Bayerischer Jagdverband e.V. - staatlich anerkannter Naturschutzverband

Kulturgut Jagd

Die Jagdkultur ist das älteste Kulturgut der Menschheit überhaupt.

Weitere Ausgabeformat zu diesem Video

JV_KulturgutJagd_060217.mp4

MP4-Datei z.B. für Quicktime-Player (960x540)

97 MB

Videobeitrag: Kulturgut Jagd

Prof. Dr. Jürgen Vocke, Präsident des Bayerischen Jagdverbandes:
„Die Jagdkultur ist das älteste Kulturgut der Menschheit überhaupt. Wesentlich älter als unsere Religionen, aber es gilt es natürlich in der jeweiligen Zeit entsprechend fortzuschreiben, dass es nicht zum Fossil verkommt.“

Die Jagd als Kulturerbe – für diese Anerkennung will der Bayerische Jagdverband 2017 intensiv werben.

Prof. Dr. Jürgen Vocke, Präsident des Bayerischen Jagdverbandes:
„Früher hat man gesagt – und es war auch so – da hat die Jagd die Gesellschaft geprägt. D.h. die Königshäuser und der Adel und auch die großen Waldbesitzer haben vorgegeben, wie gejagt wurde, und haben natürlich damit auch insgesamt ihre Jahrhunderte geprägt. Mit allen positiven und negativen Erscheinungsbildern, u.a. manche Bauernaufstände gehen darauf zurück. Aber heute ist es ja ganz anders – das haben aber viele noch nicht verstanden – heute prägt die Gesellschaft die Jagd. D.h., wir brauchen – wenn die Jagd Zukunft haben soll – brauchen wir die Akzeptanz der Gesellschaft. Das können wir am besten erreichen, wenn wir der Kultur der Jagd und damit der Ethik – wie jagen wir? – dem Tierschutzgedanken, dem Naturschutzgedanken absoluten Vorrang vor der reinen Fleischgewinnung einräumen. Das ist heute unsere moderne Aufgabe.“

Für die Menschen früher wäre das undenkbar gewesen. Ohne die Jagd hätten sie sich kaum ernähren können, nachzulesen bei Ludwig Thoma und seinem Freund Ludwig Ganghofer, etwa im ‚Jäger von Fall’. Hier an der Isar, in der Nähe des Sylvensteinspeichers,

Prof. Dr. Jürgen Vocke, Präsident des Bayerischen Jagdverbandes:
„...  war ein klassisches Wildererland. Da gibt es auch sehr viele Gemälde, die damit zusammenhängen, wo die Wilderer mit den Flößen die Isar runter fahren und die Förster von oben schießen, regelrechte kleine Feuergefechte. Und da spielt eben der Ort Fall auch – abgesehen von der Liebesgeschichte - mit eine große Rolle.“

Der alte Ort Fall versank in den Fluten, als in den 50iger Jahren der Sylvensteinspeicher gebaut wurde. In der Vorderriß stehen sie noch, die Zeugen der Zeit, als der Hochadel im Isarwinkel zur Jagd ging.

Prof. Dr. Jürgen Vocke, Präsident des Bayerischen Jagdverbandes:
„König Max – Maximilian II - war ein leidenschaftlicher Jäger, Vater von Ludwig II., Ludwig weniger, aber Ludwig war auch sehr viel hier.“

Hier im königlichen Jagdhaus, wo er die Jäger alle beim Namen gekannt haben soll. Diese Marienkapelle stiftete er ihnen und besuchte wie sie die Messe, wenn er wieder einmal in der Vorderriß weilte. Ereilte ihn auch hier oben die Schlaflosigkeit, ließ er den Oberförster wecken, der gleich nebenan wohnte, und unterhielt sich viele Stunden lang mit ihm.

Dieser Oberförster war Ludwig Thomas Vater. 8 Jahre lebte die Familie hier im Forsthaus. Vater und Mutter bewirtschafteten außerdem gemeinsam den Gasthof Post.

Gleich hinter dem Gasthof – zu Füßen des heutigen ‚Ludwig-Thoma-Hauses’ und der jagerischen Unterkunft der Wittelsbacher – das Jagdhaus des Luxemburger Großherzogs, der Ende des 19. Jahrhunderts endlich ebenfalls vertreten sein wollte, wo der europäische Adel teils schon seit Jahrhunderten zur Jagd ging.

Prof. Dr. Jürgen Vocke, Präsident des Bayerischen Jagdverbandes:
„...Ich kann nur sagen: historischer, jagdkulturhistorischer kann’s kaum gehen als hier in dieser Gegend.“

Doch finden sich überall in Bayern Belege dafür, wie stark die Jagd das Leben der Menschen geprägt hat.

Prof. Dr. Jürgen Vocke, Präsident des Bayerischen Jagdverbandes:
„Und wenn man das weiß, dass das so ist, dann stellt man auch seine ganze Jagdpraxis darauf ab und wartet nicht und sagt: Och, da hab ich ja nochmal ein bisschen Zeit. Und auf einmal ist der Januar da. Sondern wenn man rechtzeitig, d.h. sofort beginnt, wenn die Jagd aufgeht, und so schnell und so früh wie möglich das erledigt,“

Käme kein Jäger in die Bredouille, wenn das Schalenwild auch bei uns mit der Jahreswende ganz offiziell seine Ruhe hätte.

Prof. Dr. Jürgen Vocke, Präsident des Bayerischen Jagdverbandes:
„Da nehmen wir einfach mal die vielen Marterl draußen, die wir in der wunderschönen bayerischen Heimat sehen. Dann sehen wir die schönen Hubertuskapellen, sehr viele Bauernhöfe haben eine kleine Kapelle, meistens mit jagdlichem Bezug, dann die Hubertusmessen, es gibt wunderschöne, dann der Freischütz, auch stark geprägt von vielen Jagdliedern... ‚Ich bin ein freier Wildbretschütz...’“

In Musik und Literatur, auch dort überall Bezüge zur Jagd. Unendlich viele Gründe, warum nach der Falknerei nun auch die Jagd als immaterielles Weltkulturerbe anerkannt werden sollte – das zentrale Thema beim Landesjägertag in Rothenburg ob der Tauber.

Prof. Dr. Jürgen Vocke, Präsident des Bayerischen Jagdverbandes:
„Da wollen wir miteinander diskutieren, was wir einbringen müssen, damit die UNO uns entsprechend einwertet. Ich meine, das wäre auch ein ganz wichtiges Element, um die Akzeptanz der Jagd in der Gesellschaft zu stabilisieren.“

Damit bald jeder hierzulande nachschauen kann, wo in seiner Umgebung die Jagd ihre Spuren hinterlassen hat, soll ein Jagdkulturatlas erstellt werden.

Prof. Dr. Jürgen Vocke, Präsident des Bayerischen Jagdverbandes:
„Liebe Jägerinnen und Jäger, geht mit offenen Augen durch Eure Heimat und bitte fotografiert, schickt uns die Bilder von den Materln mit ganz kurzen Bildunterschriften oder egal, was es da gibt, damit wir einen Jagdkulturatlas über Bayern erstellen können, um der Bevölkerung das Kulturgut ‚Jagd’ näherzubringen, damit jeder weiß, was hier von den Jägern in vielen Jahrhunderten für Bayern geschaffen worden ist.“


↑ nach oben ↑