Bayerischer Jagdverband e.V. - staatlich anerkannter Naturschutzverband

Notzeitfütterung 2017

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Notzeitfütterung

Der Winter rückt an. Im Rahmen ihrer Hegepflicht sind Grundeigentümer und Jagdpächter zur Fütterung der Wildtiere verpflichtet, wenn Notzeit ist.

Prof. Dr. Jürgen Vocke, Präsident des Bayerischen Jagdverbandes:
„Wenn eben die Wildtiere – ich spreche hier primär vom Rehwild – wenn das Rehwild artgerecht draußen – sei es in der freien Landschaft alles abgeerntet, keine Hecken, nichts da, keine Bodenflora - wenn sie da nichts mehr finden. Oder wenn das Grünland über Wochen zugeodelt worden ist und es hat längere Zeit nicht geregnet.“

Auch dann finden die Tiere draußen nichts und man muss zu ungewöhnlicher Jahreszeit artgerecht zufüttern.

Prof. Dr. Jürgen Vocke, Präsident des Bayerischen Jagdverbandes:
„Aber eben nur zufüttern! Nicht mästen. Wir füttern Maissilage, Apfeltrester, Karotten, frische Karotten. Kein Heu! Früher hat man immer gedacht, man müsste denen Heu geben. Aber mittlerweile ist man ernährungsphysiologisch auch so weit, dass man sagt: Rotwild ja, aber Rehwild nein.
Ich mische jetzt die beiden Silagen – die Maissilage mit dem Apfeltrester. Das Rehwild braucht Saftfutter.
Die Karotten nehmen die sehr gerne als Äsung.
Jetzt noch bis Mitte Dezember, da soll noch kräftig gefüttert werden. Die Wildtiere sollen sich noch möglichst viel Feist anäsen.“

Später zieht sich ihr Pansen auf ein gutes Drittel seiner normalen Größe zusammen. Sie brauchen jetzt eigentlich nur noch wenig Futter, gerade so viel, dass sie gut über den Winter kommen.

Prof. Dr. Jürgen Vocke, Präsident des Bayerischen Jagdverbandes:
„Sie leben dann weitestgehend von ihren Reserven. Unser Problem hier in dem dicht Besiedelten ist, dass sie weitestgehend auch im Winter, wenn sie eigentlich totale Ruhe bräuchten, dass sie auch da sehr oft beunruhigt werden durch Spaziergänger, Hundeführer, Reiter.“

Oder auch durch laute Sägen der Waldarbeiter, die Bäume ernten.
Ab März darf generell wieder etwas kräftiger gefüttert werden. Bis das natürliche Futter draußen wieder ausreicht und die Futterstellen langsam verwaisen.

Prof. Dr. Jürgen Vocke, Präsident des Bayerischen Jagdverbandes:
„Die Rehe gehen dann immer weniger hin. Wenn’s tatsächlich nicht mehr angenommen wird, dann reinigen.“

Immer wieder einmal ist die Rede von missbräuchlicher Fütterung.

Prof. Dr. Jürgen Vocke, Präsident des Bayerischen Jagdverbandes:
„In der Nähe von Schutzwäldern darf grundsätzlich nicht gefüttert werden. Insbesondere am Berg, wenn da gefüttert wird, ist das grundsätzlich verboten, weil das das Wild sonst konzentrieren würde.“

Gefährlich wird es, wenn dem Wild völlig falsche Äsung angeboten wird.
Etwa tierisches Eiweiß fürs Rehwild.

Prof. Dr. Jürgen Vocke, Präsident des Bayerischen Jagdverbandes:
„Wenn da etwas gefüttert wird, was einfach artwidrig ist, das wär missbräuchlich, weil dann die Tiere auch elendig zu Grunde gehen.“

Die gesetzliche Pflicht zum Notzeitfüttern kommt übrigens nicht nur den Wildtieren zugute.

Prof. Dr. Jürgen Vocke, Präsident des Bayerischen Jagdverbandes:
„Wenn ich nicht fütter’ – die haben ja Hunger, dann verbeißen sie auch die ganzen Knospen, durch artgerechtes Saftfutter verhindern wir den Verbiss.
So, jetzt wünschen wir den Rehen einen guten Appetit!“


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