Bayerischer Jagdverband e.V. - staatlich anerkannter Naturschutzverband

Aktuelles zur Tularämie

In unregelmäßigen Abständen erschienen in der bayerischen Presse Berichte zur Tularämie bei Feldhasen. Meist wurden verendet aufgefundene Feldhasen zur Untersuchung eingesandt und anschließend der Anfangsverdacht auf das Vorliegen von Tularämie bestätigt.

Bei dem Infektionserreger handelt es sich um das Bakterium Francisella tularensis, das überwiegend bei freilebenden Nagetieren und Hasenartigen vorkommt. Bei infizierten Tieren kommt es in kürzester Zeit zu einer fieberhaften Allgemeininfektion, die mit Abmagerung, Schwäche und Apathie einhergeht. Nicht selten ist damit eine Veränderung des Fluchtverhaltens verbunden, die Tiere verlieren aufgrund von Entkräftung ihre natürliche Scheu, so dass derartig erkrankte Tiere auch von Hunden bzw. vom Jäger gegriffen werden können.

Generell sind bei Tieren milde Formen mit lokaler Lymphknotenschwellung genauso möglich wie schwerwiegende, septikämische Verlaufsformen. Insbesondere bei Hasen, Kaninchen und Nagetieren sind seuchenhafte Verläufe mit hoher Sterblichkeit bekannt.

Besondere Bedeutung kommt dem Bakterium aber zu, da es sich um einen Zoonose-Erreger handelt, d.h. er kann vom Tier auf den Menschen übertragen werden. Die Ansteckung des Menschen kann über Haut- und Schleimhautkontakt oder durch Verzehr ungenügend erhitzen Wildbrets erfolgen.

Es muss darauf hingewiesen werden, dass ein gewisses Infektionsrisiko durch Tularämie vor allem für Jäger besteht, das aber durch die Anwendung und Einhaltung fleisch- und vor allem allgemeinhygienischer Grundsätze beim Umgang mit dem Wild minimiert werden kann.

Die Tularämie des Menschen ist daher in erster Linie eine Berufskrankheit von Jägern, aber auch von Köchen, Metzgern und Tierärzten. Infektionen von Landwirten durch infektiöse Stäube sind genauso beschrieben wie Infektionen nach Bissverletzungen. Eine Infektion über unzureichend erhitzte Nahrungsmittel oder kontaminiertes Wasser ist ebenso möglich.

Ohne antibiotische Behandlung kann die Sterblichkeit beim Menschen über 30% betragen. Um es nicht soweit kommen zu lassen, müssen vor allem in Gebieten mit häufigerem Auftreten von Francisella tularensis geeignete Vorsichtsmaßnahmen getroffen werden. Verhaltensauffällige bzw. tote Tiere sollten nur mit Handschuhen angefasst werden, ein Abbalgen nur mit einem geeigneten Mundschutz erfolgen. Bei Auftreten erster Krankheitsanzeichen, wie grippeähnliche Symptome, z.B. Fieber, Husten, Kopf- und Gliederschmerzen, gefolgt von Lymphknotenschwellungen etc., ist umgehend ein Arzt zu konsultieren. Da der Erreger auch durch blutsaugende Insekten und Zecken übertragen werden kann, sollten auch hiergegen Schutzmaßnahmen ergriffen werden. In diese Maßnahmen sollte man auch den vierbeinigen Jagdgehilfen miteinbeziehen. Hunde besitzen zwar eine sehr hohe, aber keine absolute Resistenz gegenüber Francisella tularensis.

Abschließend ist zu sagen, dass kein Anlass zur Hysterie, aber dennoch zur vernünftigen Vorsicht besteht.

Homepage LGL 2016: In Bayern wird das Hasenpestgeschehen vom LGL seit 2007 verfolgt (Anzahl Untersuchungen und Tularämie-Nachweise siehe Tabelle 1), seit 2012 besteht darüber hinaus auch eine Kooperation des LGL mit dem Bayerischen Jagdverband in Form eines sog. Feldhasenmonitorings. Die angegebenen Zahlen sind bezogen auf die Gesamtpopulation der Feldhasen in Bayern nicht als repräsentativ anzusehen, da bei Auftreten von Hasenpest in einem Landkreis häufig vermehrt eingesandt wird. Der Anteil an Feldhasen mit Tularämie dürfte daher, bezogen auf die Gesamtpopulation geringer sein. Die Erkrankung wird bei Feldhasen in Nord- und Südbayern gleichermaßen nachgewiesen. Daten des Friedrich-Loeffler-Instituts zeigen darüber hinaus, dass der Erreger in der Feldhasenpopulation ganz Deutschlands zwischen Nordsee und Bodensee vorkommt.

