Bayerischer Jagdverband e.V. - staatlich anerkannter Naturschutzverband

02.03.2016

Internationaler Weltfrauentag am 8. März – Jagdscheinboom bei Frauen in Bayern

Ein grün gekleideter Mann Mitte Sechzig im Lodengewandt, die Waffe geschultert, den Hut ins Gesicht gezogen, den Rucksack am Rücken und den Dackel an der Leine – so sieht das klassische Bild des Jägers aus. Doch ist es noch zeitgemäß und entspricht der Realität? Die Jagd wird zunehmend jünger und weiblicher: rund 17 % aller Jagdscheinabsolventen sind Frauen. (Quelle: Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten: Zentrale Jäger- und Falknerprüfungsbehörde, Landshut)


Foto: (M.Agel, Leica), Bettina Schmidt (links) und Susanne Schmid, junge Jägerinnen aus Bayern.

Am 08. März ist der internationale Weltfrauentrag, der in der Zeit um den Ersten Weltkrieg im Kampf um die Gleichberechtigung, das Wahlrecht für Frauen und die Emanzipation von Arbeiterinnen seinen Ursprung hat. Die Emanzipation findet auch zunehmend Einzug in eine alte Männerdomäne, der Jagd. Was lange Zeit als reines „männlich Verlangen“ (Oper Freischütz von C.M. Weber) galt, zieht nun auch immer mehr Frauen in seinen Bann: das tiefe Naturerlebnis und die ursprüngliche  Art der Fleischgewinnung.

Jagdscheinboom bei Frauen

Während der Frauenanteil in der Jagd 2010 noch knapp unter 10 % lag, liegen nach neuesten Angaben der Zentralen Jäger- und Falknerprüfungsbehörde des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten die Jagdscheinabsolventinnen bei rund 17 %. Bei einer Absolventenzahl von 1818 Jägerinnen und Jägern ist dies durchaus beachtlich. Der regelrechte Jadgscheinboom bei Frauen ist ein positiver Trend, der beim Bayerischen Jagdverband erfreulich wahrgenommen wird: „Es freut uns sehr, zu sehen, dass sich immer mehr junge Menschen und Frauen dieser aufwändigen Ausbildung und Prüfung stellen. Ein Zeichen, dass das Wissen über die heimische Natur und die nachhaltige Nutzung regionaler Lebensmittel immer mehr an Bedeutung gewinnen“, so BJV-Präsident Prof. Dr. Jürgen Vocke.

Im vergangenen Jahr erreichte die Zahl der Absolventen rund um die Bayerische Jägerprüfung einen Rekord. In der Mitgliederstruktur des Bayerischen Jagdverbandes, der auch als Naturschutzverband anerkannt ist, findet sich dieser Trend ebenfalls wieder.  Auch im Präsidium des BJV setzt sich diese Entwicklung fort. Bei der letzten Präsidiumswahl wurde Susanne Schmid als jüngstes Präsidiumsmitglied mit großem Erfolg in das höchste Gremium des BJV gewählt. Im Jahr 2015 traten weit über 2000 Mitglieder, darunter etliche Frauen, den Kreisgruppen im Bayerischen Jagdverband bei. Eine Rekordzahl, die zeigt, dass das Angebot des BJV als anerkannte Vertretung der Bayerischen Jäger und der Service in den BJV-Kreisgruppen gut angenommen werden. Im Vergleich zu den anderen Bundesländern steht der BJV in puncto Mitgliederzuwachs mit an der Spitze.

Im Bayerischen Jagdverband e.V. sind derzeit insgesamt rund 48.000 Mitglieder in rund 160 Kreisgruppen und Jagdvereinen freiwillig organisiert – darunter gut 10 % Frauen. Durch das Bayerische Jägerinnenforum im BJV werden sie zusätzlich repräsentiert.

Warum Frauen auf die Jagd gehen

Renate Weber, Repräsentantin des Bayerischen Jägerinnenforums stellt ebenfalls fest, dass die Jagd in Bayern weiblicher geworden ist. Vor einigen Jahren noch waren Frauen auf der Jagd noch Exotinnen in einer Männerdomäne. Heute melden sich Frauen aus allen Gesellschaftsschichten zur Jagdausbildung an. „Von der Postbotin bis zur Professorin.“ Die Motivation der Frauen ist vielseitig: Manche kommen durch ihre Väter oder Ehemänner zur Jagd. Andere wiederum über ihren Hund. Aber es gibt auch einige Quereinsteigerinnen. Dabei haben sie eines gemeinsam: die tiefe Verbundenheit zur Natur. Der Wunsch nach gesunder und bewusster Ernährung aus der Region, das aktive Gestalten von Lebensräumen zur Erhaltung der heimischen Artenvielfalt, ganzheitliches Erleben der natürlichen Zusammenhänge, Kameradschaft, verantwortungsvolles Handwerk, aber auch Beute machen – es ist das Zusammenspiel vieler einzelner Facetten, die den Begriff und die Faszination der Jagd ausmachen.

Jagende Frauen – damals wie heute

Frauen auf der Pirsch sind keine neuzeitliche Erscheinung. Ein Blick in die Geschichte bestätigt, dass das Jagen bereits in der Antike zum Alltag von Männern und Frauen gleichermaßen gehörte, die Göttin der Jagd „Diana“ bestätigt dies. Auch in der höfischen Gesellschaft war die Jagd als „Zeitvertreib“ adeliger Damen eine Selbstverständlichkeit. Ein berühmtes Beispiel hierfür ist Marie Antoinette. Erst im 19. Jahrhundert wandelte sich dieses Bild. Mit dem Anbruch der Biedermeierzeit veränderte sich auch das Selbstverständnis der Frau: Kinder, Küche, Kirche – lauteten die Maxime. Doch mit der zunehmenden Emanzipation kehrten auch die Frauen in die Welt der Jagd zurück. Auch viele prominente Persönlichkeiten haben den Jagdschein erworben, darunter Eva Longoria (Schauspielerin), Claudia Schiffer (Model), Ulla Kock am Brink (Moderatorin), Madonna (Queen of Pop) oder Catherine Elizabeth Middleton (Duchess of Cambridge).

Sie haben Fragen zu diesem Thema?

Sie interessieren sich für das Thema „Frauen auf der Jagd“ oder möchten eine Jägerin auf der Pirsch begleiten? Der Bayerische Jagdverband vermittelt Ihnen gerne eine Interviewpartnerin in Ihrer Nähe. Nähere Informationen erhalten Sie bei: Susanne Schmid, Presse und Öffentlichkeitsarbeit, Hohenlindnerstraße 12, 85622 Feldkirchen, Tel.: 089 990 23450, E-Mail: Susanne.Schmid@jagd-bayern.de



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