Bayerischer Jagdverband e.V. - staatlich anerkannter Naturschutzverband

Das ist des Jägers Ehrenschild

 

Wer liebt das Wild in Hain und Au?
Wer liebt den Wald so gleichermaßen?
Wer liebt der Stille Seelentau?
Wer liebt das herbstlich Jagdhomblasen?

Wer trägt Verantwortung für's Leben?
Wer steht als Wildarzt in der Pflicht?
Wer muß erlösend Fangschuß geben?
Wer hält stets mit sich selbst Gericht?

Wer nährt das Wild zur Winterzeit?
Wer sorgt in Dickungen ftir Stille?
Wer schützt den Einstand tief verschneit?
Wer wehrt dem Lärm mit seiner Schrille?

Das ist der Jäger, oft verfemt,
in seinem Handeln unverstanden,
der still, und ohne Dank beschämt,
weil Kreaturen Schutz ihn banden.

Ottokar G. E. Wagner

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Archiv: Das grüne Verserl

Sommerabschied

Kühler Wiesennebel, zart wie Taft,
zieht ein erstes Schleierband,
kurz grüßt er noch mit halber Kraft,
der Sommer, der geht bald ins Land.

Setzt sich zur Wehr gar fieberhaft,
von Müdigkeit schon übermannt,
noch hat der Herbst es nicht geschafft,
doch geht der Sommer jetzt ins Land.

So wird durch Mächte Leidenschaft
der Lebensbogen neu gespannt,
damit auch keine Lücke klafft,
der Sommer mithin schnell entschwand.

Hans H. Milles

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Waldlaternchen

Eindämmernd schlich auf leisen Sohlen
der Abend Schritt für Schritt daher.
Erquickend Tau warb ganz verstohlen
um Blütengunst und Früchteheer.

Der Auftakt schien's zu muntrem Treiben,
Laternenfest und Hochzeitstanz,
zum Schweben, Torkeln, Fallen, Steigen,
der Glühwürmchen voll Eleganz.

Am Boden, auf des Grases Bänken,
von Lieb durchglüht, der Weibchen Schar.
Bereit, den Werbern sich zu schenken,
die liebestrunken offenbar.

Der Waldrand wurde mir zur Bühne
der Liebeslust im Überschwang.
Mir war's, ich hörte Mandoline,
die dieses zarte Glück besang.

Ottokar G.E. Wagner

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Meine grüne Kirche

Der Wald ist meine Kirche,

oft zieht es mich dort hin.

Wo ich mit Freud‘ und Schmerze,

dem Schöpfer nahe bin.

Die mächt’gen dunklen Stämme

steh’n wie ein Säulengang,

es klingt von der Empore

der Vögel leiser Sang.

Wo lautlos zieh’n die Hirsche,

der Rehbock munter springt

und Werden und Vergehen

im gleichen Rhythmus schwingt.

Aus vieler Leben Ende,

vergangen Jahr um Jahr,

spricht hier der Boden Bände,

gibt Nahrung immerdar.

An diesem stillen Orte

ist’s Alter eine Ehr‘,

und wenn man einmal da war,

dann kommt man ewig her.

André Knipp

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Der Wonnemond

Des Launings Bürde muss er tragen,
der schöne Blumenmonat Mai,
doch bleibt kein’ Zeit dies zu beklagen,
auch kein’ Raum für Spöttelei.

Denn wieder ruht auf ihm die Last,
so viel Leben rasch zu wecken,
und außerdem, bei all der Hast,
sich nach dem Sommer noch zu strecken.

Hans H. Milles

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Frühlingssehnsucht

Ich zog im letzten Abendschatten
durch' s Tal, dem kleinen Dorfe zu.
Am Weg, im Zwielicht, braune Matten;
der Wald in starrer Winterruh.

Doch, wie ich steh', dem Bach zu lauschen,
hör' ich ein erstes Amsellied,
das jenes Gluckern, Wasserrauschen
mit Frühlingsarien überzieht.

Es ist ein Jubeln ohnegleichen,
voll Überschwang und Lebensglück
Als wollt' der Amsler so erweichen
den Frühling, dass er kehrt zurück.

Und von den Strophen ganz durchdrungen,
wird Frühlingssehnsucht in mir wach.
Denn was die Amsel hier gesungen,
das hallt und webt jetzt mannigfach.

