Bayerischer Jagdverband e.V. - staatlich anerkannter Naturschutzverband

09.10.2017

INTERREG V A – Projekt „Nachhaltige Bewusstseinsbildung für das Natur- und Kulturerbe im Böhmerwald und im Bayerischen Wald“, EU-Nr. 35

Bewährte bayerisch-tschechische Zusammenarbeit wird fortgeführt


Der Bayerische Jagdverband e.V. arbeitet seit dem Jahre 2009 in den Bereichen Jagd und Naturschutz eng mit der Südböhmischen Gesellschaft für Naturschutz und Jagd, dem Böhmisch-Mährischen Jagdverband sowie mit der Gemeinde Mauth-Finsterau zusammen. Diese bayerisch-tschechische Beziehung erfuhr seit dieser Zeit eine enorme Intensivierung und es konnten mehrere bilaterale Projekte durchgeführt werden.

In den vergangenen Interreg-Projekten (Netzwerk Biodiversität und Jagd, Wildtiermanagement im Böhmerwald und im Bayerischen Wald, Aktive Förderung des Verbraucherschutzes in Bayern und Tschechien) konnte eine nachhaltige Vertiefung des grenzübergreifenden Informations- und Erfahrungsaustauschs erzielt werden. Auch zum Erhalt der biologischen Vielfalt im bayerisch-tschechischen Grenzraum wurde von den Projektpartnern ein wichtiger Beitrag geleistet. Darüber hinaus gelang es, ein großes Netzwerk zu vielen Behörden, Verbänden und sonstigen Institutionen beiderseits der Grenze aufzubauen, welches zielführend in der weiteren Zusammenarbeit Verwendung findet. Im neuen Interreg-Projekt ist außerdem die Gemeinde Rejstejn in Tschechien als assoziierter Partner beteiligt und trägt zur Erreichung der Projektziele bei.

Zielsetzung des neuen Interreg-Projektes

Mit dem neuen Interreg-Projekt beabsichtigen die Projektträger, dass über die schulische und außer-schulische Bildung von Kindern, Jugendlichen und auch Erwachsenen ein nachhaltiges Bewusstsein für das einzigartige Natur- und Kulturerbe im Böhmerwald und im Bayerischen Wald geschaffen wird, um langfristig einen Baustein zum Schutz der biologischen Vielfalt in der Region zu legen.

Der Erhalt der biologischen Vielfalt im Böhmerwald und im Bayerischen Wald - das ist das Weitergeben eines Feuers, bevor es zu Asche wird. Die Mittelgebirge Bayerischer Wald und Böhmerwald, wegen ihrer weiten, unzerschnittenen Wälder genannt das „Grüne Dach Europas“, sind Hotspots der biologischen Vielfalt in Mitteleuropa. Sie beherbergen Quellpopulationen europaweit streng geschützter Tierarten, wie Luchs oder Fischotter, die hier wieder Fuß fassen konnten und sich allmählich in ihre alten Lebensräume ausbreiten. Ihre teils autochthone Pflanzenwelt, die kaum irgendwo sonst in dieser Ursprünglichkeit erlebt werden kann, und die damit verbundenen Lebensgemeinschaften finden sich in zwei Nationalparks auf deutscher und auf tschechischer Seite geschützt. Selbst die durch Bewirtschaftung geprägte angrenzende Kulturlandschaft zeichnet sich hier durch außerordentlichen Artenreichtum aus.

Hier setzt das Projekt „Nachhaltige Bewusstseins-bildung für das Natur- und Kulturerbe im Böhmerwald und im Bayerischen Wald“ an: Kinder und Jugendliche beider Natio-nalitäten lernen die Natur ihrer Heimat kennen und werden dazu angeleitet, sie auch nachhaltig zu schützen. Hierbei kommt auch der Leitgedanke "Bildung für nachhaltige Entwicklung" zu tragen.

Nur wer im Sinne einer "Bildung für nachhaltige Entwicklung" schon von klein auf das gemeinsame und grenzüberschreitende Naturerbe der Kulturlandschaft im Bayerischen- und Böhmerwald kennenlernt, wird es sowohl als Produzent als auch als Verbraucher wertschätzen, gewissenhaft mit ihm umgehen und gegebenenfalls auch bereit sein, es aktiv zu schützen.

Die Beteiligten sollen ein Bewusstsein dafür entwickeln, dass ihre Heimat, der bayerisch-tschechische Grenzraum, ein einzigartiges, wertvolles und daher besonders schützenswertes Natur- u. Kulturerbe in Mitteleuropa darstellt. Sie sollen verstehen, dass der Anspruch des Menschen, in einer gesunden und lebenswerten Landschaft leben zu können, eine generations- u. grenzübergreifende Aufgabe ist, die auch persönliche Pflichten nach sich zieht. Gerade dadurch können alle Beteiligten zu der Einsicht gelangen, dass die ökologische Aufwertung einer Landschaft auch ökonomische Vorteile nach sich zieht. Da es sich beiderseits der Grenze um strukturschwache Gebiete handelt, andererseits aber gerade der nachwachsenden Generation berufliche Perspektiven geboten werden sollen, kann dieser Ansatz zu einer langfristigen positiven Entwicklung, insbesondere mit Blick auf den Tourismus, beitragen. Nur wer seine Heimat kennt und weiß, welche Tiere und Pflanzen "noch" in ihr leben, wird den Sinn von Schutzmaßnahmen begreifen und sich auch tatkräftig dafür einsetzen.

Das Projektthema soll bei den Zielgruppen auch zur Stärkung der regionalen Identität und zu einem respektvollen und verantwortungsbewussten Umgang mit der Natur und ihren uns noch verbliebenen Ressourcen beitragen.

Ziele des Projektes

• Initiierung eines grenzüberschreitenden Modellprojektes mit Grundschulen aus Bayern und Tschechien.

• Organisation von sog. Naturerlebnistagen für Kinder, Schülerinnen und Schüler der Grundschulklassen 1–4 zu den Wildlebensräumen wie Wiese, Hecke Wald und Wasser. Auch die Durchführung von „Waldrallys“ sind Bestandteil der Unternehmungen.

• Gründung eines internationalen Arbeitskreises „Umweltbildung“ mit Schulen und sonstigen Behörden und Institutionen beiderseits der Grenze.

• Durchführung von Multiplikator-Schulungen und Aufbau eines grenzübergreifenden Netzwerkes im Bereich „Umweltbildung“.

• Erarbeitung von zweisprachigen Lehrmaterialien usw.

Aktiver Tierschutz wird deshalb immer mehr zu einer notwendigen und dauerhaften Aufgabe, weil gerade in den letzten Jahrzehnten der Mensch durch seine persönlichen und gesellschaftlichen Ansprüche den Lebensraum der Tierwelt massiv eingeengt hat. Dass daher der Mensch gegenüber Tier- und Pflanzenwelt sich in einer bestimmten Bringschuld befindet, ist unbestritten, weil niemand in einer entleerten Kulturlandschaft leben will. Ein wesentliches Ziel dieses Projektes ist es daher, diese Problematik wieder ins Bewusstsein der Menschen zu rufen und sie für einen aktiven Schutz unseres Natur- und Kulturerbes zu begeistern, indem sie wieder und vermehrt ein Gefühl für die Achtsamkeit gegenüber unseren Natur- und Kulturschätzen entwickeln.



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