Bayerischer Jagdverband e.V. - staatlich anerkannter Naturschutzverband

29.11.2017

Afrikanische Schweinepest - Ja zum Seuchenschutz, nein zu Tierschutzverstößen!

Die Bayerischen Jäger sind Vorreiter beim Schutz vor der Afrikanischen Schweinepest. * Eine Tierseuche auf Vormarsch * Wildschweine sind nicht Schuld an der Einschleppung * Erfolgreicher Seuchenschutz in Tschechien * Bayerische Jäger sind bestens vorbereitet * Die Saujagd muss tierschutzgerecht bleiben


Feldkirchen, 28. November 2017 Die Afrikanische Schweinepest (ASP) ist eine Tierseuche, die vor allem die Schweinehalter bedroht. Die Gefahr einer Infektion kommt aus Osteuropa. Im Sommer wurde in Ost-Tschechien, direkt an der Slowakischen Grenze, zum ersten Mal die ASP bei einem Wildschwein nachgewiesen. Jetzt ist die Angst groß, dass die Seuche über Wildschweine auch zu uns eingeschleppt wird.

Die Angst ist unbegründet.

Die Afrikanische Schweinepest, das bestätigen alle Experten, wird durch mangelnde Hygiene im Umgang mit Lebensmitteln aus Schweinefleisch eingeschleppt, zum Beispiel über LKW-Fahrer, Touristen, aber auch Saisonarbeitskräfte aus Osteuropa. Ansteckungsherde sind etwa mangelhaft gereinigte Schlachttiertransporter. Infizierte Wildschweine in der freien Natur bewegen sich fast nicht mehr und sind nicht in der Lage, größere Strecken zu überwinden. Sie verenden nach wenigen Tagen.

Vorreiter in Sachen Seuchenschutz

„Panikmache hilft niemandem“, rät Prof. Dr. Jürgen Vocke, Präsident des Bayerischen Jagdverbandes. „Was wir jetzt brauchen, ist kein blinder Aktionismus, sondern überlegtes Handeln und eine gute Vorbereitung.“ Deshalb ist der Bayerische Jagdverband (BJV) sofort aktiv geworden, betont Vocke: „Wir haben gleich nach Bekanntwerden des Seuchenfalls in Ost-Tschechien zusammen mit dem Tschechischen Jagdverband und der dortigen Obersten Veterinärbehörde einen Sonderarbeitskreis eingerichtet, um uns aus erster Hand zu informieren. Wir stehen in ständigem Austausch mit unseren tschechischen Nachbarn. Wir machen uns kundig, mit welchen Maßnahmen sie die Situation in den Griff bekommen haben und wie sie die Ausbreitung der ASP über die Befallsregion hinaus erfolgreich verhindern.“

Die erfolgreiche Strategie in Tschechien

Die Tschechen haben mehrere Sicherheitszonen rund um den ersten Seuchenfall eingerichtet. Die so genannte Hochsicherheitszone wurde mit Elektrozaun und Vergrämungsmittel abgeriegelt. Die Bevölkerung durfte diese Zone zunächst nicht betreten. Um den Lebensraum für die Sauen so attraktiv wie möglich zu halten, durfte die Ernte aus dieser Region nicht eingefahren werden. Damit konnte das Abwandern der Sauen aus der Befallsregion erfolgreich verhindert werden.  
Nur in einem speziellen Workshop geschulte Jäger dürfen die Region heute begehen. Alle gefundenen verendeten Wildschweine – die Afrikanische Schweinepest führt in kurzer Zeit zum Tod der Tiere – müssen unverzüglich gemeldet werden. Die toten Tiere werden dann von den Veterinärbehörden eingesammelt und in eine Tierkörperbeseitigungsanlage gebracht. In der Sicherheitszone und in den angrenzenden Pufferzonen werden die Schweine intensiv bejagt, um die Zonen möglichst frei von Wildschweinen zu bekommen. Die Jäger werden dabei auch von der Polizei unterstützt.  

