Bayerischer Jagdverband e.V. - staatlich anerkannter Naturschutzverband

Markgraf Carl Wilhelm Friedrich von Brandenburg-Ansbach und seine Rolle in der Geschichte der Falknerei. Ein – leicht verspätetes - Geburtstagsgeschenk

Dr. Dr. Sigrid Schwenk, Lehrbeauftragte der Universität für Bodenkultur, Wien

Wenn einem die Ehre widerfährt, im fränkischen Raum bei einer jagdlichen Festveranstaltung zur Geschichte der Falknerei sprechen zu dürfen und auch einen Beitrag für die aus diesem Anlass erscheinende Festschrift zu schreiben, gibt es nur ein Zielobjekt, eine Persönlichkeit der Wahl: Markgraf Carl Wilhelm Friedrich von Brandenburg-Ansbach, der „Wilde Markgraf“, dem es gelungen ist, nicht nur fränkische Geschichte zu schreiben und sich einen Platz ganz oben in der Geschichte der deutschen Falknerei zu sichern, sondern der jetzt – 300 Jahre nach seiner Geburt – dabei ist, sich Weltgeltung auf dem Gebiet der Falknerei zu erobern.

Und so sei auch dieser Beitrag ganz dem im Volksmund oft „Wilder Markgraf“, unter fränkischen Wissenschaftlern liebevoll kurz „CWF“ genannten Markgraf Carl Wilhelm Friedrich von Brandenburg–Ansbach gewidmet, dessen Geburtstag sich am 12. Mai 2012 zum 300. Mal jährte.

Markgraf Carl Wilhelm Friedrich von Brandenburg-Ansbach; Quelle: Markgrafenmuseum Ansbach

Vor über 1300 Jahren begannen Jagd und Falknerei im adeligen Leben unseres Kulturkreises eine zentrale Rolle zu spielen – sowohl bei den Adeligen im weltlichen als auch im geistlichen Stande. Dies blieb so in Frankreich bis zur Französischen Revolution von 1789, im deutschsprachigen Raum bis zur 1848er Revolution, in denen jeweils das Jagdprivileg des Adels abgeschafft wurde. Doch bis zu diesen Ereignissen boten Jagd und Falknerei dem Herrscher Möglichkeit, seine Macht und sein Organisationsvermögen zu zeigen und gleichzeitig aus dem oft strengen oder einengenden Zeremoniell des Hofes zu entrinnen, Entspannung und Vergnügen in der Natur zu finden.

Jagdliches und vor allem auch falknerisches Tun bedeutete Freizeit, Muße, Abstand von bisweilen lästigen Amtsgeschäften, vergnüglicher Aufenthalt im Freien unter Gleichgesinnten, seltener auch Rückzug ins „Private“, in die Einsamkeit, bisweilen Flucht vor der aus Staatsraison geheirateten ungeliebten Ehefrau. Bei denen, die das Glück hatten, am oberen Ende der sozialen Leiter zu stehen, wurde im 18. Jahrhundert das Dasein durch ein „barockes Lebensgefühl“ bestimmt: Hochgeschwellte Lust am Leben, an den Künsten, an Erfindungen, an allem, was das Leben angenehm und reizvoll machte; bisweilen schon Gier danach, das Leben mit Farbe, mit Abwechslung, mit Kunst, mit gutem Essen und vor allem mit Vergnügungen zu füllen. Und für den Adel, speziell für den hohen Adel, die Landesherrn, gehörte hierzu in vorderster Linie die Jagd, die Jagd und speziell die Falknerei als herrschaftliches Vergnügen, als hohe Kunst und große Lust: „De arte venandi cum avibus“ –„Von der Kunst, mit Vögeln zu jagen“ - betitelte Kaiser Friedrich II. von Hohenstaufen in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts sein grundlegendes Werk zur Falknerei, das bis in die Gegenwart hinein die „Bibel der Falkner“ bildet – und ganz eng mit dem Leben und Wirken von Markgraf Carl Wilhelm Friedrich von Brandenburg-Ansbach verbunden ist. Aus heutiger Sicht, aus einer Zeit heraus, in der die Falknerei gesamtgesellschaftlich als eher marginal und unbedeutend eingestuft werden muss, ist faszinierend zu sehen, welch herausragende Position die Falknerei in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts an einer Reihe von adeligen Höfen im deutschsprachigen Gebiet eingenommen hat: Erinnert sei etwa an den österreichischen Kaiser Josef I., der von 1705 bis 1711 regierte, und an seinen Nachfolger, Kaiser Karl VI. (Regierungszeit 1711 – 1740), dessen Schaubeizen im Park des Schlosses Laxenburg vor Wien berühmt waren. Oder an Kurfürst Clemens August, den Fürstbischof von Köln (Regierungszeit 1723 – 1761), einen Wittelsbacher, der in seinen Jagdrevieren rings um Schloss Brühl hervorragende Falknerei bot: Bei ihm war es wohl sein Wittelsbacher Erbe, das ihm diese Lust an der Beizjagd mitgegeben hatte.

