Bayerischer Jagdverband e.V. - staatlich anerkannter Naturschutzverband

20.01.2016

Tierschutz: Bayerischer Jagdverband ruft Jägerinnen und Jäger zur Fütterung in der Notzeit auf

Dicke Flocken fallen vom Himmel, ein eisiger Wind fegt übers Land: der Winter hält nun auch in weiten Teilen Bayerns Einzug. Während sich Massen von Wintersportlern aller Art auf den Weg in weiße Paradiese machen, beginnt für unsere heimischen Wildtiere eine karge Zeit.


Rehe im Winter, Foto: H.Heimerl/piclease

Rehe im Winter, Foto: H.Heimerl/piclease

München, 20. Januar 2016 – Anlässlich der aktuellen Witterungsverhältnisse und Wetterprognosen, die uns eine Kälteperiode und starken Schneefall in verschiedenen bayerischen Regionen vorhersagen, appelliert der Bayerische Jagdverband (BJV) an seine Jägerinnen und Jäger zur Notzeitfütterung. Die Freude über die weiße Pracht, kann den heimischen Wildtieren schnell zum Leid werden. Eine artgerechte Winterfütterung, wie der BJV sie immer wieder fordert, ist unerlässlich und hat mehrere Vorteile: Sie verhindert Schäden im Wald und hilft den Tieren über die schneereichen Wintermonate.

Notzeitfütterung: artgerechte Fütterung mit Maß und Ziel

In welchen Regionen man von einer Notzeit sprechen kann, müssen gerade in Bayern mit seinen stark unterschiedlichen Höhenlagen vom Hoch- über das Mittelgebirge bis zum Flachland die Jägerinnen und Jäger in ihrer Funktion als staatlich geprüfte Naturschützer vor Ort entscheiden. Obgleich es zahlreiche Diskussionen um die Durchführung der Notzeitfütterung gibt und diverse Standpunkte darüber existieren, ist sie im Bayerischen Jagdgesetz als Pflicht eines jeden Revierinhabers verankert. Mehr noch: Wird eine Fütterung in Notzeiten unterlassen, muss diese von der unteren Jagdbehörde durchgeführt und dem Revierinhaber in Rechnung gestellt werden. BJV-Präsident Prof. Dr. Jürgen Vocke: „Es kommt darauf an, artgerecht zu füttern. Das heißt, langsam mit dem Füttern zu beginnen, damit die Tiere in der richtigen Notzeit wissen, wo sie hin müssen. Es geht dabei nicht um ein Mästen, vor allem darf kein Kraftfutter ausgebracht werden, so dass die Tiere Durst bekommen.“

Geteilter Artenschutz? – Wild im Winter nicht hungern lassen
Während das Vogelfutterangebot die Verkaufsregale zum Überlaufen bringen lassen, wird von verschiedenen Stellen gefordert, dass der Tisch für Reh- und Rotwild im Winter leer bleiben soll. Eine natürliche Selektion – durch Verhungern – ist oftmals die Begründung. BJV-Präsident Prof. Dr. Jürgen Vocke aber fordert: „ Wir dürfen das Wild im Winter nicht hungern lassen. Mit zunehmender Schneedecke finden Wildtiere immer schwieriger Nahrung. Wer ihnen eine Notzeitfütterung verweigert, begeht einen massiven Straftatbestand. Zudem muss er sich über zunehmende Schälschäden nicht wundern.“

Achtung: Die Bevölkerung soll es den Fachleuten überlassen, das Schalenwild über den Winter zu bringen. Die Tiere sind keine Müllschlucker und nur die Fachleute wissen, welche Mischung aus Heu, Silage, Hackfrüchten, Kastanien und Eicheln die Tiere jeweils brauchen.

Appell an Wintersportler und Hundebesitzer
Unsere Natur ist Naherholungsort, Sportgebiet, aber auch Lebensraum. Besonders im Winter benötigen Wildtiere Ruhe. Bei einer Beunruhigung schnellt der Energiebedarf des Ruhezustandes in die Höhe und es benötigt vermehrt Nahrung. Nur wenn das Wild in den Wintermonaten ungestört ist, schont es seine Energiereserven und kommt mit einem kargen Nahrungsangebot gut über die Runden. Daher ruft der Bayerische Jagdverband zu besonderer Rücksicht auf, damit unsere heimischen Wildarten möglichst ungestört durch den Winter kommen können. Es gilt das oberste Gebot: Auf den befestigten Wegen bleiben und sich rücksichtsvoll in der Natur bewegen. Um bei Hundehaltern mehr Transparenz und Information über die Vorgänge in der Natur zu vermitteln, hat der BJV eine Informationsbroschüre zu diesem sensiblen Thema herausgebracht. „Je mehr Hundehalter über die rechtlichen Grundlagen und die Zusammenhänge in der Natur wissen, desto harmonischer wird das Miteinander zwischen Wild und Hund ablaufen“, so BJV Präsident Prof. Dr. Jürgen Vocke. „Wir Jäger sind fast alle selbst Hundeführer und kennen die enge Verbindung zwischen Hund und Hundeführer. Daher ist es uns ein großes Anliegen, neben unseren Aufgaben als Anwalt des Wildes, auch für ein gutes Miteinander zwischen Hundeführern und Jägern zu sorgen.“

Hintergrundinformation: Notzeitfütterung
Art. 43 Abs. 3 des Bayerischen Jagdgesetzes besagt, dass der Revierinhaber verpflichtet ist, in der Notzeit für eine angemessene Fütterung zu sorgen und die dazu erforderlichen Fütterungsanlagen zu unterhalten. Unter einer Notzeit versteht man eine über einen Zeitraum andauernde Situation, die das Überleben der Wildtiere gefährdet. Dazu gehören extreme Witterungstemperaturen wie zum Beispiel überdurchschnittliche Hitze, Trockenheit, Kälte, Nässe oder Schneehöhe.

Hier gibt es den Flyer
Kostenlos zu bestellen unter: www.jagd-bayern.de – BJV-Publikationen – Flyer/Informationsmaterial – „Mit meinem Hund in der Natur“ oder unter Bayerischer Jagdverband, Hohenlindner Straße 12, 85622 Feldkirchen. Telefon 089-990 234 0.

Konzept zur Winterfütterung
Auf der BJV-Homepage finden Sie ein Konzept zur Winterfütterung und Wildschadensvermeidung – zusammengestellt von der BJV–Landesjagschule Wunsiedel: www.jagd-bayern.de Rubrik: Jagdpraxis – Vegetationsgutachten – Vortrag: „Wildschadensverhütung durch artgerechte Notzeitfütterung“.



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