Bayerischer Jagdverband e.V. - staatlich anerkannter Naturschutzverband

22.02.2017

Feldkirchner Jagdrunde: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser? – Legaler Waffenbesitz zwischen Eigenverantwortung und Überwachung

Im Haus der Bayerischen Jäger fand die Feldkirchner Jagdrunde mit Prof. Dr. Angelika Niebler, MdEP, und Stephan Mayer, MdB, zum Thema Waffengesetz statt.


„Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser? – Legaler Waffenbesitz zwischen Eigenverantwortung und Überwachung“ lautete das Thema der ersten Feldkirchner Jagdrunde des Jahres 2017 des Bayerischen Jagdverbandes. BJV-Präsident Prof. Dr. Jürgen Vocke begrüßte über 60 Gäste, Jäger und Interessierte im Haus der Bayerischen Jäger: „Das Waffengesetz geht uns alle an: Die Jagdwaffen sind das Handwerkszeugs jeden Jägers. Als legale Waffenbesitzer stehen wir im Fokus der Gesellschaft und der Behörden. Wir wehren uns aber gegen jeglichen Generalverdacht und Diskriminierungen wie die Einführung eines psychologischen Gutachtens für legale Waffenbesitzer. Ich danke Frau Prof. Dr. Niebler und Herrn Mayer für ihre heutige Teilnahme, aber auch für ihr engagiertes Eintreten für die Belange der Jäger und Sportschützen im Europaparlament und im Deutschen Bundestag. Damit leisten sie einen Beitrag, die Motivation der Jägerschaft zu erhalten. Dies kommt auch der Allgemeinheit zugute, in deren Interesse viele Aspekte der ehrenamtlichen Arbeit von Jägerinnen und Jägern schließlich liegen.“

Prof. Dr. Angelika Niebler, MdEP, Vorsitzende der CSU-Europagruppe, bezog Stellung zum Thema „Waffenrecht auf EU-Ebene“ und teilte den Anwesenden mit, dass auf europäischer Ebene die Verabschiedung der EU-Feuerwaffenrichtlinie so gut wie durch sei. Die Inhalte seien ausverhandelt, es bedürfe jetzt nur mehr der Absegnung durch einzelne Gremien. Zudem sei eine verpflichtende medizinisch-psychologische Untersuchung für Waffenbesitzer durch die Richtlinie nicht vorgeschrieben. Insgesamt urteilte Dr. Niebler, man habe gegenüber dem ursprünglichen Entwurf der Kommission einiges für die Jäger und Sportschützen erreicht, warnte aber: Jetzt komme es darauf an, dass dies eins zu eins in nationales Recht umgesetzt wird; darauf müsse man beharren!

Stephan Mayer, MdB, Vorsitzender der Arbeitsgruppe Innen der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, berichtete für das Thema „Waffenrecht auf Bundesebene“ und teilte mit, dass es zu einer derartigen Umsetzung nicht mehr in der laufenden Legislaturperiode kommen wird. Um die EU-Richtlinie in nationales Recht zu gießen, habe man in den einzelnen Mitgliedstaaten 15, bzw. 30 Monate Zeit. Bei der derzeit diskutierten Novellierung des deutschen Waffengesetzes hingegen dürfte es schneller gehen. Als zentralen Punkt benannte Mayer die Aufbewahrung von Waffen: Bei den sicheren Behältnissen zur Waffenaufbewahrung wird den bisherigen Waffenbesitzern wohl Bestandsschutz gewährt. Die vorgesehene Heraufsetzung der Mindestanforderungen wird damit im Wesentlichen bei Neuanschaffungen und Neubesitzern zum Tragen kommen.

Dieter Vierlbeck, Dritter Landesschützenmeister des Bayerischen Sportschützenbundes e. V., erinnerte zum Themenbereich „Legaler Waffenbesitz“ an die bedeutende Rolle, die das Schützenwesen aber auch das Büchsenmacher-Handwerk im Selbstverständnis des Freistaats und für das Lebensgefühl seiner Bewohner spiele. Seitens des BJV vertrat Vizepräsident Moritz Fürst zu Oettingen-Wallerstein die Position des Verbandes und der Bayerischen Jägerinnen und Jäger. Seine Durchlaucht verwies auch auf die Bedeutung des 'vorgelebten' Beispiels und der Erziehung zum sicheren und verantwortungsvollen Umgang mit Waffen und Munition. Josef-Markus Bloch M. A., Redaktionsleiter jagderleben.de, moderierte die Veranstaltung.

Hintergrundinformationen – Akademiegespräche

Was erwartet die Gesellschaft von der Jagd, welches Selbstverständnis pflegt sie, was kann sie leisten? Jagd als blutrünstiges Edelhobby oder als gelebtes Bürgerengagement im Dienste für Natur und Gemeinwohl?

Um sich der eigenen Zielsetzungen sowie der Erwartungen von außen klar zu werden, hat der Bayerische Jagdverband die „Feldkirchner Jagdrunde“, auch im Rahmen der Bayerische Akademie für Jagd und Natur, ins Leben gerufen. Eine ausgewählte Gesprächsrunde herausragender gesellschaftlicher Repräsentanten soll in ungezwungener Diskussion wichtige Aspekte der Jagd beleuchten.

Diesmal ging es um ein besonders heikles und viel umstrittenes Thema: den Umgang mit legalem Waffenbesitz.

Denn das Recht, Waffen für die Jagdausübung eigenverantwortlich führen zu dürfen, ist in der Gesellschaft alles andere als unumstritten.



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