Ottokar Wagner

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Überlistet

Der Rehbock ist ein scheues Tier,
besonders für den Jäger,
doch Jogger Marco im Revier
sieht täglich seinen Träger.

Da, eines Tag's ein Geistesblitz
durchzuckt den Jäger locker:
Ich pfeif' auf Pürsch und Leitersitz,
jetzt jag' ich wie der Jogger.

In Läuferkluft am nächsten Morgen,
die Büchse wie beim Biathlon,
trabt Jäger Peter ohne Sorgen.
Tatsächlich sieht den Bock er schon.

Der Bock denkt: Marco joggt heut' stramm,
und knabbert Himbeerblätter.
Da stoppt Peter hinterm Buchenstamm.
Der Hahn kräht: Gutes Wetter.

Nanu, denkt Rehbock und wirft auf,
warum rennt der nicht weiter.
Da knallt auch schon der Büchse Lauf.
Der Jäger jubelt heiter:

Jetzt hab' ich endlich dich erlegt,
du schlauer alter Knabe!
Und dann, noch ganz vor Freud' erregt,
bringt er den Bruch als Gabe.

Peter Wilz

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Nachtansitz

Schweigen, lauschen, schauen

leichtes Blätterrauschen, Schatten, Licht,

kann ich Ohr und Auge trauen?

Meiner Nase besser nicht.

 

Eulen melden vielleicht Sauen,

bis ein Schrei die Nacht durchbricht.

Marder, Fuchs, ein letztes Klagen,

Räubers Glück nach kargen Tagen,

die Beute sieht den Morgen nicht.

 

Im nahen Dorf die Hunde schlagen;

dann die Glocken – Mitternacht,

fröstelnd zieh ich Kopf und Kragen,

hab an Kälte nicht gedacht,

die jetzt langsam, aber stetig

meinem Sitzfleisch Kummer macht.

 

Rehe schrecken, schmälen,

es rauscht und knackt ganz in der Nähe,

auch ich schrecke auf und spähe

angestrengt, hellwach, umher

selbst mit Glas kann ich nichts sehen,.

suchend greif ich das Gewehr.

 

Dann die Lichtung, voll mit schmatzend,

grunzend, schwarzen Körpern, groß und klein,

mein Puls schnellt hoch, jetzt bloß nicht patzen,

heute hab auch ich mal Schwein.

 

Krachend fährt es in die Sauen,

eine liegt, dann wird es still.

Schweigen, lauschen, schauen,

danken, weil das Jagdglück es so will.

 

Hermann Knoblich

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Der Frühling kommt

Hainbuche, Weißdorn, mancher Strauch

zeigt erste Blätter. Wie ein Hauch

zieht’s zartgrün durch die Linden.

 

Am Wege und am Waldesrand

viel Buschwindröschen halten stand

den noch recht kühlen Winden.

 

Narzissen, Veilchen, Tausendschön

geschwisterlich im Garten stehn.

Laß uns ein Kränzlein binden.

 

Ohn’ Unterlaß die Vögel all’,

sie singen uns mit hellem Schall,

woll’n so den Frühling künden.

 

Ach, Frühling, welch ein großes Glück

bringst Du nach trüber Zeit zurück,

lässt manche Sorge schwinden.

 

Und morgen bin ich im Gehege

und geh entlang die stillen Wege,

kann Ruh’ und Frieden finden.

Renate Schulz

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Das Dreiblatt

Die Jagd, um den Vergleich zu bemühn,

Ist wie ein Dreiblatt, ganzjährig grün,

Vorfreude, Erfolg und Erinnerungsstück,

Werden als schönstes Erdenglück

Auf ewig vereint im Herzen erblühn.

Hans Heinrich Milles

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Erster Schnee

Verklungen Herbstes Abgesang,

verstummt der Grillen Lieder.

Nur Krähenrufe hallen lang

noch durch die Feldmark wider.

 

Erloschen auch der Sonne Glanz,

und Nebelgeister steigen

aus Klüften jetzt zum nächtlich Tanz,

erschauernd Geisterreigen.

 

Der Nachtwind fiedelt's Totenlied.

Ein Hofhund jault im Bunde.

Von Westen überm Felsenstieg

zieht's blauschwarz her zur Stunde.

 

Doch tags darauf strahlt weiße Pracht.

Still hat der Große Maler

aus dunkler Wolken schwerer Fracht

gezaubert Sternentaler.

 

Ottkar  G.E. Wagner


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