Bayerischer Jagdverband e.V. - staatlich anerkannter Naturschutzverband

Zum Kalender "Wald, Wild und Wasser 2006"

Kaum ein anderes sachliches Thema kann unsere Mitmenschen auf breiter Basis so emotional bewegen wie eine Diskussion um und über den Wald. Dies ist nachvollziehbar, wenn man die immense generelle Bedeutung des Waldes erkennt und vor allem akzeptiert. Die vielfältigen Nutz-, Schutz-, Erholungs- und Sonderfunktionen des Waldes können nur von standortgerechten, stabilen und naturnahen  Beständen langfristig erfüllt werden. Stürme, extreme Trockenheit und - wahrscheinlich als Spätfolge - Borkenkäferkalamitäten in jüngster Zeit haben gezeigt, dass Mischwälder deutlich weniger anfällig waren. Aus ökonomischen und auch ökologischen Gründen ist es wünschenswert, dass sich diese Bestände selbst verjüngen. Wichtig ist aber auch, dass nicht jeder alte Baum entfernt und einer menschlichen Nutzung zugeführt wird. Gerade "überaltertes" Holz und auch stehendes "Totholz" bietet Lebensräume und teilweise sogar Lebensgrundlage für eine Reihe von Tierarten (Schwarzspecht, Hohltaube, Waldkauz, Baummarder, Siebenschläfer,  Hirschkäfer), die im Kalender vorgestellt werden. Eine ganz eigene Betrachtung als besonderer Lebensraum würde der Waldweiher verdienen. ( Reiherente)

Unter dem Sammelbegriff "Wild" stellen sich viele Menschen zunächst einmal die Gesamtheit aller wildlebenden Tiere unserer Heimat vor. Dies ist zwar im Ansatz richtig, trifft jedoch auf den tatsächlichen Sachverhalt nur unzureichend zu. "Wild" ist ein Begriff aus dem Jagdrecht und bezieht sich allein auf die wildlebenden Tierarten, auf die die Jagd ausgeübt werden darf. Diese Tierarten sind im Jagdgesetz alle einzeln benannt. 

Es würde zu weit führen, diesen Katalog hier vorzustellen, doch soll versucht werden, ein paar grundsätzliche Aspekte herauszuarbeiten. 

Die Liste der jagdbaren Tierarten (= "Wild") ist historisch gewachsen und unterliegt immer wieder Veränderungen. So wurden z.B. in den siebziger Jahren alle Eulen herausgenommen und etwa in den neunziger Jahren in Bayern drei Rabenvogelarten aufgenommen.
 Jagdbar sind nur bestimmte Arten der Säugetiere und Vögel, grundsätzlich jedoch keine Fische, Reptilien und Insekten.
Sehr viele jagdbare Arten  dürfen tatsächlich aber nicht bejagt werden. Dazu zählen z.B. alle Greife und Falken, aber auch Säugetiere wie Luchs und Steinbock. Sie genießen eine ganzjährige Schonzeit. Obwohl sie jagdlich nicht genutzt werden dürfen, haben sie ein Recht auf Hege durch den Jäger. Somit schützt sie das Jagdrecht umfassender  als das Naturschutzrecht. 
Von den Säugetieren und Vögeln, die im Kalender  "Wald, Wild und Wasser 2006" vorgestellt werden, unterliegen nur vier dem Jagdrecht. Davon dürfen drei Arten - Reiherente, Baummarder und Wildschwein - bejagt werden, die  Hohltaube hat ganzjährige Schonzeit. Die Jagd auf   Reiherente und  Baummarder wird jedoch aus unterschiedlichen Gründen kaum ausgeübt. Allein das Wildschwein hat große jagdliche und beachtliche wirtschaftliche Bedeutung. Als anerkannter Naturschutzverband stellt der Landesjagverband Bayern aber auch diese anderen Arten vor, zumal Zusammenhänge (s. oben) aufgezeigt werden  können.

Das "Wasser" im Kalender steht für die Lebensräume "Fließgewässer" und "stehende Gewässer" aller Art. Dieser Bogen ließe sich über alle bayerische Gewässer spannen. Unseren Mitmenschen ist die dort heimische Fauna kaum bekannt. Das Verschwinden von Arten, wie die Gefährdung weiterer, erfolgt lautlos und weitgehend ohne Aufschrei der Öffentlichkeit. Obwohl Angelfischerei und auch Teichwirtschaft im Land eine wichtige Rolle spielen, werden zwei Fischarten Bitterling, Rotfeder ) vorgestellt, deren wirtschaftliche Bedeutung - wenn überhaupt davon gesprochen werden kann - gering ist. Der menschlichen Bewirtschaftung  des Wassers ( Abfischen) wird aber ebenso ein Kalenderblatt gewidmet, wie einem seltenen Vogel ( Eisvogel), dessen Überleben vom Wasser und seinen Fischen abhängt. 

