Bayerischer Jagdverband e.V. - staatlich anerkannter Naturschutzverband

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Untersuchung zum Auftreten von Sikawild in Bayern hat begonnen

Neben dem einheimischen Rotwild finden sich in Mitteleuropa verschiedene Vorkommen des (vor allem im 19. und 20. Jahrhundert angesiedelten) Sikawildes. Das Sikawild wird im Bundesjagdgesetz als eigene Wildart aufgeführt. Untersuchungen der letzten Jahrzehnte zeigen aber, dass Sikawild zur gleichen biologischen Art wie das Rotwild gehört, also im Grunde eine Unterart des Rothirsches bildet. Dies lässt sich vor allem daraus ableiten, dass Sikawild und Rotwild dort, wo sie gemeinsam vorkommen, sich durchaus paaren und auch fruchtbare Nachkommen erzeugen können.

Woran es genau liegt, dass in bestimmten Regionen Europas, etwa in Irland, es in viel intensiverem Umfang zu Kreuzungen kommt als beispielsweise in Deutschland, ist noch nicht definitiv klar. Am ehesten spielt dabei die Sozialstruktur innerhalb der jeweiligen Unterart eine Rolle. Bei jeweils intakter Sozialstruktur zumindest einer der beiden Subspecies kommt es aufgrund des unterschiedlichen Brunftverhaltens offenbar deutlich seltener oder gar nicht zu Hybridisation.
In Bayern bestehen zwar keine nennenswerten Sikavorkommen, doch findet sich eine größere Population von einigen tausend Individuen im Westen Böhmens, im Raum Karlsbad. Seit einigen Jahren wird nun in Bayern zunehmend von der Erlegung von Sikawild berichtet, wobei sich ein Schwerpunkt in den östlichen Landesteilen, insbesondere in der Oberpfalz, zeigt. Es ist wahrscheinlich, dass es sich dabei um Zuwanderungen aus dem Sikawildbestand im Raum Karlsbad handelt.

Um dieses Phänomen rechtzeitig in seinen Auswirkungen und möglichen Risiken beurteilen zu können, wurde auf Initiative des BJV ein Forschungsprojekt ins Leben gerufen, welches untersuchen will,

  a) in welchem Ausmaß eine solche Zuwanderung tatsächlich stattfindet
  b) ob sich in Bayern bereits Hinweise auf eine Hybridisation zwischen Rot- und Sikawild finden
  c) welche Konsequenzen ökologischer Art eine solche Zuwanderung für das einheimische Rotwild hat

Auf der Grundlage dieser Resultate sollen erste praktische Handlungsempfehlungen für die Zukunft erarbeitet und der Bayerischen Jägerschaft zur Verfügung gestellt werden.

Wie können Jäger mitwirken?

Um einen Überblick zu bekommen, anhand welcher äußerlichen Merkmale Sikawild oder Hybriden anzusprechen sind, sollen zunächst solche Merkmale durch Fotos am erlegten Stück dokumentiert werden.

Jeder Jäger, der ein Stück Sikawild oder ein Stück Rotwild erlegt, welches ihm äußerlich „verdächtig“ vorkommt, etwa aufgrund vergleichsweise kurzer, gering vereckter Geweihstangen, Leitergeweih, kurzem Haupt, oder Punkten auf der Decke, sollte daher vom gesamten Stück, sowie vom Haupt von links, rechts und vorne Fotos aufnehmen, idealerweise mit einem Maßstab (Zigarettenschachtel etc.) im Bild. Die Fotos können per E-Mail oder per Post an die Technische Universität Dresden geschickt werden.

Hilfreich, aber nicht zwingend erforderlich wäre es, wenn der abgekochte Schädel mit Unterkiefer, auch von weiblichen Stücken, für Vermessungen zu Verfügung gestellt würde.
Die morphologischen Daten sollen durch sog. molekulare Marker ergänzt werden. Für diese aufwendige Labormethode ist es wichtig, von jedem „untypisch aussehendem“ erlegten Stück Rotwild und jedem als solches angesprochenen Stück Sikawild ein Stück Muskulatur (etwa wal­nuss­groß, zum Beispiel aus dem Herz) zu entnehmen und in einem Gefrierbeutel einzufrieren. In diesem Beutel muss zwecks Zuordnung der Probe auch ein mit Bleistift (!) ausgefüllter Begleitzettel (PDF-Datei) mit eingefroren werden. Die Proben werden Anfang 2017 von Mitarbeitern der Technischen Universität Dresden abgeholt.

In jedem Revier, in dem ein Stück Sikawild oder ein fragliches Stück erlegt wurden, soll zusätzlich in gleicher Weise von einem oder zwei Stück Rotwild eine Probe entnommen und eingefroren werden.

Auf diese Weise sollen aus Ostbayern, also vom Vogtland bzw. Fichtelgebirge über den Oberpfälzer Wald bis zum Bayrischen Wald von möglichst allen erlegten, als Sikawild oder als suspekt eingestuften Stücken Muskelproben für eine molekulargenetische Analyse gewonnen werden.

Ziel dieser Untersuchungen ist es, einerseits die Zuwanderung zu erfassen. Gleichzeitig soll untersucht werden, ob und ggf. in welchem Ausmaß es zu Hybridbildung zwischen Rotwild und Sikawild in dieser Region kommt.

Dazu dienen auch die Proben des „reinen“ Rotwildes: sie sollen helfen, eventuelle Einkreuzungen in früherer Zeit, welche äußerlich nicht mehr erkennbar sind, zu erfassen.

Die Ergebnisse sollen aber nicht nur die Frage beantworten, ob und in welchem Ausmaß es zur Einwanderung von Sikawild nach Bayern kommt, und ob und ggf. unter welchen Bedingungen dabei Kreuzungen mit einheimischem Rotwild entstehen.
Um möglichst zeitnah Schlussfolgerungen für die Praxis zu ziehen, werden wir auch Empfehlungen für den zukünftigen Umgang mit Rot- und Sikawild in der Region erarbeiten.

Diese Empfehlungen werden nach Abschluss der Untersuchungen unter anderem auch in einem Praxisleitfaden für Jäger zusammengefasst werden.
Unabhängig davon werden die Reviere, die sich an der Untersuchung durch Bereitstellung von Untersuchungsmaterial beteiligen, aktiv über die laufenden Untersuchungen und vor allem über die Ergebnisse zu den untersuchten Stücken informiert.

» Begleitformular zur Gewebeprobe als PDF-Datei


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