Bayerischer Jagdverband e.V. - staatlich anerkannter Naturschutzverband

Falknerei - eine „moderne“ Jagdart

Egbert Urbach, Leiter der BJV-Landesjagdschule

Wer glaubt, dass die Falknerei heute nur noch ein Relikt aus vergangenen Zeiten ist, der irrt. Die Falknerei hat in den letzten Jahren einen Aufschwung genommen, der sicher nicht nur mit der Faszination, die von unseren Greifvögeln ausgeht, erklärt werden kann. Sicher, die Beizjagd mit dem Adler, Habicht oder Falken ist Naturerlebnis pur, dient aber oft auch einem bestimmten Zweck. Natürlich kommt man mit der Schusswaffe z. T. schneller zum Erfolg, aber die Freude einen Greifvogel abzutragen, einzujagen und die rasanten Jagdflüge zu verfolgen, in denen man als Falkner nur die zweite Geige spielt, machen dies bei weitem wieder wett. In Bereichen, wo sonst nicht gejagt werden kann, sind oft die Falkner mit ihren Vögeln das Mittel der Wahl um Überpopulationen von Kaninchen, Tauben, Gänsen, Krähen oder Kormoranen nicht nur zu bejagen, sondern auch nachhaltig zu vergrämen. Wenn an neuralgischen Punkten wie in Parks, Schwimmbädern, Industrieanlagen oder Friedhöfen regelmäßig Beizvögel eingesetzt werden, so lernen die unerwünschten Tierarten diese zu meiden.

Gerade bei Vogelarten funktioniert dies recht gut. Auch die effektive Bejagung von Krähe und Kaninchen ist mit Falke, Habicht und Co. durchaus gängige Praxis. Bei der nachhaltigen Bejagung von Niederwildarten wie z. B. Ente, Fasan und Hase, hat die Jagd mit dem Greif ebenfalls einen positiven Aspekt. Als Nahrungsopportunist schlägt er stets zuerst die Beute, welche er mit dem geringsten Energieaufwand erlangen kann. Dies sind im allgemeinen Tiere, die durch Krankheit oder aus anderen Gründen gehandicapt sind. Die Beizjagd ist daher eine sehr selektive Art zu jagen. Falknerei ist also nicht nur eine Jagdart für Individualisten, sondern kann durchaus mit effektivem Nutzen für die Allgemeinheit verbunden sein. … und noch ein Aspekt speziell für das fränkische Gebiet: Wer trinkt nicht gern einen guten Schoppen aus den fränkischen Weinbergen? Trotz der Verdrahtungen zwischen den Rebstöcken ist es unter bestimmten Voraussetzungen durchaus möglich, mit kleineren Greifvogelarten die ungeliebten Starenschwärme zu vergrämen.


↑ nach oben ↑