Bayerischer Jagdverband e.V. - staatlich anerkannter Naturschutzverband

Wildtiere im Wintermodus

Notzeit: Reh- und Rotwildwildfütterungen reduzieren Verbiss – BJV fordert, Wildtiere in Notzeit nicht (ver)hungern zu lassen

Videobeitrag: Wildtiere im Wintermodus

Für uns Menschen traumhaftes Wetter, warten doch geheizte Öfen und gut gefüllte Kühlschränke auf uns. Für die Wildtiere jedoch können solchen Witterungsverhältnisse schnell zur Notzeit werden.

Prof. Dr. Jürgen Vocke, Präsident des Bayerischen Jagdverbandes:
„Der Begriff der Notzeit ist natürlich historisch bedingt. D.h., war früher zu Recht auch bei den Menschen verbunden mit Hungern. Und da hat man eben auch gedacht, Notzeit ist für die Wildtiere auch nur, wenn sie tatsächlich hungern. Da hat sich heute auch vom Tierschutzgedanken wieder vieles geändert. Wir verstehen heute da drunter, also wenn draußen die Witterung und auch die Jahreszeit den Wildtieren kaum noch natürliche Äsung lässt.“

Aus der Bürostube heraus lässt sich das oft nicht beurteilen.

Prof. Dr. Jürgen Vocke, Präsident des Bayerischen Jagdverbandes:
„Ich finde das von Behördenvertretern – ich komm’ ja selbst aus dem Stall des Staates – aber schon keck, echt keck, wenn einer, der im warmen Stübchen sitzt und hinter seinem Computer, wenn der vorgibt, ob draußen die Wildtiere jetzt eine Notzeit haben oder nicht. Sondern das sollte man schon denen überlassen, die tatsächlich ausgebildet und auch draußen mit den Wildtieren ständig zusammen sind. Das muss man vor Ort entscheiden, das sollte man nicht nur ex cathedra aus dem Büro raus, aus den Landratsämtern, sondern in Zusammenarbeit mit dem Jagdberater und vor allen Dingen den betroffenen Revierinhabern sagen: Brauchen wir jetzt eine Unterstützung für die Wildtiere oder brauchen wir sie nicht.“

Das kann regional sehr unterschiedlich sein.

Prof. Dr. Jürgen Vocke, Präsident des Bayerischen Jagdverbandes:
„Ich komme ja aus dem großstadtnahen Bereich – da meinen viele, sie müssten den Wildtieren draußen alles geben, was sie nicht abends auffuttern, quasi dass das natürliche Müllschlucker sind. Das kann dann zur Not dieser Wildtiere führen, d.h. zu Krankheiten bis zum Todesfall. Wenn Falsches denen vorgelegt wird. Also wenn man denen die Wurschtsemmeln hinlegt und dann auch Brezen voller Salz und und und. Also klipp und klar: Das Füttern sollte man nur den Jägern überlassen, so gut und nett, wie’s gemeint ist, aber bitte keinesfalls den Spaziergängern!“

Doch sie alle – Spaziergänger, Hundehalter und Wintersportler – können etwas tun. Deshalb an sie die Bitte:

Prof. Dr. Jürgen Vocke, Präsident des Bayerischen Jagdverbandes:
„Ja, ich muss sogar noch ergänzen: auch an die Jäger, also es geht auch um die Glaubwürdigkeit, d.h. eben darauf Rücksicht nehmen, dass insbesondere die Schalenwildarten, dass die jetzt in dieser Jahreszeit die Körpertemperatur runterfahren, die Pansen, sprich ‚die Mägen’, sich reduzieren, wenig Äsung vom Grundsatz her nur aufnehmen. Wenn da aber laufend auch in die Ruhezonen der Wildtiere, da wo sie sich hin zurückgezogen haben, freilaufende Hunde rumlaufen – das merken oft die Spaziergänger gar nicht, was ihr Pluto macht. Oder eben Skifahrern ist es oft zu langweilig auf der Piste zu fahren, lieber ein bisschen raus in die freie Natur - auch wenn sie oft Tierschützer sind, aber sie überlegen nicht, welche Konsequenzen das für die Wildtiere hat, sie werden aufgescheucht. Dann haben die Tiere Not, weil sie sehr viel verbrauchen von den Energien, die sie eben gerade im Winter brauchen, wenn sie kaum Äsung finden. Das bedeutet auf Deutsch: Bitte bleibt auf den Wegen und wenn man auch halbwegs das Gefühl hat‚ hier ist eine Dickung, wo der Hund es ganz interessant findet’, bindet den Hund an!“

Die Jäger sollten hier selbst ein gutes Vorbild abgeben. Denn wie kann man von der Bevölkerung erwarten, dass sie ihre Hunde an die Leine nimmt, wenn man jetzt in dieser schwierigen Jahreszeit mit großen Hundemeuten auf die Jagd geht?

Prof. Dr. Jürgen Vocke, Präsident des Bayerischen Jagdverbandes:
„Zwar für die Sauen, aber in Wirklichkeit werden genauso dann die Rehe und wenn Rotwild da ist, auch das Rotwild aufgescheucht. Also da ganz klar die Vorgabe: Bis spätestens 31. Dezember sollte man mit diesen Jagdarten fertig sein. Denn auch vor Jagdhunden haben die Rehe und Hirsche Angst!“

Vorbild hier könnte unser Nachbarland Österreich sein. Dort endet die Jagdzeit für das Schalenwild per Gesetz am 31. Dezember.

Prof. Dr. Jürgen Vocke, Präsident des Bayerischen Jagdverbandes:
„Und wenn man das weiß, dass das so ist, dann stellt man auch seine ganze Jagdpraxis darauf ab und wartet nicht und sagt: Och, da hab ich ja nochmal ein bisschen Zeit. Und auf einmal ist der Januar da. Sondern wenn man rechtzeitig, d.h. sofort beginnt, wenn die Jagd aufgeht, und so schnell und so früh wie möglich das erledigt,“

Käme kein Jäger in die Bredouille, wenn das Schalenwild auch bei uns mit der Jahreswende ganz offiziell seine Ruhe hätte.

Prof. Dr. Jürgen Vocke, Präsident des Bayerischen Jagdverbandes:
„Hier meine ich, unter dem Gesichtspunkt des Tierschutzes müssen wir ernsthaft darüber nachdenken, unsere Glaubwürdigkeit steht hier auf dem Spiel, ob wir nicht auch die österreichische Lösung übernehmen: 31.12. Hahn in Ruh!“


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