Waldanteil, mit  großen geschlossenen Wäldern und großen Verjüngungsflächen und mit einem guten Äsungsangebot in der Feldflur. Auf der Fränkischen Platte mit dem geringsten Waldanteil in Bayern, mit kleinen Feldgehölzen und winzigen Verjüngungsparzellen hilft allein der Rehwildabschuss nicht weiter. Zumal im letzten Sommer Hitze und Trockenheit extrem waren. Viele Kitze vielen dem zum Opfer, weil die Geißen zu wenig Milch hatten.

Die Not ist groß

Im Landkreis Kitzingen hat das Rehwild von Ende August bis Anfang November 2018 so gut wie keine Deckung und Äsung auf den leergeräumten Feldflur gefunden. Damit verringerte sich das Nahrungsangebot in diesen Monaten von 100 Hektar LN auf Ø 2,4 Hektar Wald Verjüngungsfläche im Landkreis Kitzingen. Da reicht ein Wildbestand von ein bis zwei Rehen pro 100 Hektar Landwirtschaftlicher Nutzfläche und die ungeschützten saftigen Knospen der jungen Bäume werden verbissen. Es ist die einzige Nahrung die das Wild dort noch findet.

BJV fordert Paradigmenwechsel

„Deshalb muss es  in den waldarmen und vom Klimawandel besonders betroffenen Regionen eine andere Strategie des Waldumbaus geben“, sagt Dr. Klaus Damme, Vorsitzender der BJV-Kreisgruppe Kitzingen. Mit einer Petition hat er sich deshalb an die Abgeordneten im Bayerischen Landtag gewandt. Darin fordern die Kitzinger Jäger u. A. eine Entlastung des Waldes durch die Schaffung von artgerechten Lebensräumen für das Wild in der Feldflur. Wir stehen an der Seite der Landwirtschaft und fordern daher eine komplette finanzielle Kompensation dieser freiwillig eingerichteten Wildbiotope durch Fördermittel des Freistaats Bayern für die Bauern.

„Daneben“, so Damme, „fordern wir die Schutzzäunung, die Pflege und wenn nötig die Bewässerung  von neuen jungen Waldkulturen  in waldarmen (< 20% Waldanteil) Hegegemeinschaften Bayerns. Wir fordern außerdem, dass die Waldbesitzer durch den Bayerischen Staat dabei finanziell unterstützt werden. Denn waldarme und vom Klimawandel besonders betroffene Regionen brauchen nicht alte Ideologien, sondern neue Ideen zum Wohle der Waldnutzer und der Wildtiere.



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