Doch intensiver als alle anderen pflegte Markgraf Carl Wilhelm Friedrich von Brandenburg-Ansbach die Leidenschaft der Falknerei. Nachweislich wurde an keinem anderen Hof so viel Geld für die Falknerei ausgegeben wie am Ansbachischen Hof. Gleich nach seinem Regierungsantritt 1729 fing der 27jährige Markgraf an, sich ein falknerisches Umfeld nach seinen persönlichen Vorstellungen zu schaffen:

1730 beauftragte er seinen Baumeister Carl Friedrich von Zocha damit, ein Falken- und Reiherhaus in Triesdorf bei Ansbach zu errichten, das 1731 von dessen Nachfolger Leopold Retty fertig gestellt wurde. Zugleich begann er, das bestehende Falknercorps aufzustocken, worüber wir so hervorragend Bescheid wissen, weil auf des Markgrafen Veranlassung hin, seinem Sinn für das Archivarische entsprechend, ab 1737 jährlich ein „Hoch-Fürstlich Brandenburg-Onoltzbachischer Adress- und Schreib-Calender“ (Onoltzbach ist der alte Name für Ansbach) erschien, der später den Titel „Hochfürstlicher Brandenburg-Onolzbachischer und Culmbachischer Genealogischer Calender und Addresse-Buch“ erhielt, in dem alle zum Hof gehörenden Personen namentlich mit ihren Dienstbezeichnungen aufgeführt wurden. So ist es möglich, die Mitglieder des Falknercorps namentlich über ihre gesamte Dienstzeit zu verfolgen. Bei der Regierungsübernahme durch Carl Wilhelm Friedrich bestand das Falknercorps aus etwa neun Personen, 1737 aus 18 Personen und auf dem Höhepunkt 1750 aus 51 Personen. Das Falknercorps war in vier Gruppen gegliedert (später kam dann noch eine fünfte dazu), eine Struktur, an der sich modellhaft zeigen lässt, was unter „Falknerei“ zu verstehen ist, wie sie im 18. Jahrhundert optimal ausgerichtet und mit dem Hof verwoben war. Die erste Gruppe bestand aus Hofämtern, die dem Adel vorbehalten waren, in Ansbach in der Regel drei bis fünf Hofbeamte: der Obristfalkenmeister, der Kammerjunker und Falkenmeister, ein Hof- und Falkenjunker (seit 1746), dazu ein bis zwei Falkenpagen – das waren die Adeligen. Dahinter rangierten als zweite Gruppe die Chargen, die aus falknereigeschichtlicher Sicht besondere Bedeutung hatten: Sie waren die hochqualifizierten Spezialisten, sie prägten das Bild der Ansbacher Falknerei. Hier gab es acht Chargen, zunächst (in der Reihenfolge ihres Ranges) den Falkensekretarius, dann den Falkenmeister, den Reihermeister, den Milanmeister, den Krähenmeister, den Meisterknecht, den Leibfalkonier, der dem Markgrafen besonders nahe stand, und letztlich den Falkenmaler. Ansbach leistete sich einen eigenen Maler für die Falknerei – dies ein besonderes Zeichen für das Ansehen und die hohe Position dieses Bereichs am markgräflichen Hof. Bemerkenswert ist, dass neben dem Falkensekretarius und dem Falkenmeister reine Spezialisten am Werk waren, entsprechend dem Wild, auf das vor allen Dingen gebeizt wurde: Der Reihermeister für die Reiher, der Milanmeister für die Milane, der Krähenmeister für die Krähen.