Der Erkenntnis, dass wir nur eine Natur haben, dass Wald, Wild und Wasser Bestandteile dieser einen Natur sind, dass wir Menschen selbst in dieser Natur und von ihr leben müssen, dass wir ihr deshalb im eigenen Interesse mit Achtung begegnen müssen, entspringt das Konzept dieses Kalenders. Achtung kann aber nur erfahren, was bekannt ist.

Jürgen Weißmann

Januar 2006

Die Reiherente

gehört zu den häufigen Wildentenarten unserer Heimat. Ihren Namen hat sie wegen des Fe-derschopfes auf dem Kopf erhalten. Sie ist je nach Witterung und Nahrungsangebot ein Strich- oder Zugvogel. Die Reiherente besiedelt stehende Binnengewässer aller Art, auch Weiher am Dorfrand oder im Stadtpark. Schnecken, Wasserinsekten, Muscheln, Wasserpflan-zen und Fischbrut bilden ihre Nahrung. Zur Nahrungssuche taucht sie wohl bis zu zehn Meter in die Tiefe. Fliegt sie auf, muss sie auf dem Wasser ?Anlauf nehmen?.

Februar 2006

Der Waldkauz

ist unsere häufigste heimische Eule. Er kommt ganzjährig in lichten Wäldern und Gehölzen vor, wenn ausreichend Höhlen vorhanden sind, die er als Nistplatz braucht. Aktiv wird der Waldkauz erst mit Beginn der Dämmerung. Sein Flug ist geräuschlos. Mit seinem feinen Ge-hör und seinen großen Augen, deren Pupillen weit geöffnet sind, entdeckt er seine Beutetiere. Das sind Kleinvögel, Kleinsäuger und hin und wieder auch Amphibien.

März 2006

Der Baummarder

ist ein reiner Waldbewohner und bevorzugt ältere Laub- oder Mischwaldbestände. Er ist überwiegend nachts unterwegs und verschläft die Tage gern in alten Spechthöhlen. ?Goldkehlchen?, wie er wegen der Färbung seines Kehlflecks auch genannt wird, riecht, hört und sieht vorzüglich. Seine Kletterkünste sind unübertroffen und so gibt es auf Nahrungssuche kaum eine Brutstätte im Wald, die vor ihm sicher ist. Ansonsten ernährt er sich von Kleinsäugern, großen Insekten und auch Obst. Seinen ausgewählten Lebensraum verlässt der Baummarder über Jahre hinweg nicht.

April 2006

Die Hohltaube

ist der Höhlenbrüter unter den vier Wildtaubenarten unserer Heimat. Sie ist Pflanzenfresser und muss uns deshalb im Winter verlassen. Ihr Lebensraum sind ältere Laub- oder Mischwäl-der. Dort ist sie auf verlassene Höhlen des Schwarzspechtes angewiesen, um brüten zu kön-nen. Stehendes Totholz im Wald zum Beispiel hat solche Höhlen. Das Gelege, nahezu immer zwei Eier, wird von beiden Altvögeln abwechselnd bebrütet. Die Jungvögel werden in den ersten Tagen mit Kropfmilch, die im Kropf der Elterntiere abgesondert wird, gefüttert.

Mai 2006

Der Schwarzspecht

ist unser größter heimischer Specht. Sein Lebensraum sind große Misch- und Nadelwälder. Wichtig ist eine ausreichend große Zahl alter Bäume, in die er seine Bruthöhlen zimmern kann. Der Schwarzspecht fliegt recht schwerfällig und selten sehr weit an einem Stück. Er ernährt sich von Insekten und ? ganz typisch ? von Ameisen und deren Larven und Puppen. Stark beschädigte Haufen der Waldameise sind häufig ein Zeichen dafür, dass der Schwarz-specht auf Nahrungssuche war.

Juni 2006

Der Bitterling

bekam seinen Namen, weil er bitter schmeckt. Aber wegen seiner geringen Größe ist er so-wieso nicht als Speisefisch geeignet. Als kleinster Vertreter der Karpfenfische wird er nur 5-9 cm lang. Interessant ist er wegen seiner besonderen Fortpflanzung. Das Weibchen legt nämlich seiner Eier mit Hilfe einer langen Legeröhre in einer Teichmuschel ab. Dort im Kiemenraum der Muschel wachsen die kleinen Bitterlingslarven geschützt heran. Die Muschel ist also ein für den Bitterling notwendiges Wirtstier.

