Bayerischer Jagdverband e.V. - staatlich anerkannter Naturschutzverband

18.02.2013

Staatsministerium für Ernährung Landwirtschaft und Forsten akzeptiert fahrlässigen Waffeneinsatz – Der Bayerische Jagdverband (BJV) geht auf die Barrikaden


Feldkirchen – Mit Schreiben vom 11. Februar 2013 hat Staatsminister Helmut Brunner verfügt, dass ab dem kommenden „Jagdjahr 2013/2014 ein fahrlässiger Abschuss von Rehböcken bei allen Jagdarten in der Zeit vom 16. Oktober bis 15. Januar in der Regel nicht mehr als Ordnungswidrigkeit verfolgt werden soll“. Der Bayerische Jagdverband (BJV) nimmt diese Anweisung mit äußerster Befremdung zur Kenntnis, denn dies bedeutet, dass entgegen der Rechtslage kein öffentliches Interesse mehr besteht, wenn ein Rehbock nicht richtig angesprochen und in der Schonzeit geschossen wird!

Auf Druck und Antrag des Bayerischen Bauernverbandes und des Bayerischen Waldbesitzerverbandes hat das Bayerische Staatsministerium für Ernährung Landwirtschaft und Forsten (StMELF) in der vergangenen Woche alle Unteren Jagdbehörden im Freistaat Bayern angewiesen, ein Auge zuzudrücken, wenn fälschlicher Weise ein Rehbock in der Schonzeit erlegt wird. Hintergrund der Forderung ist, dass bei den großen Bewegungsjagden immer wieder  mangels notwendiger Sorgfalt Rehböcke erlegt werden, obwohl für sie ab dem 15. Oktober Schonzeit gilt.

„Das erste Gebot für den Jäger heißt, ich darf nicht schießen, wenn ich das Tier nicht genau ansprechen kann“, sagt BJV-Präsident Prof. Dr. Jürgen Vocke. Der Rehbock ist zwar an der Aufzucht der Jungtiere nicht beteiligt, trotzdem sollte die Jagd wie bisher am 15. Oktober eingestellt werden. Der BJV vertritt die Ansicht, dass gerade in den Wintermonaten dem Wild so viel Ruhe wie möglich gegeben werden sollte. „Jedes Kind weiß, dass die Tiere im Winter ihre Ruhe brauchen, um trotz des niedrigen Nahrungsangebots über die Runden zu kommen“, sagt Vocke.

„Die Abschusszahlen in den bayerischen Revieren bestätigen, dass die bisherige Zeit ausreicht, um den behördlich vorgeschriebenen Bockabschuss zu erledigen“, sagt BJV-Präsident Vocke. Es bestehe im Übrigen keine Notwendigkeit, die bewährten Regelungen aufzuweichen, denn Minister Brunner habe höchstpersönlich bei der Vorlage des „Forstlichen Gutachten zur Situation der Waldverjüngung 2012“ im Bayerischen Landtag schriftlich wie mündlich mitgeteilt, dass es in den vergangenen Jahren vielerorts gelungen sei, Wald und Wild miteinander in Einklang zu bringen. Dies sei dem beispielhaften Einsatz von Jägern und Waldbesitzern zu verdanken, die damit laut Brunner einen wichtigen Beitrag zum Umbau labiler Reinbestände in klimatolerantere Mischwälder leisten.

„Warum folgt dieser Feststellung eine derartige Unterhöhlung der jagdlichen Kultur und der erfolgreichen Praxis der letzten Jahrzehnte“, fragt Vocke. Anstatt die Jagdzeit zu verkürzen und damit den Stress für die Tiere zu reduzieren, schlage das Ministerium den anderen Weg ein, segne den fahrlässigen Waffeneinsatz ab und erhöhe zudem den Jagddruck für das Wild im ganzen Jahr. Er befürchtet, dass dem Rehbockabschuss bald die freie Büchse auf alles Wild folgen wird. Vocke: „Dem Wald hilft das nicht, im Gegenteil: Das Rehwild wird in den harten Monaten des Jahres unnötig gestresst und muss so wieder mehr fressen. Ein höherer Wildverbiss ist vorprogrammiert.“ Gut geheißen werde die Regelung lediglich von jenen, die gerne auf alles schießen, was ihnen vor die Büchse kommt, sagt Vocke. So habe der sogenannte Ökologische Jagdverband, ÖJV Bayern, diese Neuregelung in einer Presseerklärung ausdrücklich begrüßt.

BJV-Präsident Vocke: „Wir vom BJV und unsere Mitglieder wenden uns energisch gegen dieses Schreiben. Für uns muss der Jäger erst zweifelsfrei bestimmen können, was er vor dem Lauf hat, bevor er abdrückt. Nur so kann im Übrigen verhindert werden, dass es bei großen Jagden zu Unfällen kommt.“



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