Bayerischer Jagdverband e.V. - staatlich anerkannter Naturschutzverband

21.09.2018

Afrikanische Schweinepest – aktueller Fall in Belgien beunruhigt

Fachveranstaltung der ARGE Schwarzwild im Landratsamt Erding zusammen mit dem Kreisjagdverband Erding.


Feldkirchen/Isen, 18. September 2018: Im Länderdreieck Belgien, Luxemburg und Frankreich – gerade einmal 60 Kilometer von der deutschen Grenze entfernt – wurde an tot aufgefundenen Wildschweinen die Afrikanische Schweinepest (ASP) nachgewiesen. Damit ist die Seuche auch im Westen von Europa angekommen.

Die Afrikanische Schweinepest gibt es in Europa seit 1978 auf Sardinien. Im Juni 2007 ist sie zum ersten Mal in Georgien ausgebrochen. Seitdem hat sie sich in Osteuropa rapide ausgebreitet, nach Litauen, Estland und Lettland, nach Polen, in die Tschechische Republik, nach Ungarn, Rumänien und Bulgarien. Die Sorge der Landwirte, der Jäger und der Behörden hierzulande wächst.

Jetzt ist Fachwissen wichtig

Jetzt ist es wichtig, dass die Jäger nicht nachlassen und weiterhin engagiert Wildschweine bejagen und die Bevölkerung, Jäger und Landwirte richtig informiert werden. Welche Jagdmethoden sind effektiv, tierschutz- und gesetzeskonform und erfolgreich? Wie garantiere ich Sicherheit auf der Bewegungsjagd? Welche rechtlichen Vorschriften und unterstützende Maßnahmen bei der Schwarzwildjagd gibt es? Antwort auf viele Fragen rund um die Wildschweinjagd und ASP gaben Fachleute aus ganz Bayern auf der Fachveranstaltung, zu dem der Kreisjagdverband Erding und das Landratsamt Erding nach Isen eingeladen haben

Referenten und Themen:

- Max-Peter Graf von Montgelas stellt BJVdigital vor, ein hoch modernes Informationssystem, um mehr über das Schwarzwild, seine Bewegungen, Schäden und Abschüsse zu erfahren

- Rudi Brandl, Förster, Jagdhundeführer und Lehrbeauftragter der Hochschule Weihenstephan Triesdorf für Jagdmanagement zeigt auf, was bei der Organisation von Drückjagden und Erntejagden beachtet werden muss

- Dr. Karin Deischl, Leiterin des Fachbereichs Veterinärwesen im Landratsamt Erding berichtet über rechtliche Vorschriften und unterstützende Maßnahmen bei der Schwarzwildjagd

- Alfred Neudecker, Fachbereichsleiter Verkehrswesen, Landratsamt Erding informiert über verkehrsrechtliche Anordnungen im Zusammenhang mit der Schwarzwildjagd

- Die abschließende Diskussionsrunde moderieren der Jäger und Tierarzt Dr. Klaus Ottis , Thomas Karl, der Vertreter der Unteren Jagdbehörde im Landratsamt Erding und BJV-Vizepräsident Thomas Schreder, Dipl. Biol.

95.000 erlegte Wildschweine in Bayern

Die bayerischen Jägerinnen und Jäger nehmen ihre Verantwortung ernst. Sie haben im letzten Jagdjahr (2017/18) rund 95.000 Wildschweine erlegt, so viel wie nie zuvor. Laut einer Umfrage des BJV mussten die bayerischen Jäger über 1,1 Millionen Stunden für die Jagd aufwenden und rund 4 Millionen Euro für Munition und Untersuchungsgebühren ausgeben. 65 Prozent der Strecke wurde auf dem Ansitz erlegt, rund 12 Prozent auf der Pirsch und rund 15 Prozent auf so genannten Drückjagden, alles freiwillig und ehrenamtlich.

Ohne die Kosten für gefahrene Kilometer, die Jagdpacht, die Ausrüstung oder weitere behördliche Gebühren wenden die bayerischen Jägerinnen und Jäger somit rund 30 Millionen Euro für die Schwarzwildjagd auf. Durchschnittlich 320 Euro kostet ein erlegtes Wildschwein, legt man einen Stundenlohn von 25 € für die Berechnung zu Grunde. Dieser Betrag kann nicht einmal annähernd durch den zu erwartenden Erlös des Wildbret Verkaufs erzielt werden. Mit 20 Euro unterstützt die Bayerische Staatsregierung die Schwarzwildbejagung. Einige Landratsämter, wie das LRA Erding legen den gleichen Betrag nochmal drauf, um die anfallenden Kosten bei der intensiven Schwarzwildbejagung für die Jäger zu minimieren. 

Wer ist schuld an der Einschleppung?

„Es sind vor allem die Menschen, die einer Seuchenverbreitung Vorschub leisten“, betonte Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner auf der Home Page des Bundeslandwirtschaftsministeriums (BMEL). Unachtsam entsorgte kontaminierte Lebensmittel, so das BMEL, waren mit großer Wahrscheinlichkeit die Ursache für die Verbreitung in vielen Gebieten. Sie sind über weite Distanzen die Hauptinfektionsquelle für Wildschweine. Die Einschleppung der ASP nach Deutschland würde neben den Auswirkungen auf die Tiere auch dramatische wirtschaftliche Folgen haben, heißt es weiter aus dem BMEL. Kritisch sieht das Ministerium vor allem die Einschleppung in die Wildschweinpopulation, weil hier die Möglichkeit der Seuchenbekämpfung begrenzt ist.

Zeitbombe Güterverkehr

Tag für Tag rollen Tausende von LKW durch ganz Europa und können so den Erreger theoretisch mit 90km/h weiter verbreiten. Sie kommen oft aus dem Baltikum, aus Rumänien und Bulgarien, also den hochgradig verseuchten Schweinepest-Regionen und fahren quer durch Europa, auch durch Deutschland. Es besteht der unbestätigte Verdacht, dass der ASP Erreger so nach Belgien gelangt ist. Die Bundesregierung hat eine Aufklärungskampagne an den Autobahn-Raststätten gestartet, viele regionale Behörden informieren ebenso. Trotzdem kann nicht gewährleistet werden, dass die Einschleppung des ASP Virus so verhindert werden kann.



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