Um die Jäger zu motivieren, zahlt der tschechische Staat saftige Prämien für die Meldung von verendeten Tieren. Prämien bis zu 100 Euro pro Sau gibt es auch für die Erlegung von Wildschweinen. Die Trichinenprobe ist in ganz Tschechien für den Jäger  kostenfrei. Abschusspläne oder Zielgrößen gibt es nicht, die Prämien sind Anreiz genug, um den Abschuss voranzutreiben.

Die Saujagd muss tierschutz- und waidgerecht bleiben

BJV-Präsident Vocke macht deutlich, dass eine intensive Bejagung der Wildschweine notwendig ist, um die hohen Wildschweinbestände abzuschöpfen. Doch die Saujagd muss tierschutz- und waidgerecht bleiben. Vocke: „So lange es bei uns keinen Seuchenausbruch gibt, muss der Tierschutz gewährleistet sein. Das gilt für die Einhaltung der Schonzeiten genauso wie für den Muttertierschutz, das gilt aber auch für das Nein zum Einsatz verbotener Mittel.“

Jetzt ist der Staat gefordert

Jetzt, so Vocke, seien der Bayerische Staat und die Landkreise gefordert. So schnell wie möglich müssen – wie in Ost-Tschechien – flächendeckend Sammelstellen eingerichtet werden, wo die Jäger die Eingeweide der Sauen und die Sauschwarten kostenfrei entsorgen können. Auch bei uns müssen endlich die Trichinengebühren komplett vom Staat übernommen werden. Nur einige wenige Landkreise gehen dabei schon jetzt mit gutem Beispiel voran. Mancherorts werden auch jetzt schon Abschussprämien für Wildschweine bezahlt.  Der Bayerische Jagdverband fordert daher auch, die Jägerschaft mit einer Aufwandsentschädigung für die Erlegung von Wildschweinen zu motivieren.

Die bayerischen Jäger sind bestens vorbereitet

Der BJV unterstützt die Jägerinnen und Jäger bei der Organisation und Durchführung von Drückjagden durch Schulungen an der Landesjagdschule. Ein Werkzeug für die effektive Sauenbejagung liefert das vom BJV entwickelte digitale Schwarzwild-Monitoring „BJVdigital“. Rund 1.000 Schwarzwildreviere und über 1.600 User in ganz Bayern sind dort registriert, um gemeinsam die Jagdstrategien besser abzustimmen und die Jagden zu organisieren. So bilden Jäger und Landwirte ein bayernweites Netzwerk, das im Falle einer Seuche sofort abrufbar ist.
Außerdem beteiligen sich die bayerischen Jäger auch am ASP-Monitoring Schwarzwild, das heißt, sie melden verendete Tiere, nehmen selbstständig Proben und lassen diese dann am Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit untersuchen. Der Bayerische Staat unterstützt die Jäger dabei mit 20 Euro pro untersuchtem Tier.

Keine Bejagung ohne Tierschutz

Eine Bejagung ohne Rücksicht auf Tierschutz und Mutterschutz lehnt der BJV zum heutigen Zeitpunkt mit aller Deutlichkeit ab. In Deutschland gibt es derzeit noch keinen einzigen Seuchenfall. Präsident Vocke:  „In der Gesellschaft wird für eine solche rücksichtslose Jagdpraxis kein Verständnis zu finden sein. Wie wollen Sie es den Bürgern erklären, dass Sie ohne die Notwendigkeit der Seuchenbe­kämpfung mörderisch schreiende Frischlinge im Saufang abschlachten oder dass Sie die Frischlinge schlichtweg verhungern lassen, weil Sie das Muttertier, die führende Bache, getötet haben. Wer Forderungen nach solchen Maßnahmen ohne driftigen Grund erhebt, verstößt gegen den Tierschutz. Mit den bayerischen Jägern ist das nicht zu machen.“



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