Frühling - Die Natur erwacht

Wenn die Temperaturen in die Höhe steigen und die Tage langsam wieder länger werden, bekommen Natur und Wild „Frühlingsgefühle“.

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Videobeitrag: Frühlingserwachen

Die Natur erwacht und zeigt uns wieder ihre Farben. In so mancher Wildtierfamilie ist schon Nachwuchs angekommen, teils sind die Jungen gut versteckt.

Prof. Dr. Jürgen Vocke, Präsident des Bayerischen Jagdverbandes:
„Der Dachs...und auch die Frischlinge, die Wildschweine, die sind in den Kesseln. Die kann man auch schon sehen.“

Rehe erwarten ihren Nachwuchs erst im Mai oder Juni. Aber sie suchen momentan die Nähe ihrer Artgenossen.

Prof. Dr. Jürgen Vocke, Präsident des Bayerischen Jagdverbandes:
„Bis ins Frühjahr hinein stehen die Rehe in sogenannten Sprüngen zusammen. Sie ziehen sich zusammen, schützen sich wechselseitig, passen auf. Und das älteste Stück führt diesen Sprung. Das dauert noch drei, vier Wochen, dann lösen sich die Verbände langsam auf. Drum meinen viele, oooh, sind da viele Rehe! In Wirklichkeit konzentrieren die sich jetzt nur. Deshalb haben viele – sowohl Bauern wie auch Spaziergänger – einen völlig falschen Eindruck. Das ist diese in Anführungsstrichen Rudelbildung, Sprünge, lösen sich dann jetzt wieder auf, dann siehst Du sie nur noch vereinzelt.“

Und bald auch wieder – wie hier – in leichtem Gewand.

Prof. Dr. Jürgen Vocke, Präsident des Bayerischen Jagdverbandes:
„Das ist wie mit uns Menschen. Wer mag schon den dicken Wintermantel noch anziehen? Genauso ist das. Das dicke Winterfell wollen die Rehe – nehmen wir mal die Rehe, die man am meisten draußen sieht – jetzt haben sie noch dieses dunkle Grau. Das verlieren sie jetzt  Zug umd Zug, teilweise büschelweise, vom Kopf beginnend, nach hinten bis zum Hinterkörper. Und da sehen sie oft sehr ruppig aus. Dann kriegen wir auch manchmal Anrufe ‚Oh Jäger, da hinten stehen kranke Tiere!’ In Wirklichkeit sind die jetzt im Haarwechsel, das dauert vier bis sechs Wochen, dann schauen sie wieder gut aus.“

Gerade an solchen Stellen können sie uns in den nächsten Wochen begegnen, ganz plötzlich die Straße queren. Dafür gibt’s eine Reihe von Gründen, nicht nur die unbändige Freude darüber, dass die Natur nun endlich wieder auflebt.

Prof. Dr. Jürgen Vocke, Präsident des Bayerischen Jagdverbandes:
„Der Pansen hatte sich über die Monate im Winter zusammengezogen, jetzt dehnt er sich wieder aus, natürlich dann wieder auch erhöhter Äsungsbedarf, und auch die Geißen sind jetzt trächtig und die Böcke wollen ihre Gehörne schieben, also Aktivitäten. Und da brauchen sie natürlich auch Äsung. Gerne verbeißen sie auch Knospen, da freut sich der Förster nicht, verstehe ich ja. Aber sie sind hauptsächlich draußen auf den Grünlandflächen usw., man sieht sie, sie brauchen frische Äsung. Wie wir Menschen auch, ähnlich geht’s den Tieren.“

Dass die Wildtiere auch in den kommenden Monaten ausreichend Äsung finden, das liegt mit in der Verantwortung der Revierpächter.

Prof. Dr. Jürgen Vocke, Präsident des Bayerischen Jagdverbandes:
„Das ist für mich ein ganz wichtiges Thema. Und zwar immer der Appell an alle Revierinhaber und alle, die draußen auf die Jagd gehen: Dass sie nicht nur nach den Rehen Ausschau halten, sondern schauen, wie sind die Biotope? Wo sind Äsungsflächen? Wo könnte man eventuell Grenzertragsböden sehen, dass man da mit den Landwirten, mit den Grundeigentümern redet: ‚Du sag’ mal, können wir da nicht einen kleinen Wildacker oder was anlegen?’ Also Appell an die Jäger: Geht’s mit offenen Augen durch Euer Revier und sprecht dann natürlich – geht ja gar nicht anders – mit den Grundeigentümern, wie können wir gemeinsam etwas gestalten. In meinen Augen beste Sympathiewerbung für den Landwirt, wenn da eine kleine Blühwiese oder etwas ist und natürlich auch für den Jäger als Heger, dass die Bevölkerung das auch akzeptiert, dass wir nicht nur schießen wollen, sondern tatsächlich auch für die Lebensräume etwas tun. Dann natürlich auch ganz wichtig der Appell an die Landwirte, wenn sie jetzt mit den Aussaatmaschinen, die ja immer größer werden, auf die Felder gehen, dran denken, wir haben dann z.B. die Märzhasen, die sich bei Gefahr drücken, dass sie nicht nur gerade kucken, sondern auch rechts und links und schauen, ob sich da Tiere ducken.“

Doch finden sich überall in Bayern Belege dafür, wie stark die Jagd das Leben der Menschen geprägt hat.

Prof. Dr. Jürgen Vocke, Präsident des Bayerischen Jagdverbandes:
„Und wenn man das weiß, dass das so ist, dann stellt man auch seine ganze Jagdpraxis darauf ab und wartet nicht und sagt: Och, da hab ich ja nochmal ein bisschen Zeit. Und auf einmal ist der Januar da. Sondern wenn man rechtzeitig, d.h. sofort beginnt, wenn die Jagd aufgeht, und so schnell und so früh wie möglich das erledigt,“

Moderne Geräte können dabei wertvolle Hilfe leisten und warnen:

Prof. Dr. Jürgen Vocke, Präsident des Bayerischen Jagdverbandes:
„Hoppla, da ist was. Also beide Seiten sind aufgefordert, im Interesse auch der Akzeptanz der Bevölkerung, dafür zu sorgen, dass möglichst wenig zu Schaden kommt jetzt im Frühjahr.“