Juli 2006

Die Rotfeder

ist ein Vertreter der Karpfenfamilie, also ein Weißfisch. Sie tritt in der Regel in größeren Mengen im Gewässer auf und zählt zu den Schwarmfischen. So ein Fischschwarm erscheint dem Menschen oft wie ein einziger Organismus, so perfekt ist die Bewegung der einzelnen Fische aufeinander abgestimmt. Das Schwarmverhalten ist ein sehr wirkungsvoller Schutz vor Fressfeinden. Durch die schnellen und koordinierten Bewegungen als gesamter Fischschwarm stößt z.B. der Hecht, der sich nicht auf ein einzelnes Beutetier konzentrieren kann, oftmals ins Leere.

August 2006

Der Eisvogel

lebt an Gewässern und ist wegen seines farbenprächtigen Gefieders bekannt. Sein Lebensraum ist das natürliche, sich frei dahinschlängelnde Fließgewässer mit lehmig-sandigen Uferböschungen, die er zum Bau seiner Brutröhren braucht. Der Ausbau von Flüssen und Bächen hat diese Lebensräume weitgehend vernichtet. Deshalb ist der Eisvogel heute selten geworden. Für die Jagd auf kleine Fische stürzt er sich fast senkrecht ins Wasser. Obwohl seine Lieblingsspeise Fische sind, schätzt der Fischer den kleinen ?Kameraden? sehr. Er ist für ihn ein Symbol für intakte, ungestörte Natur, die auch der Fischer am liebsten hat.

September 2006

Der Siebenschläfer

gehört zu den Bilchen, ist so groß wie ein Eichhörnchen und kommt recht häufig vor. Wegen seiner nächtlichen Lebensweise ist er kaum bekannt. Große dunkle Augen beherrschen sein Gesicht. Ein langer, buschiger Schwanz verrät den gewandten Kletterer und Springer. Im Laub- und Mischwald, in Parks und Gärten lebt er in Baumhöhlen und Nistkästen. Zarte Pflanzenteile, Pflanzensamen, Beeren, Obst, Jungvögel, Insekten und Vogeleier gehören zu seiner Nahrung. Sein Winterschlaf in selbst gegrabenen Erdhöhlen dauert sieben Monate.

Oktober 2006

Der Hirschkäfer

ist unser größter heimischer Käfer, der bis zu 7,5 cm groß werden kann und trotzdem flugfähig ist. Leider ist er sehr selten geworden. Das liegt daran, dass die mehrere Jahre dauernde Entwicklung seiner Larven nur in verrottenden Wurzelstöcken alter Eichen möglich ist. Fehlt dieses ?tote? Holz, gibt es keine Hirschkäfer. Als Nahrung dienen dem Käfer Pflanzensäfte, die aus Baumwunden hervorquellen. Die mächtigen Greifzangen des Männchens haben nur während der Paarungszeit in der Auseinandersetzung mit Konkurrenten Bedeutung. Sie werden damit auf den Rücken gedreht und so außer Gefecht gesetzt.

November 2006

Abfischen im Karpfenteich

Für den Teichwirt ist das herbstliche Abfischen des Karpfenteichs der Abschluss seiner drei-jährigen Aufzucht der Fische. Jetzt kann er sie ?ernten? und verkaufen. Zum Abfischen wird das Wasser langsam abgelassen und die Fische sammeln sich in einer Grube vor dem Ablauf, dem sog. ?Mönch?. Dort werden sie von den Teichwirten mit dem Kescher in tragbare Wan-nen und Bottiche gesetzt. Die Fische dürfen dabei nicht verletzt werden oder unter Atemnot leiden. Mit dem LKW geht es anschließend in die Fischzucht, wo sie direkt verkauft werden.

Dezember 2006

Das Wildschwein

ist eine Tierart, die in den letzten Jahren stark zugenommen hat. Wildschweine leben in Familienverbänden, gelten als intelligent und sehr lernfähig. Ihr Geruchssinn ist besser entwi-ckelt als der des Hundes. Als echte Allesfresser nehmen sie alles auf, was nahrhaft ist. Probleme entstehen für die Landwirtschaft, wenn dabei Getreide-, Mais-, Kartoffel- oder Rübenfelder verwüstet werden, wenn Wiesen umgebrochen werden. Im Wald gehören Eicheln zu den bevorzugt gesuchten Leckerbissen.


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