An anderen Höfen kam übrigens meist noch – was es in Ansbach nicht gab – eine Revierpartei auf Wildenten und Wasservögeln dazu. Carl Wilhelm Friedrich hatte offensichtlich nicht so viel Interesse an den Wildenten und Wasservögeln, dass er dafür eine eigene Charge eingestellt hätte. Die dritte Gruppe, die Falkonierknechte, neun bis sechzehn, meist rund fünfzehn an der Zahl, waren diejenigen, die unter den Meistern oder Meisterknechten standen und als Berufsfalkner nun wirklich die Falknerei praktisch auszuüben hatten. Zur Pflege des Nachwuchses richtete Carl Wilhelm Friedrich 1741 eine vierte Gruppe ein, die Gruppe der Falkonierjungen, die mit zwölf Personen begann (das erste Mal erschienen im „Address- und Schreib-Calender“ 1742 die Namen dieser Falkonierjungen), 1750 mit zwanzig Personen ihren Höchststand aufwies und im Todesjahr Carl Wilhelm Friedrichs 1757 immerhin noch aus sechzehn Personen bestand. Damit war sie bis zum Tod des Markgrafen die numerisch stärkste Gruppe des Falknercorps. All dies zeigt, dass Carl Wilhelm Friedrich ganz systematisch versuchte, sein eigenes Falknercorps, und zwar ein vorwiegend fränkisches oder ansbachisches, heranzubilden. Denn als er begann, sein Falknercorps aufzubauen, wollte er natürlich die besten Falkner haben. Die besten Falkner in der damaligen Zeit waren die Flamen, und so hatte er sehr viele Flamen nach Ansbach geholt, die in der Folgezeit das Bild der Ansbacher Falknerei prägten. Später aber versuchte er, dieses Corps zu einem stärker fränkischen Corps umzugestalten, indem er bei den Falkonierjungen nur fränkische Landeskinder hinzu ließ und daneben nur Kinder von bereits in seinen Diensten stehenden flämischen Falknern hereinnahm. Als fünfte Gruppe kamen ab 1755 die pensionsberechtigten Emeriti dazu, anfangs drei an der Zahl: ein Reihermeister, ein Krähenmeister und ein Meisterknecht. Die Strukturierung der Falknerei zeigt an, wie sehr Carl Wilhelm Friedrich an einem genau in seine Zeit passenden absolut systematischen administrativen Aufbau seines Falknercorps lag. Dabei ist nicht zu vergessen, dass in Spitzenzeiten zu den 51 Falknern des Falknercorps noch rund 130 Mitglieder des Jägercorps kamen, und dies macht auch verständlich, dass viel von dem Aufwand, der für die Jagd und die Falknerei getrieben wurde, in die Kosten des dabei beschäftigten Personals ging. Bei der Falknerei betraf mehr als die Hälfte aller Ausgaben das Personal, und zwar vor allen Dingen die Besoldung, die Verköstigung, die Kleidung und die Ausstattung des Personals. Aus Bildern, besonders auch aus dem berühmten Bild des Hofmalers Christoph Anton Hirsch („Ansbachischer Falkenjunge mit zwölf Gerfalken auf der Cage“, um 1750) ist bekannt, wie die Uniform für die Falkner aussah: ein lichtblauer Rock mit roten Aufschlägen, kanariengelbe Beinkleider, weiße Gamaschen und ein schwarzer Dreispitz. Dies alles war natürlich nicht gerade billig: Die Kosten für das Falknercorps beliefen sich in der Periode 1730 bis 1747, also in achtzehn Jahren, auf 452.855 Gulden und 30 ½ Kreuzer – die gute Hälfte davon – wie oben ausgeführt – für das Personal und 1/5 für den Kauf und Unterhalt der Beizvögel.

Dass wir eine so genaue Übersicht über die aufgewandten Kosten haben, ist aus historischer Sicht ein Glücksfall, aber dass wir darüber hinaus genau wissen, was Carl Wilhelm Friedrich von Brandenburg während eines Vierteljahrhunderts im einzelnen erbeizt hat, grenzt fast ans Wunderbare – und ist aus heutiger Sicht schwer nachzuvollziehen. Er, der in seiner Regierungszeit so vieles veranlasste und durchführte (man denke nur an seine Verwaltungsreformen oder an seine intensive Bautätigkeit), der die fränkische Politik seiner Epoche prägend mitbestimmte, der daneben offensichtlich noch viel Zeit in sein Liebes- und auch in sein Familienleben steckte, er erbeizte zwischen 1730 und 1755, das heißt in sechsundzwanzig Berichtsjahren, 34 429 Stück Wild.

