Bayerischer Jagdverband e.V. - staatlich anerkannter Naturschutzverband

BJV-Video: Kein illegaler Abschuss! Kritik am Städtetag

Der BJV-Vorsitzende Prof. Dr. Jürgen Vocke distanziert sich in aller Form von illegalen Abschüsse in Bayern und übt Kritik an einem Geheimpapier des Bayerischen Städtetags.

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Videobeitrag: „BJV: Kein illegaler Abschuss / Kritik am Städtetag

Während dieser Uhu in sicherer Obhut ist, müssen seine Verwandten draußen in der Natur seit einigen Monaten um ihr Leben fürchten – wie auch Luchse und andere Wildtiere in den Wäldern Bayerns. Noch immer konnte nicht geklärt werden, wer für die Tötung mehrerer dieser streng geschützten Tiere verantwortlich ist. Es kursiert der Verdacht, dahinter stecke ein Jäger.

Prof. Dr. Jürgen Vocke, Präsident des Bayerischen Jagdverbandes:
„Es ist nicht auszuschließen, dass auch ein Jäger daran beteiligt war, aber bitte vorsichtig mit Generalverdacht­säußerungen. Wenn es wirklich ein Jäger gewesen sein sollte und es kommt zum Gericht – und da käme es ja hin, zu einem Strafgerichtsprozess – würde er mit Sicherheit mehr als 60 Tagessätze bekommen und damit den Jagdschein verlieren, auch sein Revier verlieren, die Waffen abgeben, alles. Wir würden sofort Strafanzeige erstatten, wenn wir’s wüssten, aber man kann das immer erst sagen, wenn man tatsächlich weiß, wer’s war. Und den würden wir sofort aus dem Verband ausschließen.“

Unter strengem Naturschutz stehende Tiere dürfen auf keinen Fall jagdlich getötet werden.

Prof. Dr. Jürgen Vocke, Präsident des Bayerischen Jagdverbandes:
„Es mag mal ein Fehler sein, das kann man nicht ausschließen, aber keinesfalls vorsätzliche Taten. Also wir distanzieren uns hier in aller Form. Also nicht am Stammtisch große Reden führen, sondern aktiv helfen, dass solche Dinge unterbleiben, es schadet der Sache der Jagd sehr intensiv. Und all denen kann ich nur raten, sie sollen mal über die Landesgrenzen hinweg schauen in die anderen Bundesländer, wie stark die Ökologen usw., wie stark die in die Jagdgesetze reinwirken. Wir haben das bisher in Bayern alles verhindern können, weil wir eben die Jagd bisher sympathisch darstellen konnten als auch anerkannter Naturschutzverband. Wenn irgendwelche Leute vor Ort massive Straftatbestände begehen, schaden sie der gesamten Jägerschaft. Deshalb helft! Ich kann nur an alle appellieren: Wenn wir das Jagdwesen erhalten wollen, brauchen wir hier einen geschlossenen Verband!“

Ein klares Signal an die Gesellschaft und insbesondere an die anderen Naturschutz­verbände will man im Rahmen der Messe ‚Jagen und Fischen‘ in Landshut senden. Eine außerordentliche Delegierten­versammlung soll mit möglichst vielen Stimmen eine Resolution verabschieden,
„dass wir derartige Handlungen schlichtweg missbilligen und auch aktiv dazu beitragen wollen, dass sich so etwas schlichtweg nicht wiederholt. Ich sage mal vom Grundsatz her, das geht einfach nicht!“

Gefahr für die Wildtiere sieht der BJV-Präsident auch aus ganz anderer Richtung. Die Mitglieder im Forstausschuss des Bayerischen Städtetages haben ein Geheimpapier erarbeitet, worin es z.B. heißt, Nachtzielgeräte sollten auf Schwarzwild und sogar auf alles Schalenwild angesetzt werden dürfen.

„Die sollten schon wissen: Wenn ich die Nacht zum Tag mache, dann hat das zur Folge, dass die Wildtiere überhaupt nicht mehr rauskommen, dann habe ich noch größere Schäden in den Wäldern. Gerade die Städte und Kommunen sollten auch an ihre Bürger denken, die sollten auch noch mal ein Reh …Wildtiere sehen!“

Um solche Erlebnisse würden die Menschen in Stadt und Land durch den Einsatz von Nachtzielgeräten betrogen.

„Gott sei Dank haben das BKA und auch das Bundesinnen­ministerium klar gesagt, was wir auch immer vertreten haben: Das sind Straftat­bestände und derartige Geräte, die nur den Sondereinsatzkommandos der Polizei und der Bundeswehr vorbehalten sind, haben nichts in Jägerhänden zu suchen.“

Und ein weiteres Thema des Papiers empört den Jagdverband:

„Schrotschuss aufs Rehwild – also das bedeutet, dass man im Regelfall gar nicht nachsuchen kann, weil die keinen Ausschuss haben, die Hunde haben gar keine Chance und im Regelfall gehen die elendiglich ein. Es sei denn, ich treffe sie gerade mal auf 20 oder 25 Meter. Wann kommen die mir denn auf 25 Meter? Das sind obskure Vorstellungen!“

Oder die geforderte Abschaffung der Jagdberater, die bisher den für viele Fachgebiete zuständigen Inspektoren mit ihrem jagdlichen Fachwissen zur Seite standen.

„Da können sie froh sein, dass sie einen Sachverständigen aus der Praxis haben, der sie berät. Warum wollen sie den abschaffen? Das hätte ich erwartet und da gehe ich auch nicht von weg, das ist ein Gebot des Anstandes, dass man vorher mit den Betroffenen redet und sagt ‚Wie seht Ihr das eigentlich? Wir planen da dies und jenes.‘…bei Kleinigkeiten wär’s kein Problem, aber das, was hier der Städtetag oder besser gesagt dieses Gremium des Städtetages fordert, wäre so fundamental und die ganzen 160 Jahre, die Festen unseres Jagdgesetzes würden auf den Kopf gestellt, negativ: tierschutzwidrig, jagdethisch und das Reviersystem wäre eigentlich mehr oder weniger kaputt. Der Stellenwert der Jagd in der Gesellschaft ist Gott sei Dank sehr sehr hoch. Wir haben 70/ 80 % Zustimmung. Ich bin in ganz Bayern permanent unterwegs – ich kenne keinen Bürgermeister, keinen Landrat, der sich jemals – zumindest wenn ich da bin – ausgesprochen kritisch über die Jagd geäußert hätte, dass man da mit tierschutz­widrigen Dingen eingreifen müsste. Es kann durchaus sein, dass man hie und da mal etwas machen muss, aber man redet vorher miteinander. Aber nicht Geheim­papiere, Dossiers entwickeln und dann empört sein, wenn wir uns als Betroffene zum Schutz unserer Wildtiere dann dagegen mit aller Härte zur Wehr setzen! Für mich ist das Gesamte politisch derart ungeheuerlich, dass ich selbstverständlich auch beim Präsidenten des Bayerischen Städtetages, dem Herrn Maly, um ein Gespräch nachsuchen werde, auch bei seinem Vize­präsidenten, dem Oberbürgermeister von Augsburg. Denn so einfach geh‘ ich da nicht zur Tagesordnung über. Diese Dinge müssen klipp und klar vom Tisch!“


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