Bayerischer Jagdverband e.V. - staatlich anerkannter Naturschutzverband

15.03.2016

Hasenhochzeit hat ihren Höhepunkt erreicht – Erste „Osterhasen“ auf bayerischen Äckern und Feldern

Auf dem Acker ist was los: die Paarungszeit der Feldhasen hat ihren Höhepunkt erreicht. Häsinnen und männliche Hasen, die Rammler, liefern sich wahre „Boxkämpfe“ als Paarungsritual, während die ersten „Osterhasen“ bereits das Licht der Welt erblicken.


Feldhasen „Boxkämpfe“, M. Nieveler (piclease)

Feldhasen „Boxkämpfe“, M. Nieveler (piclease)

Junghasen, H. Heimpel (piclease)

Junghasen, H. Heimpel (piclease)

Feldkirchen, 15. März 2016 – Trotz des späten Schneefalls in vielen Teilen Bayerns, ist auf vielen Äckern und Feldern des Freistaates momentan viel los. Die Paarungszeit der heimischen Feldhasen hat gerade ihren Höhepunkt erreicht. Nicht selten sieht man mehrere der Langohren wild auf den Feldern umherlaufen. Der Präsident des Bayerischen Jagdverbandes, Prof. Dr. Jürgen Vocke, weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass die Lebensräume für unsere Feldhasen in vielen Teilen Bayern stark bedroht sind: „Wir freuen uns alle, wenn wir vor den Osterfeiertagen ein paar Feldhasen beobachten können. Damit das auch in Zukunft noch möglich ist, brauchen wir die enge Zusammenarbeit mit unseren Landwirten, die Rückzugsgebiete und Wiesenstreifen für diese Wildart bereitstellen können.“ Vocke weiter: „Der Feldhase braucht viele verschiedene Kräuter und Gräser, die sogenannte Hasenapotheke, mit Kamille, Kümmel oder Salbei um gesund zu bleiben. Dazu Wiesen, die in der Jungenaufzuchtzeit nicht gemäht werden, denn junge Feldhasen laufen bei Gefahr nicht weg, sondern ducken sich. Das Ducken schützt sie vor vielen Fressfeinden, nicht aber vor einem Mähwerk.“ Viele Landwirte und Jäger haben sich daher in Bayern bereits zusammengefunden, um für die Wiesenbewohner etwas zu bewegen. Der Bayerische Jagdverband hat zudem zusammen mit seiner Wildland-Stiftung Bayern für das Jahr 2016 die „Wiese“ als zentrales Thema seiner Naturschutzanstrengungen gestellt. „Es muss unser gemeinsames Anliegen sein, den Feldhasen in unserer bayerischen Heimat zu unterstützen“, so der BJV Präsident Prof. Vocke abschließend.

Anliegend finden Sie interessante Hintergrundinformationen rund um den Europäischen Feldhasen (Lepus europaeus).

Der europäische Feldhase ist bereits mit sieben Monaten geschlechtsreif. Die Häsin kann bis zu vier Mal im Jahr ein bis fünf Junge bekommen. Die Paarungszeit, die auch „Hasen-Hochzeit“ genannt wird, beginnt bereits im Januar und hat ihren ersten Höhepunkt im März – und ist somit bereits im vollen Gange. Dabei bestimmt die Häsin mit welchem Rammler sie sich paart. Meist geht der Hochzeit ein regelrechten „Boxkampf“ zwischen den beiden Paarungspartnern voraus bei denen sie mit den Vorderpfoten aufeinander einschlagen, um ihre Kräfte zu messen. Hat eine Verpaarung stattgefunden, trägt die Häsin rund 40 Tage bis sie ihre Junghasen, die ersten Märzhaserl, in einer Sasse zur Welt bringt. Gleich nach der Geburt lässt die Häsin ihre Jungen allein in der Sasse zurück. Prof. Dr. Jürgen Vocke, Präsident des Bayerischen Jagdverbandes, erklärt: „Häsinnen sind keine Rabenmütter. Durch ihr schnelles Entfernen, möchten sie ihre Jungtiere schützen. Die jungen Hasen haben nahezu keinen eigenen Körpergeruch und sind so von Fressfeinden geschützt. Der Geruch der Häsin allerdings würde diese anlocken. Daher kehrt sie nur morgens und abends zum Säugen zur Sasse zurück.“ Die Muttermilch der Häsin ist zudem um ein vielfaches fetter als bei anderen Säugetieren und damit sehr nahrhaft.

Die Superfötation als natürlicher Befruchtungstrick

Mit einem besonderen Trick sichert die Natur die Fortpflanzung der Feldhasen: Innerhalb kurzer Zeit paart sich die Häsin mehrmals. Dadurch kann ein Wurf junger Hasen nicht nur unterschiedliche Väter haben, die Häsin kann außerdem während ihrer Tragezeit noch einmal trächtig werden. Das bedeutet, es können sich Embryonen mit unterschiedlichen Entwicklungsstadien in der Gebärmutter befinden. Diesen natürlichen Befruchtungstrick nennt man Superfötation.