Markgräflicher Falkner; Quelle: Markgrafenmuseum Ansbach

Zu unserem Glück hat sich nämlich eine „TABELL wie viel Stuck Ihro Hochfürstl. Durchl. HERR Carl Wilhelm Friederich Marggraf zu Brandenburg=Onolzbach etc. gebaizt haben von Anno 1730 bis letzten Decembris 1755“ erhalten. Darin sind akribisch verzeichnet 34 429 Stück Wild – dies ergibt rechnerisch eine mittlere Jahresstrecke von ziemlich genau 1 324 Stück. Davon waren rund 43% Feldhühner (das heißt Rebhühner) und Wachteln, wobei die Feld- oder Rebhühner den größten Teil ausmachten, 19% Raben- und Saatkrähen, Elstern und Dohlen, 15% Hasen, 12% Reiher, 5,5 % Milane und Weihen, und nur knapp 3% Fasane. Die Wildenten, die Carl Wilhelm Friedrich anscheinend wenig reizten, machten rund 1% aus und das übrige Gelegenheitswild knapp 2%.

Diese Tabelle ist in ihrer Genauigkeit ein einmaliges Zeugnis von der Beizleistung eines Markgrafen in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Voraussetzung für diese beeindruckende falknerische Glanzleistung waren nicht zuletzt die Gegend um Triesdorf mit ihrem reichen Wildvorkommen, die Zucht von Reihern im Reihergarten sowie last but not least das hervorragend ausgebildete und organisierte sowie äußerst passioniert agierende Falknercorps. Das Organisationssystem der Falknerei sowie der dokumentierte Beizerfolg lassen uns die Bedeutung der Falknerei in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts erspüren – aber auf lange Sicht noch bedeutender und einzigartig war das, was Carl Wilhelm Friedrich von Brandenburg-Ansbach nicht auf der praktischen Seite der Falknerei, sondern im kulturellen Bereich, und hier vor allem im Literarischen, angeregt und in die Wege geleitet hat. In der ersten Aufbauphase des Ansbacher Falknercorps, wahrscheinlich in den Jahren zwischen 1735 und 1739, entstand ein Werk aus der Feder des angesehenen, aus Heilsbronn gebürtigen Ansbacher Juristen und Verwaltungsbeamten Johann Salomon Schülin mit dem Titel: „Von der Fauconnerie. …“ Diese nur als Handschrift überlieferte Abhandlung ist eine umfangreiche Arbeit, in der Schülin alles Mögliche, das er zur Falknerei fand, zusammenfasste.

Weitaus interessanter für die Kenntnis der in Triesdorf gepflegten Kunst der Falknerei ist eine heute unter dem Namen „Ansbacher Beizbüchlein“ bekannte Abhandlung, die ebenfalls nur in einer einzigen, um 1798 gefertigten Abschrift (66 Blätter im Folioformat, geschrieben von einer etwas ungelenken Hand, in blaugemustertem Pappband des 18. Jahrhunderts, ohne Vermerk eines Vorbesitzers in der Handschrift, wohl nicht zur Veröffentlichung oder zur Präsentation bei einem Landesherrn bestimmt) erhalten ist. Der Verfasser ist namentlich nicht bekannt, das Original dürfte wohl zwischen 1743 und 1757, dem Todesjahr von Carl Wilhelm Friedrich, entstanden und als Lehrbuch für das Triesdorfer Falknercorps gedacht gewesen sein.

Dass Markgraf Carl Wilhelm Friedrich die Kunst in seiner Umgebung oft mit Falknereimotiven bereichert hat, ist wichtig, aber nicht so einzigartig, denn auch bei anderen falknereiliebenden Herrschern finden sich häufig Falkenmotive. Doch einzigartig an Carl Wilhelm Friedrich ist, dass er sich so sehr mit der Geschichte der Falknerei beschäftigte und auch seine Untertanen an diesem seinem „Steckenpferd“ teilnehmen lassen wollte – nicht immer zur Freude seiner Untertanen.

So stieß seine Idee, die Bevölkerung dadurch mit der Falknerei vertraut zu machen, dass er in den „Wochentlichen Onolzbachischen Nachrichten“ vom 11. Mai 1740 bis zum 28. Dezember 1741, also immer hin über knapp 1 ¾ Jahre, eine Geschichte der Falknerei – „Historische Anmerckungen von der edlen Falcknerey“ – in Fortsetzungen abdrucken ließ, nicht auf große Gegenliebe. Man stelle sich einmal leibhaftig vor: Die Ansbacher Bürger, die nun eh schon unter der Falknereibesessenheit ihres Markgrafen zu leiden hatten, indem sie hohe Steuern zahlen mussten und sich dabei natürlich ausrechnen konnten, wohin das Geld zum großen Teil floss, hatten – statt sich ausführlich über den alltäglichen Klatsch und Tratsch informieren zu können – in ihrer Wochenzeitung Falknereigeschichte zu lesen!

