Der Frühling kommt
Hainbuche, Weißdorn, mancher Strauch
zeigt erste Blätter. Wie ein Hauch
zieht’s zartgrün durch die Linden.
Am Wege und am Waldesrand
viel Buschwindröschen halten stand
den noch recht kühlen Winden.
Narzissen, Veilchen, Tausendschön
geschwisterlich im Garten stehn.
Laß uns ein Kränzlein binden.
Ohn’ Unterlaß die Vögel all’,
sie singen uns mit hellem Schall,
woll’n so den Frühling künden.
Ach, Frühling, welch ein großes Glück
bringst Du nach trüber Zeit zurück,
lässt manche Sorge schwinden.
Und morgen bin ich im Gehege
und geh entlang die stillen Wege,
kann Ruh’ und Frieden finden.
Renate Schulz
_________________________________________________________________
Archiv: Das grüne Verserl
Das Dreiblatt
Die Jagd, um den Vergleich zu bemühn,
Ist wie ein Dreiblatt, ganzjährig grün,
Vorfreude, Erfolg und Erinnerungsstück,
Werden als schönstes Erdenglück
Auf ewig vereint im Herzen erblühn.
Hans Heinrich Milles
________________________________________________________
Erster Schnee
Verklungen Herbstes Abgesang,
verstummt der Grillen Lieder.
Nur Krähenrufe hallen lang
noch durch die Feldmark wider.
Erloschen auch der Sonne Glanz,
und Nebelgeister steigen
aus Klüften jetzt zum nächtlich Tanz,
erschauernd Geisterreigen.
Der Nachtwind fiedelt's Totenlied.
Ein Hofhund jault im Bunde.
Von Westen überm Felsenstieg
zieht's blauschwarz her zur Stunde.
Doch tags darauf strahlt weiße Pracht.
Still hat der Große Maler
aus dunkler Wolken schwerer Fracht
gezaubert Sternentaler.
Ottkar G.E. Wagner