Mein Name ist Hase, nicht Kaninchen

Feldhase und Kaninchen werden oft miteinander verwechselt, obwohl sie sich gar nicht besonders ähnlich sind. Sie unterscheiden sich – wie der Name schon sagt – vor allem an ihrer Lebensweise über-, bzw. untertage. Während der Hase seine Sasse auf dem Feld oder im Acker, auf der Wiese oder im Wald hat, lebt das Kaninchen unterirdisch in einem Bau. Die jungen Kaninchen werden zudem blind und nackt geboren, während junge Hasen bereits ihr volles Fell haben und sehen können. Auch im Aussehen unterscheiden sich beide Säugetiere bei genauerem Betrachten: schon die Größe unterscheidet Feldhase von Kaninchen. Außerdem weist die unterschiedliche Färbung (Hase braun, Kaninchen grau) auf die jeweilige Art hin. Vor allem aber bevorzugen sie jeweils eigene Lebensweisen. So ist der Feldhase eher ein Einzelgänger, das Kaninchen lebt im Familienverbund.

Der „Osterhase“ – eine bedrohte Art?

Trotz natürlichem Fortpflanzungstrick, überleben nur wenige Nachkommen der Feldhasen. Die immer dünnere Besiedelung hängt von mehreren Faktoren ab, besonders davon, wie trocken und warm der Boden in der Zeit ist, wenn die Junghasen gesetzt werden. Die Häsin legt ihre Jungen in Mulden auf dem Feld ab. Anhaltende Nässeperioden in den ersten drei Lebenswochen sind der sichere Tod des Nachwuchses. Zur Nässe kommen weitere Gefahren: Der Feldhase steht auf dem Speiseplan vieler Fressfeinde. Nicht nur der Fuchs hat den Hasen zum Fressen gern. In einem alten Reim von Ludwig von Wildungen heißt es: „Menschen, Hunde, Wölfe, Luchse, Katzen, Marder, Wiesel, Füchse, Adler, Uhu, Rabenkrähen, jeder Habicht, den wir sehen, Elstern auch nicht zu vergessen, alles, alles, will ihn fressen.“

Auch die Lebensraumbedingungen, das Nahrungsangebot und die Deckungsmöglichkeiten in der Agrarlandschaft haben sich laufend verschlechtert. Es fehlen Hecken, Feldraine, Grabenböschungen und Graswege, die ihm und dem Nachwuchs Schutz bieten könnten. Weil Wegraine zudem häufig gemulcht und mehrmals im Jahr abgemäht werden, geht die Vielfalt an Wildkräutern verloren. Auf den Kulturflächen kommen kaum mehr Blühpflanzen wie Schafgabe oder Kamille hoch. Sie aber sind ein Teil der so genannten „Hasenapotheke“, also der Kräuter, die der Hase braucht, um gesund zu bleiben.

Zusammenarbeit zwischen Jäger und Jagdgenossen notwendig

Die Zusammenarbeit von Revierinhabern und Jagdgenossen wird vor dem Hintergrund des dramatischen Rückgangs der Niederwildpopulation immer wichtiger. Ziel des BJV ist es, in Zusammenarbeit mit den Landwirten den Lebensraum der Hasen zu verbessern, um so langfristig dessen Überleben zu sichern. Dazu gehört beispielsweise die Anlage von „Hasenapotheken“, das Mulchen der Feldränder auf zwei Mal jährlich zu reduzieren, der Zwischenfruchtanbau und die Schaffung von Blühflächen. Mit der Anzahl der blühenden Wiesen in einer Landschaft nimmt die Niederwilddichte zu. Von den Blühflächen profitieren aber nicht nur das Niederwild, sondern auch viele andere Arten wie zum Beispiel Vögel und Feldhamster, Käfer und ganz besonders die Honigbienen.

Das können Sie tun

Neben den Umweltbedingungen und den natürlichen Fressfeinden stellt auch das beliebteste Haustier der Deutschen eine Gefahr für junge Feldhasen dar: der Hund. Oftmals vom Besitzer unbemerkt ist er für den Tod junger Hasen verantwortlich während er scheinbar friedlich über Wiesen streunt. Deshalb der dringende Appell an alle Hundebesitzer: Nehmen Sie Ihre vierbeinigen Freunde besonders in der Brut- und Setzzeit (März bis Juni) an die Leine. Informationen zum richtigen Verhalten mit dem Hund in der Natur finden Sie in der BJV-Informationsbroschüre zu diesem Thema. BJV-Präsident Vocke: „Je mehr Hundehalter über die rechtlichen Grundlagen und die Zusammenhänge in der Natur wissen, desto harmonischer wird das Miteinander zwischen Wild und Hund ablaufen. Wir Jäger sind fast alle selbst Hundeführer und kennen die enge Verbindung zwischen Hund und Hundeführer. Daher ist es uns ein großes Anliegen, neben unseren Aufgaben als Anwalt des Wildes, auch für ein gutes Miteinander zwischen Hundeführern und Jägern zu sorgen.“

Hier gibt es den Flyer

Kostenlos zu bestellen unter:  Bayerischer Jagdverband, Hohenlindner Straße 12, 85622 Feldkirchen. Telefon 089-990 234 0 und hier zum Herunterladen als PDF-Datei.


Fotos: Feldhasen „Boxkämpfe“, M. Nieveler (piclease); Junghasen, H. Heimpel (piclease)



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