Trotz des Vorkommens des Erregers in der deutschen Feldhasenpopulation sind nur wenige humane Erkrankungsfälle bekannt. Gemäß den Daten des Robert-Koch-Instituts wurden seit 2010 nachfolgend aufgeführte Fallzahlen humaner Tularämie-Infektionen gemeldet (siehe Tab. 2).

Tote Feldhasen können pathologisch-anatomisch, histologisch und bakteriologisch untersucht werden. Eine Absicherung erfolgt durch kulturellen Erregernachweis aus klinischem Probenmaterial in Speziallaboratorien bzw. durch molekularbiologische Untersuchungen. Die Diagnose beim Menschen wird meist als klinische Verdachtsdiagnose mit dem Vorbericht „Kontakt zu Wildtieren“ gestellt. Der Antikörpernachweis aus dem Blut ist hier ein etabliertes Nachweisverfahren.                                             Dr. C. Gangl

„Wild – Gut erlegt?“
BfR-Symposium zu Forschungsvorhaben zum Thema Wildbret

Jagd mit bleifreier oder mit bleihaltiger Munition – diese Frage erregt die Gemüter. Wegen des großen Interesses beschäftigte sich das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) und das Bundesinstitut für Risikoforschung (BfR) in einem gemeinsam durchgeführten Symposium im März 2014 in Berlin mit dieser Frage. Zum einen ging es um die Lebensmittelsicherheit jagdlich gewonnenen Wildbrets, zum anderen um die Tötungswirkung bleifreier Geschosse.

Der Tagungsband „Wild – Gut erlegt?“ BfR-Symposium zu Forschungsvorhaben zum Thema Wildbret liegt nun als PDF-Datei (13 MB) auf der BfR-Website zum Download vor.

EU regelt Rückverfolgbarkeit von Lebensmitteln neu

Ab dem 1. Juli 2012 gilt eine neue Durchführungsverordnung der EU zur Rückverfolgbarkeit von Lebensmitteln (Durchführungsverordnung EU Nr. 931/2011). Damit soll sichergestellt werden, dass die Herkunft eines Lebensmittels generell bis zum Erzeuger zurück nachvollziehbar ist.

Davon sind Jäger dann betroffen, wenn sie Wild an Lebensmittelunternehmer (z.B. Metzger, Gastwirte und Wildhändler) abgeben. Bei der Abgabe direkt an den Endverbraucher gilt diese VO nicht.

Es gibt keine amtlichen Vordrucke. Sie können sich einen solchen mit den erforderlichen Informationen selbst erstellen oder Sie benutzen das vom BJV entworfene Nachweisformular, das Sie unter dem Text finden.

Nachweis über Rückverfolgbarkeit von Wildbret

Radiocäsiumbelastung von Wildbret

Manche Regionen Bayerns sind auch 30 Jahre nach dem Reaktorunfall von Tschernobyl radioaktiv belastet. Um sicherzustellen, dass nur einwandfreies Wildbret auf den Teller kommt, hat der Landesjagdverband Bayern e.V. ein flächendeckendes Netz von Messstationen eingerichtet.

Reduktion der Cäsium-137-Aktivität in Wildschweinen durch Zusatz von Ammonium-Eisen-Hexacyanoferrat (Berliner Blau) zum Kirrfutter - Abschlussbericht

Antrag auf Schadensausgleich für radioaktiv belastetes Wildbret nach der Ausgleichsrichtlinie zu § 38 Abs. 2 Atomgesetz

Radiocäsiummessstationen des BJV

Ansprechpartner Radiocäsiummessstationen im BJV

Link zum Bayerischen Landesamt für Umwelt (LfU)

Informationen zum Dekontaminationsfutter für Schwarzwild

Hygienerichtlinien bei der Vermarktung von Wildfleisch

Mit dem Inkrafttreten der neuen EU-Hygieneschutzverordnungen ab dem 01. Januar 2006 kommen umfangreiche Neuregelungen auf Jäger zu. Hierbei arbeitet der Landesjagdverband Bayern e.V. eng mit dem Bayerischen Staatsministerium für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz zusammen. Dabei konnten bayernweit bereits mehrere Tausend Jäger zu "kundigen Personen" im Sinne des EU-Hygienepaketes geschult werden.

Zusätzlich zu ihrem fundierten Wissen in der Wildbrethygiene, das bereits durch eine Jägerausbildung gewährleistet ist, erhalten die Jäger hierbei zusätzliche Kenntnisse in den Bereichen

  • abnorme Verhaltensweisen und pathologische Veränderungen
  • Hygiene- und Verwaltungsvorschriften
  •  Vermarktungsvorschriften´

vermittelt.

 


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