Die „Historischen Anmerckungen von der edlen Falcknerey“ wurden im Auftrag des Markgrafen von seinem zweiten Schlossbibliothekar, Gottlieb Paul Christ, verfasst. Dieser, in Coburg geboren, studierte in Halle Jurisprudenz, lebte dann als Begleiter eines jüngeren Sohnes des ansbachischen ersten Ministers und Geheimen Ratspräsidenten Freiherrn von Seckendorff auf seiner Kavalierstour in London, Oxford und Paris, war also hochgebildet, als ihn der Markgraf zum Schlossbibliothekar bestellte. So wies er in seinen „Historischen Anmerckungen“ auch darauf hin, dass es ein Falkenbuch „De arte venandi cum avibus“ des Kaisers Friedrich II. von Hohenstaufen gäbe und dass diese lateinische Handschrift 1596 in einer „editio princeps“, d.h. in einer ersten Druckausgabe in einer Humanistenoffizin in Augsburg erschienen sei. Carl Wilhelm Friedrich von Brandenburg-Ansbach müsste nicht die wissensdurstige, zupackende Persönlichkeit und der passionierte Falkner gewesen sein, wenn er sich nicht sofort in seiner Umgebung umgeschaut hätte, wer die „Kavaliersarbeit“ der Übersetzung des lateinischen Textes ins Deutsche erledigen könnte.

Sein „Opfer“ fand er in Johann Erhard Pacius, der – in der Nähe von Rothenburg geboren – in Altdorf und Jena studiert hatte, dann Hauslehrer und schließlich Rektor der Schule und Spitalprediger in Gunzenhausen wurde.

Riedinger Stich "Faconier den Falcken abhaubend" aus "Die edle Jagdbarkeit - 1729" von Johann Elias Riedinger

Dieser arme Johann Erhard Pacius wurde von Carl Wilhelm Friedrich im wahrsten Sinn des Woprtes „verdonnert“, Kaiser Friedrichs II. von Hohenstaufen „De arte venandi cum avibus“ zu übersetzen und ihm vorzulegen. Pacius beklagte sich heftig in der Vorrede zu seiner 1756 in Onolzbach unter dem Titel „Friederich des Zweyten Römischen Kaisers übrige Stück der Bücher Von der Kunst zu Beitzen, Nebst den Zusätzen des Königs Manfredus aus der Handschrift herausgegeben. Albertus Magnus Von den Falcken und Habichten“ erschienenen Übersetzung, dass er sehr wohl Predigten in Latein verfassen könnte und dies auch gern täte, dass diese Übersetzung aber eine fürchterliche Sache gewesen sei. Er verstünde zwar sehr gut Latein, aber er verstünde nichts von der Falknerei, und damit der deutsche Text nicht „lateinischer“ (das heißt: unverständlicher) als die lateinische Vorlage würde, wäre er hinaus gegangen zu den Falknern und hätte sich erklären lassen, wie sie alle diese Dinge fachmännisch bezeichneten, in der Hoffnung, letztendlich doch ein verständliches Buch vorlegen zu können. Dies hat der brave Pacius auch wirklich zu Stande gebracht: Noch heute verwenden eine große Zahl von Falknern den „Pacius“ – die erste deutsche Übersetzung der „Falknerbibel“ Friedrichs II. von Hohenstaufen – als Lehrbuch, allerdings nicht in einem heute sündhaft teueren und so gut wie nicht mehr zu erwerbenden Original, sondern in einem vom „Deutschen Falkenorden“ 1994 herausgegebenen Reprint. In den letzten Jahren hat die von Markgraf Carl Wilhelm Friedrich von Brandenburg-Ansbach veranlasste deutsche Übersetzung von Friedrichs II. „De arte venandi cum avibus“ nochmals eine besondere Rolle in der Geschichte der Jagd und der Falknerei bekommen: Ist sie doch ein gewichtiger Faktor bei der Anerkennung der Falknerei als „Immaterielles Weltkulturerbe der UNESCO“, wie sie derzeit im deutschsprachigen Raum von Österreich mit großem Erfolg betrieben wird. Dies heißt, dass nun der fränkische Markgraf mit seiner großen Liebe zur Falknerei (und zur Jagd) Weltgeltung in der Geschichte der Jagd und der Falknerei erhält - eine Ehre, die Carl Wilhelm Friedrich von Brandenburg-Ansbach sicher mit Freuden und als willkommenes Geschenk zur 300. Wiederkehr seines Geburtstags annehmen würde.


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